Montag, 31. Januar 2011

Umzug und NM

Kinder, ich kann euch sagen, das war ein Tag heute! Wenn man hormonell etwas unausgeglichen ist, ist der Alltag schon Aufregung genug. Wenn dann aber noch andere Dinge dazu kommen, wird man vollends zum wandelnden Vulkan.
Ich komme also heute Mittag ahnungslos ins Büro, mache den Computer an - und nach ein paar Minuten geht gar nichts mehr. Nur mein schönes Hintergrundbild des Falkensteins leuchtet mir entgegen. Nachdem Per es auch noch einmal probiert hat und ich vorher noch einmal, ging ich runter zum Support (PC-Hilfe) des Sportverbandes. Dort funktionierte das gute Teil dann plötzlich wieder und als ich wieder oben war, funktionierte es wieder nicht. Ich wieder runter, Ausleih-PC bekommen, damit ein bisschen gearbeitet, wieder runter, PC abgeholt, wieder hoch, nichts geht mehr, mehrere Versuche, wieder runter, dort funktioniert er wieder, mit dem Mann vom Support hoch, da funktioniert es auch nicht (ich habe also keine Märchen erzählt) - Schlusspunkt: Ausleih-PC. Ich war nervlich am Ende. Vier Stunden auf Arbeit, aber den Großteil nur mit dem Rechner und seinen Mätzchen verbracht.
Dann habe ich unserer Hauptsekretärin Turid noch beim Sortieren von Rechnungen und Abschicken geholfen, sodass ich dann schlussendlich völlig platt war.
Deshalb musste ich auf dem Nachhauseweg erst mal richtig schön laut Musik hören, "Tie your mother down" (hat nix mit dir zu tun, Mama) und "Tear it up" von Queen.




Zu Hause bei Marit (werdet bald lesen, wer das ist), konnte ich dann etappenweise wieder entspannen. Jetzt geht es wieder ganz gut.

Aber der Reihe nach.
Am Samstag, dem 22. Januar, war Arbeitseinsatz an der Kletterwand im Centrum Athletica angesagt. Das Runterschrauben ging ja noch relativ schnell und war auch einfach, aber dann! Ich habe zusammen mit drei, vier anderen Mädels die Ehre gehabt, die Klettergriffe abzuwaschen, schön in einem großen Bottich mit Essigwasser. Fünf Stunden lang! Dafür gab es zum Lunsj leckere Sushi.






SONNTAG!!!
Das war ein schöner Tag! Denn es hieß: UMZIEHEN! Am 19. waren Per, Kjersti (seine Frau) und ich ja bei Marit zu Besuch gewesen und noch bevor Per zu Hause gewesen war, rief Marit an, um zu sagen, dass sie gerne möchten, dass ich bei ihnen einziehe. Alles ging anschließend ganz schnell: Umzug am Sonntag. Mir hat Packen noch nie so viel Spaß gemacht, ich hatte ja auch Gott sei Dank drei große Gepäckstücke: die Swix-Tasche vom Skiverband, Mamas blauen Koffer und Mamas Trekkingrucksack. Sonntagvormittag rückten Per und ich im Solemskogen an und ich zog bei Marit und Familie ein.
Dort habe ich ein sehr schönes Zimmer mit traumhaften Ausblick auf den See Maridalsvannet und Sauna!!! Die muss ich unbedingt noch ausprobieren.
Zur Familie gehören neben Marit, die mit Pers Frau Kjersti zusammenarbeitet, Björn (ihr Mann), sehr viel beschäftigt, zur Zeit in Ätopien, weiterhin Karianne, Medizinstudentin, Steinar, Physikstudent, wohnt aber außer Haus sowie die Haustiere Timo (Hund) und Julian (Kater).
Jetzt ist es genau umgekehrt der vorigen Wohnsituation. Vorher war ich froh, auf Reisen gehen zu können, weil ich dann nicht zu Hause sein musste. Jetzt würde ich gerne mehr zu Hause sein, weil es hier so schön ist. Man redet miteinander, zeigt Interesse, lacht,... Dinge, die in den letzten Monaten in meiner Wohnsituation nicht selbstverständlich oder besser gesagt, normal waren. Ich weiß zwar, dass es bei mir zu Hause in Deutschland schon besonders ist, in der Familie, aber das war doch schon eine sehr krasse Erfahrung bei Midori. Vielleicht war da auch noch eine Prise Kulturunterschied dabei, wer weiß. Dieses Kapitel ist jetzt abgeschlossen.

Stephan auf der Leiter des Grauens

rostiges Kleinod



Eine Nacht in der neuen Familie geschlafen und am nächsten Tag gleich weiter. Für mich ging es am Montagnachmittag mit dem Flugzeug nach Trondheim, von dort aus wurde ich mit dem Auto bis ins eineinhalb Stunden entfernte Steinkjer mitgenommen. Dort habe ich Stephan und Maritxu (Französin aus dem französischen Baskenland) besucht, die ich beide vom Ankunftsseminar in Selbu kenne. Stephan ist auch mit mir vor Weihnachten von Oslo nach Berlin geflogen, wohnt im Eichsfeld. Bei Stephan gab's dann (nach meinem Wunsch) ganz zünftig Nudeln, die ich hier nur noch recht selten esse. Am Dienstag konnte ich ausschlafen und als Stephan von der Sprachschule kam, sind wir zusammen auf den Hausberg Oftenaasen gestiegen. Abschnittsweise war es aber richtig richtig glatt, die Streusteine waren im Eis eingefroren, am Berghang selbst ging es einigermaßen. Von oben hatten wir dann aber eine richtig schöne Aussicht. Nachmittags hat Stephan mir noch seinen Arbeitsplatz Huze, ein Jugendhaus, gezeigt und wir sind mit seiner Chefin Mariann zum Skistadion hoch gefahren und ich konnte meine liebe Freundin Benthe Asp wiedersehen.

Am nächsten Tag bin ich dann ins Hotel umgezogen und sollte das Zimmer später noch mit Per wechseln, denn ihn störte die Klimaanlage (selber Typ wie im Sporthotel) nicht. Dann bin ich hoch zum Stadion und habe ein bisschen gearbeitet. Abends war dann das erste von vier Teamchefbesprechungen.

Lustig ist die Teambesprechung: Asgeir und Torbjörn "Großvater" Skogstad
Donnerstag war dann der erste Tag der NM, Norwegische Meisterschaft, man kann natürlich auch Nationale Meisterschaft sagen. Auf dem Terminplan standen 10km Klassisch Frauen und 15km Klassisch der Herren. Ich habe das erste Mal richtig mit allem drum und dran sekundiert, also den Läufern auch ihre Platzierung und Zeit zugerufen. Außerdem liefen auch die Handicap-Athleten.
Der König soll auch an diesem Tag da gewesen sein, in einer eigens für ihn errichteten Hütte, aber mir hat er nicht Guten Tag gesagt.

Siegertreppchen: Kristin Störmer Steira, Marit Björgen und Therese Johaug
Am Freitag war Sprinttag. Ich hatte Per ja gebeten, dass ich neben meiner Büroarbeit mit den Punktelisten draußen im Stadion mithelfen kann. Darum war ich dann beim Sprint mit bei den Freiwilligen, um den Läufern die Transponder abzunehmen, zumindest denen, die sich nicht für die nächste Runde qualifiziert hatten.
Daher kann ich nun sagen, dass ich viele Langläufer (und Nordische Kombinierer) zwar nicht persönlich, aber immerhin am Bein getroffen habe!
Links Zeitnehmer Daniel aus Leipzig
Ich wurde dann auch noch mit einem der Zeitnehmer der Firma Siwidata (Italien, Südtirol) bekannt, der aus Leipzig kam, Sachen gibt's! Als ich meinte, dass ich nach den Monaten hier gemerkt hätte, dass es in Dresden eben doch am schönsten ist, kam dann allerdings nur ein mürrisches "hm" à la "Mei Leibzsch lob ich mir!"... Er hat auch lange Zeit in Südtirol gewohnt, nicht weit vom Sellajoch, lieber Papa, irgendwo bei St. Ulrich und Wolkenstein.

Zehn Minuten später kam schon wieder der blaue Himmel durch...
Samstag liefen die Frauen 15 und die Männer 30km.
Es war aber vor allem der Tag mit dem merkwürdigsten Wetter, anhand dessen man das berühmte typische Tröndelagwetter sehr gut ablesen konnte. Wetterwechsels aller zehn Minuten, Regen, Schnee, Sonne, Nebel, Schneesturm, Hagel, usw.
Vidar (rechts in Rot) und ich in Aktion.
Als die Männer ihr Rennen hatten, war ich mit Per und Vidar (Verantwortlicher für die Herrennationalmannschaft) draußen an der Strecke, um den Läufern zu trinken zu geben - das war aufregend! Und vor allem gar nicht so leicht. Aber wenn man sich ruhig hinstellt, die Flasche mit den Fingerspitzen am Hals festhält und möglichst noch den Namen des Läufers ruft, klappt es meistens. In den ersten Runden kamen Eldar Rönning und Martin Johnsrud Sundby immer sehr dich hintereinander, sodass Vidar immer dem ersten von beiden und ich dem zweiten zu trinken gab. Bei Öystein Pettersten ist die Flasche dann einmal aus seiner Hand gefallen, weil er sie nicht mit beiden zu fassen bekam, aber Per stand glücklicherweise noch weiter hinten und konnte ihm noch etwas geben.
Wikinger auf dem Klo


Trubel im Startareal
Am letzten Renntag fand der Staffelwettbewerb statt. Die Staffeln bestanden jeweils nur aus drei Läufern, da viele Klubs Probleme hätten, ganze vier Läufer für eine Staffel aufzutreiben. Marit Björgen, die Gewinnerin aller vorherigen Damenrennen, war diesmal nicht dabei, da der Rognes IL (IL=Idrettslag=Sportmannschaft) eigentlich nur Marit als mögliche Staffelläuferin hat. Petter Northug war auch nicht dabei, er kränkelte ein bisschen und so wurden die großmundigen Artikel in der eigens eingerichteten NM-Zeitung nicht ganz Wirklichkeit, dafür lag der Fokus aber etwas breiter als nur auf der Person Petter Northug.
Dort war ich auch wieder mit den Transpondern beschäftigt, sowohl dran- als auch abmachen. Nicht ganz einfach, dabei immer die Übersicht zu behalten, wer gerade eine Etappe hinter sich hatten und wer noch gehen sollte, weil entweder die Startnummer verdeckt war oder manche so schwer atmeten, dass man dachte, sie wären schon gelaufen und würden es nicht erst noch.
Anbei (vor allem) ein Hörbeispiel, als Johan Kjölstad (ihn habe ich besonders gern, weil er am gleichen Tag Geburtstag hat wie ich) als letzter Läufer der späteren Gewinnerstaffel des Klubs Skogn IL das erste Mal ins Stadion einlief:

Am Nachmittag sind wir dann zum Bahnhof gebracht worden und mit dem Zug bis zum Flughafen Vaernes von Trondheim gefahren. Gestern war ich dann schließlich erst um 23 Uhr zu Hause, aber mit dem Bus wäre es sicherlich noch später geworden, glücklicherweise hatte uns Pers Sohn Vegard fahren können.

Am Mittwoch geht die lustige Reise gleich weiter. Abends treffen sich Trainer, Begleiter und Athleten des Langlaufs, Skispringens und der Nordischen Kombination im Hotel am Flughafen, um noch alls für den Nordischen Juniorenwettbewerb zu besprechen. Denn am Donnerstag fahren wir alle zusammen mit dem Bus nach Örnsköldsvik an der schwedischen Ostküste, wo sich Athleten aus Norwegen, Schweden und Finnland zum sportlichen Wettstreit treffen.

Bis bald,
eure Henni

P.S.: Bald gibt's mehr Info zu Haus und Bewohnern.

Freitag, 21. Januar 2011

Nach uns das Siechenhaus!

Ich werde jetzt nicht damit anfangen, dass es schon eine Weile her ist, dass ich zuletzt einen Eintrag hier verfasst habe...
Nein, ich gebe euch stattdessen einfach einen Überblick, was in der letzten Zeit so alles passiert ist.


1) In meinem letzten Eintrag schrieb ich ja, dass ich im Sporthotel des Olympiastützpunktes übernachten sollte - nie wieder! Denn ich erwischte natürlich das Zimmer mit der lautesten Klimaanlage (das konnte ich später noch herausfinden), welche sich nämlich nicht nur im Bad, sondern auch im Zimmer selbst befand. In dieser einen Nacht ging meine Anzahl Schlafstunden gegen 0, wenn euch die Unendlichkeitsrechnung noch was sagt. Dank dem lieben Per konnte ich in der zweiten Nacht aber im Thon Hotel nächtigen, welches sich gleich bei uns am Ullevaal Stadion befindet. Da war es ruhig!
Schön war es auch bei Kristine, ihren Kindern und Mann Claude, wobei ich mir eingestehen musste, dass mein Französisch zumindest im mündlichen Bereich doch wohl beträchtlich eingeschlafen ist. Claude hat sich trotzdem gefreut, wenigstens ein paar muttersprachliche Wörter zu wechseln.

2) Die anschließende Woche war kurz, denn am Donnerstag ging es gleich nach Savalen im Österdal. Auf der Fahrt dahin kam ich mir so vor, wie sich viele in Deutschland Norwegen vorstellen: So gut wie keine Menschen und alles "Ödmarka", wie der Norweger sagt. Man konnte kaum glauben, dass in ganz Norwegen durchschnittlich ganze 15 Menschen auf einem Quadratkilometer leben sollen!
In Savalen wohnten wir dann in - na, natürlich einem der zahlreichen norwegischen Berghotels, diesmal sogar einem Spa-Berghotel. Ich wohnte noch mit drei anderen weiblichen Mitbewohnerinnen in einer Spasuite, also mit Sauna und Whirlpool, wobei ich ersteres nicht ausprobieren konnte. Der Whirlpool, norwegisch "bobblebad", tat's auch. Skitechnisch gab es dort nicht nur den Norges Cup, sondern auch die ersten Rennen des Scandinavian Cup zu bewundern, die anschließend in Schweden, Estland, Lettland und Finnland weitergehen.
Im schönsten norwegischen Wintersturmwetter kämpften wir uns dann nur durch ein paar Staus unterbrochen bis nach Oslo zurück. Da war es wohl von Vorteil, dass das Rennen an diesem Tag aufgrund von -26°C ausgefallen war.

3) Und ich zitterte um meine 15kg-Gepäckgrenze bei RyanAir. Denn ich hatte ja einen Flug nach Berlin und zurück ergattert, der mich nur umgerechnet 12€ kostete, drauf kamen aber noch rund 50€ für's Gepäck à 15kg. Meine Freundin Bianca hatte mich schon mental darauf vorbereitet, dass sie zumindest am Flughafen Rygge-Moss bei Oslo sehr sehr sehr genau sind mit Übergepäck. So konnte ich in der Nacht vor meinem Nachhauseflug kaum ein Auge zu tun, andererseits habe ich tausendmal besser geschlafen als im Klimaanlagenrumorzimmer des Sporthotels...
Bus geschafft, gut in Rygge angekommen - und siehe da: Es waren nicht einmal annähernd 15kg, sondern nur schlappe 14,1kg. Mir fiel trotzdem ein Stein vom Herzen, was ich vor der Schalterbeamtin durch lautes Aufatmen auch nicht verbergen konnte.
Schön war auch noch, dass ich in der Wartehalle Stephan aus Steinkjer traf, den ich vom Ankunftsseminar in Selbu kannte und den es nun auch in der Weihnachtszeit ins heimische Eichsfeld zog. So war ich wenigstens nicht allein, um für den planmäßigen Flug zu beten - im Vorfeld hatte ich ja schon Blut und Wasser geschwitzt und jeden Tag die Flugannulierungsliste durchgearbeitet, aber in Rygge war so wenig Schnee, da wären sie sogar in Frankfurt am Main damit zurecht gekommen. Berlin-Schönefeld war auch nicht im vollständigen Chaos, das betraf größtenteils die Inlandsflüge. Auf den deutschen Autobahnen herrschte trotzdem ein so großes Chaos, dass mein Papa mich nicht abholen konnte, aber mein tapferer Um-viele-Ecken-Onkel Matthias kämpfte sich ganze drei Stunden durch den Berliner Chaosverkehr zum Flughafen durch und wir gelangten nach weiteren zwei Stunden dann in Glienicke bei seiner Frau Waltraud an, wo ich nächtigen durfte. Am nächsten Tag ging mein Zug nach Dresden ohne Probleme, holte die anfängliche Verspätung sogar noch auf, sodass mein Muttchen zu spät am Bahnsteigwar. Zum Glück hatte ich mir das Zugticket nicht am Schalter holen wollen, sondern gleich im Internet gekauft, in Berlin war am Schalter die Hölle los!

Nun, das alles war nebensächlich, als ich endlich zu Hause war. Und es tat SO gut, das kann ich euch versichern! Nachdem ich doch in meinem Osloer Heim ziemlich unglücklich war, tat es sehr gut, sich einfach fallen zu lassen. Ich wusste mir auch meine Freiräume zu schaffen und nicht jeden Tag zwischen Verwandten und Freunden hin und her zu pendeln.

4) Aber alles hat auch ein Ende, zumindest ein vorläufiges. Erst mal sollte es ja wieder zurück nach Oslo gehen, damit meine Eltern mich auch dort besuchen konnten. Trotz Schneesturms in Rygge kam mein Flugzeug überpünktlich und Per musste seinen PC gleich wieder zuklappen - er wollte ja die Wartezeit ganz schlau ausnutzen und arbeiten... :) Aber es war sehr schön, dass er mich abgeholt hat, so konnte ich noch ein bisschen auspacken und mich für das nächste Skirennen in Aal vorbereiten. Übrigens scheint man in Berlin bei RyanAir nicht alles auf die (Gold)Waage zu legen, mein Gepäck hatte durch die zahlreichen Süßigkeiten ein stattliches Gewicht von 15,1kg!
Aal verlief dann relativ ruhig. Wir wohnten in einer schönen, frisch restaurierten Hütte im Wald und ich war schwer beschäftigt mit dem Aufstellen der Punktelisten für dieses erste Junioren Norges Cup Rennen, denn dort galten nicht wie bei den Senioren nur die Kategorien Senior und U23, sondern 19/20 Jahre, 18 und 17, je Männer und Frauen.

Auch behinderte Athleten waren am Start

Unsere Waldhütte


5)Die Aufregung hatte mir etwas auf den Magen geschlagen, aber ich konnte meine Ellis am Montag glücklich am Hauptbahnhof in die Arme schließen. Ein kleiner Koffer war nur mit sächsischen Köstlichkeiten gefüllt, die dann unters (Ski)Volk verteilt werden sollten.
MONTAG - Ankunft, Papa schläft sich von der Nachtschicht ein wenig aus, Mama und ich schauen uns die Begehung der Eternal Flame am Nameless-Tower in Pakistan durch die Huberbrüder an. Abends Restaurantbesuch im "Albertine" auf der Aker Brygge, wo Mama ihren Freund André traf, oder zumindest sein norwegisches Pendant, welches bezeichnenderweise Henrik hieß...
Mama und Fast-André Henrik


Die Ra II

Die Kon Tiki
DIENSTAG - Vormittags kam Familie Anders nur schwerlich aus den Federn, nach dem Spätstück ging es zur Besichtigung von Hennis Arbeitsplatz im Ullevaal Stadion, wo man Per, John Olav und ein paar andere begrüßte. Warten auf Staale, der versprochen hatte, sich brav zu benehmen. Er steckte im Stau, aber zum Schluss konnte er Mama und Papa noch die Hand schütteln, bevor wir uns ins Kon-Tiki-Museum aufmachten. Dort standen noch die Original"schiffe" von Thor Heyerdahl, Ra II und die Kon Tiki. Nur Ra I war beim ersten Versuch kaputt gegangen und ein anderes Schiff wurde aus Protest im persischen Golf verbrannt. Nach dem Museumsbesuch schlitterten wir noch ein bisschen an der Nase (nes) von Bugdöy, Bygdöynes, herum und dann bummelten wir ein bisschen durch die Stadt. Gegessen wurde in einer Einkaufspassage an der Karl Johan.

MITTWOCH - Der Tag, der meinen Kollegen vom Alpin Recht geben sollte, dass man auf Zahnstochern nicht Ski fahren kann.

Vormittags schlitterte Familie Anders auf und vom Operndach herunter, um sich dann für eine Skitour mit Per klar zu machen. Vor der Skitour bekam Per noch einen Stollen mit passendem Likör geschenkt. Dann ging's hoch zum Frogneseteren in der Nähe des Holmenkollens. Die Ski benötigten mehrmals noch eine Portion Festwachs, denn es waren um die 0°C, eine sehr schwierige Wachssituation. Mama stiefelte schon vorneweg im "fiskebein"-Schritt, ich hinterher. Dann drehte Mama um, um sich noch Wachs auf die Skier geben zu lassen, denn sie hatte anfangs keins benötigt. Ich ging also bis hoch und wartete an der Kreuzung. Plötzlich klingelte das Telefon in meinem Trinkgürtel (Weihnachtsgeschenk von Per) und Per sagte mir: "Dein Vater ist gerade dabei, sich die Beine zu brechen." Und auch wenn es ein Klischee ist, es gibt tatsächlich dieses Gefühl, welches einem schon vorher sagt, dass etwas passiert sein muss. Per meinte später, ich sei noch nie so schnell einen Berg herunter gefahren.

Um es im Rückblick mal kurz zusammenzufassen:
Das Schlimmste: zu sehen, wie Papa höllische Schmerzen hat
Im Eifer des Gefechts: Vertausch von Pers Skiern und einer nicht beteiligten Person
Es kam doch ein Krankenwagen und wir mussten Papa nicht selber fahren
Die Sanitäter waren allesamt sehr nett und ich habe geheult wie ein Schlosshund. Zitat Mama: "Wie das Leid von Mütterchen Russland persönlich" Zitat Per: "Blitzeis am Frogneseteren durch massenhaft aufgetretene Tränenflüssigkeit"
Ich mit im Krankenwagen, um zu dolmetschen

Ziel war dann das sogenannte Ahus, Kurzwort für das Akershus universitetssykhus (sykehus = das mittelalterliche Siechenhaus???), welches nicht mehr in der Oslo Kommune, sondern in der Akershus Kommune liegt und seit seiner umfassenden Renovierung und Erweiterung das modernste Krankenhaus Norwegens, wenn nicht sogar Skandinaviens darstellt. Dorthin kommen alle Deutschen, die in Oslo oder Akershus ins Krankenhaus müssen. Unser Glück, fand ich. Denn auch wenn es ein Stück außerhalb war, bis auf die Rezeptionisten machten wir die Bekanntschaft vieler netter Menschen. Viel Personal, nettes Personal, ein Arzt, der sich nicht mit Dr. Sowieso vorstellte, sondern schlicht und einfach sagte, er heiße Frode. Englisch wurde gesprochen, teilweise deutsch. Papa wurde geröntgt und es stellte sich heraus, dass sowohl das Schien- als auch das Wadenbein gebrochen waren, was laut Arzt Frode mit physikalischen Kräften ganz einfach geschieht, weil die Membran zwischen den beiden Knochen wie ein Kabel die Wucht weitergeleitet hat. Operation noch am selben Abend. Papa bekam nach der OP auch gleich ein Nachtmahl.

Abends fand aber auch das geplante Abendessen im "D/S Louise" auf der Aker Brygge statt, mit Mama, Per, seiner Frau, Kristine und mir.

DONNERSTAG - Vormittags ab ins Ahus, dort konnte Papa sich inzwischen klar an den Unfallhergang erinnern: Linker Ski schräg im Fischbeinschritt, rechter in der Spur, der rechte rutschte Weg unter den linken, Papa fiel nach hinten um, der rechte Ski war wie festgetackert und dann folgte der Bruch.
Nachmittags die Papa-Memoriam-Skitour, also die am Mittwoch geplante, mit Per vom Frogneseteren zum nahe des Quartiers gelegenen Sognsvann.
Abends bin ich zur Vorstandssitzung der Klettegruppe gefahren, um meine Pflichten als Vorstrandsmitglied wahrzunehmen, hoho! Dort bekam mein lieber Freund Kjell von mir nachträglich zu Weihnachten einen Sächsische Schweiz Kletterkalender geschenkt, damit er auch nicht vergisst, mich mal zu besuchen. Vielleicht wird die Klettertour ins Sächsische ja auch Wirklichkeit, mal schauen.




FREITAG - wieder Ahus, dann wollten Mama und ich eigentlich ins Munchmuseum, welches aber bis zum 20. Januar wegen Ausstellungsumbauarbeiten noch geschlossen war, wir haben uns dann stattdessen die Gewächshäuser des botanischen Gartens zu Gemüte geführt.
links in blau Kjell, ich beim Wiedersehensgespräch mit meinem Trainer der ersten Stunde: Rune
Abends war Boulderversammlung im Centrum Athletica auf der Akersgata, wobei ich mich nur an kleine Boulder heranwagte und nicht wie die üblichen Verrückten an der überhängenden Wand. Danach gingen wir alle ins Studentenlokal "Waldemar's" essen - echt studentisch, man muss sein Gegenüber also anschreien, um sich zu verstehen.

Der "Bacchus"-Burger

Mama und ihr Klippfisk
SAMSTAG - Ahus, wie üblich, dann eine Stadtrundfahrt mit Bus, U-Bahn und Straßenbahn. Gegessen wurde in den Domarkaden im Café "Bacchus". Danach wollten wir erkunden, ob man vom Frogneseteren noch einen schönen Ausblick auf die Stadt erhaschen kann, aber da hätten wir schon auf die Holmenkollenschanze gemusst, um über den dichten Wald hinweg zu sehen.

Nationaltheatret


SONNTAG - Zusammenpacken, noch mal ein Versuch am Frogneseteren, angesichts des Nebels war die Aussicht aber eher spärlich, ins Ahus, von wo Mama und Papa dank der ADAC+ Versicherung mit dem Taxi abgeholt wurden und mit allem drum und dran gut nach Hause kamen.
Jedoch nicht, ohne etwas zu vergessen, wie die Mama eben einige Papiere bei mir vergaß, die ich nur durch Zufall diese Woche entdeckte.
Wie ich hörte, wollte der Herr A. sich dann nicht hinlegen im Auto, prompt folgt die Entzündung, vielleicht war es da ganz passend, dass er im Freitaler Krankenhaus auf der Kinderstation lag. Und er wird sich sicher nach dem guten Ahus-Essen gesehnt haben, ich weiß ja aus eigener Erfahrung, dass dies in Freital nicht unbedingt das Schmackhafteste ist.


Für mich hieß es dann, sich wieder in den Alltag einzufügen, im Büro wieder in den Trott zu kommen und eventuelle Heimwehanflüge mit ganz viel Arbeit zu bekämpfen, was mir durch eine ellenlange Transponderliste und eine Namensunterschiedsliste auch gelang. Diese letzte Liste ist so zu erklären, als dass wir in Aal am letzten Renntag noch stundenlang bei den Zeitnehmern saßen, weil die Namen von sage und schreibe 218 Athleten in der FIS und emit (norwegische Zeitnehmerfirma) Datenbank nicht übereinstimmten. Ich durfte diese Namen also alle ver- und wieder angleichen. Dabei ist mir dann wieder einmal aufgefallen, dass die Norweger mit ihren Mutters- und Vatersnahmen selbst nicht zurecht kommen. Ich würde da ja auch Henrike Hebenstreit Anders heißen. In der Datenbank müsste dann stehen: Anders, Henrike Hebenstreit und eben nicht Hebenstreit Anders, Henrike.
Russisch Brot und Kokos Russisch Brot verschwand im Büro innerhalb von zwei Tagen und Staale bekam ein paar edle Tropfen in Schokolade geschenkt. Später versuchte ich ihn dann sporadisch mit ein paar Toffifees zu besänftigen, als er sich über sein neues Telefon ärgerte.
Im Büro wird jetzt alles für die Nationalen Meisterschaften oder Norwegischen Meisterschaften (NM) in Steinkjer bei Trondheim vorbereitet. Ich fliege bereits etwas eher, um Stefan und seine Mitbewohnerin Maritxu aus Frankreich zu besuchen.

Am Mittwoch passierte dann auch noch etwas sehr Schönes: Per, seine Frau Kjersti und ich fuhren zu einer Familie, in die ich bereits am Sonntag umziehen werde! Wir haben uns gleich sehr gut verstanden. Mehr dazu werde ich später erzählen. Es wird sicher sehr spannend, aber auch für die Eingewöhnung müssen wir uns wieder Zeit geben. Ich bin jedenfalls sehr froh darüber und freue mich sehr. Meine neue Adresse wird dann per Mail zugestellt. Wer sie dennoch nicht kriegt, kann mich ja z.B. über meine Eltern kontaktieren.

Bis bald dann,
eure Henni

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Ein fast königliches Wochenende

Hallo ihr Lieben!

Entschuldigt die Verspätung, aber mir war in den letzten Tagen nicht unbedingt nach schreiben, ich lag mit einer Gastroenteritis (auch bekannt als Magen-Darm-Grippe) flach, aber dazu später mehr.

Am 1. Dezember hatte die Klettergruppe Vorstandssitzung und ich wurde auch mit in den Vorstand als einfaches Vorstandsmitglied aufgenommen (http://www.osi.uio.no/klatring/styret.shtml). Da helfe ich jetzt den anderen Vorstandsmitgliedern, wenn sie zusätzliche Hilfe brauchen. So hoffe ich ja auch mal eine Tour gen Sächsische Schweiz organisieren zu können, mal sehen, ob das klappt.

Am Freitag ging es dann schon früh raus, denn Per und ich mussten unseren Flug Punkt 8 Uhr in Gardermoen erwischen. Wir kamen dann auch planmäßig am Flughafen und an unserem Ziel Kristiansund an. Dort haben wir im Quality Hotel, wo wir auch schon während der Toppidrettsveka im August genächtigt hatten, Haavard Sagli (Organisator der Toppidrettsveka/Toppathletenwoche) und zwei Leute vom NRK (so was wie die ARD oder das ZDF) getroffen, um die Toppidrettsveka 2011 zu besprechen, die außerdem mit der Rollski WM verbunden ist. Dazu sind wir dann auch in Kristiansund die Strecken abgefahren, diskutiert, wo die Großleinwände fürs Publikum stehen sollen, und und und. Wir waren auch in einem Fischgeschäft drinnen, weil einer der NRK-Leute Klippfisk (Klippenfisch) kaufen wollte, aber da könnte ich nicht arbeiten, war doch schon ein etwas strengerer Geruch...
Dann sind wir weiter nach Aure gefahren und mussten dabei einmal mit der Fähre übersetzen. In Aure haben wir Lunsj gegessen und dann im Prinzip dasselbe gemacht wie in Kristiansund, nur dass wir nicht alle Strecken abgelaufen/gefahren sind, weil z.Bsp. auch der Offroadritt mit dem Fahrrad ins Gelände geht.




Per und ich haben uns anschließend zur Weiterfahrt nach Meraaker verabschiedet und sind mit dem Leihwagen (einem VW Touran), den wir am Flughafen Kristiansund bekommen hatten, ungefähr drei Stunden gefahren. Waren es in Aure noch angenehme -2 Grad, so waren es in Meraaker -26°C...
Gewohnt haben wir in Meraaker Brug, das ist ein Gebäudekomplex aus Wohnhäusern und Büros, es gibt wohl einige dieser Gebäudekomplexe in Norwegen, die reichen Norwegern gehören, die z.Bsp. mit der Holzindustrie gut verdienen.

In Meraaker Brug wohnt jedenfalls der König, wenn er mal in Meraaker zu Besuch ist. Mir erschien daher die Dusche mit Fußbodenheizung durchaus königlich (auch wenn ich später darüber aufgeklärt wurde, dass das in Norwegen gar nicht so ungewöhnlich ist).

An diesem Abend zeigten sich dann auch die ersten Symptome der Gastroenteritis, aber glücklicherweise musste ich nicht brechen, auch wenn es manchmal nah dran war.

So habe ich mich dann durch's Wochenende geschaukelt, mal mehr, mal weniger gut, aber Ablenkung half. Am Samstag begann ja dann das erste Rennen des Norges Cup, auch SPAR Cup nach dem Sponsor genannt, aber das klingt irgendwie nicht so schön wie Norges Cup, finde ich. Ein ruhiges Rennen wurde es jedenfalls nicht, denn der wieder gesundete Petter Northug (Langlaufstar Nr.1) hatte sich entschieden, in Meraaker an den Start zu gehen, bevor er wieder im Weltcup in Davos startet. Tja, und da mussten natürlich 40 Journalisten anreisen und der Sportchef zur Stelle sein. Meiner Meinung nach hätte man einfach nix sagen sollen, dann hätte auch Petter Northug ein ruhigeres Rennwochenende gehabt. Aber das ist ja nicht so einfach in einem Land, wo am Tag des Bombenangriffs auf Südkorea nicht selbiges Ereignis in der norwegischen Großzeitung VG auf der Titelseite prangt, sondern in großen Lettern, dass Petter Northug vielleicht übertrainiert hat! Vom eigentlichen Weltcup in Düsseldorf war da kaum die Rede. Aber später: Da kam es ja zwischen dem Deutschen Josef Wenzl und John Kristian Dahl aus Norwegen beim Teamsprint zu einem bösen Fall auf Kampf um Position 1, an dem Wenzl auch Schuld hatte (anschließend wurde sich wie im Kindergarten gestritten). Jetzt wurde vom Norwegischen Skiverband Klage mit Antrag auf Strafe Wenzls eingereicht. Man stelle sich mal vor, das Ganze wäre im Biathlon oder in der Nordischen Kombination passiert - es wäre nicht so ein Aufstand gewesen! Am Langlauf gibt es in Norwegen durchaus etwas Negatives - man ist in dieser Hinsicht schlichtweg überempfindlich!
Wie auch immer, mit Benthe Asp und Per habe ich dann zuerst beim Damenrennen sekundiert und dann beim Herrenlauf, wobei es bei letzterem dann drunter und drüber ging, das konnte man dann nicht mehr wirklich Sekundieren nennen.
Hier seht ihr den Gewinner des Herrenrennens, Petter Northug, auf der letzten Runde (er gewann aber nicht mit großem Vorsprung):

Nach Abschluss des Rennens saß ich dann brav im Häuschen der Zeitnehmer in einem eigenen kleinen Büro und erstellte die Punktlisten. Das war ja nicht so schwer, da ich einfach nur die Resultatliste eins zu eins übernehmen musste, weil es ja das erste Rennen des Norges Cup war.
Abends waren wir dann in "Sissels Spiseri" (ungefähr "Sissels Essecke") mit ein paar anderen Leuten essen. Mir war aber nicht wie noch am Abend zuvor nach Currypizza zumute, aber ich habe immerhin ein  paar Nudeln essen können. Und immer fleißig Tee getrunken...

Sonntag, Norges Cup Nr. 2: Nur -17°C im Tal, da konnten wir auf warme Temperaturen im Grova Stadion hoffen, denn dort ist es immer mindestens 10 Grad wärmer als im Tal. Es waren dann tatsächlich auch nur -7°C (wärmer als in Oslo!), ich musste mich also nicht so dick einpacken wie am Vortag.
Diesmal haben wir nur den Damenlauf sekundiert, was auch generell einfacher ist, weil es nicht so viele Teilnehmerinnen sind. Konzentration fiel trotzdem nicht immer leicht, dabei beziehe ich mich auf unseren Sportchef Aage Skinstad, in dessen Nähe man sich nur schwer auf eine Sache konzentrieren kann. Mein größter Fehler war, ihm eine Frage über eine Läuferin aus Grönland zu stellen, die Chemnitz Berthelsen mit Nachnamen hieß. Dies veranlasste Aage gleich zu einer ausgedehnten Philosophie über die Stadt Chemnitz, die er laut eigenen Angaben immer noch konsequent Karl-Marx-Stadt nennt und zu dem gewagten Ausspruch, Karl Marx sei sein großes Idol. Ich bin da nur mal gespannt, wie Aage die klassenlose Gesellschaft durchbringen will... :)
Ich darf hierbei noch anmerken, dass ich gestern zwei Bilder per SMS von Aage bekam, die ihn nebst Angela Merkel und Karl Marx zeigten - wahrscheinlich im Madame Tussaud's Berlin, auf dem Weg nach Davos.

Beim Herrenrennen habe ich dann nicht sekundiert, weniger aufgrund der Erfahrungen vom Vortag, als aus Zeitdruck, da wir rechtzeitig zum Flughafen Vaernes in Trondheim mussten. Daher hieß es für mich wieder Punktelisten erstellen.
Am Flughafen haben wir dann noch ein schnelles Abendbrot gegessen und dabei Odd-Björn Hjelmeset, Gewinner des Sonntagrennens, getroffen, sehr redseliger Mensch und so ganz anders als sein Bruder Roar, der Trainer der Junioren ist. Odd-Björn gehört ja nicht mehr zur Nationalmannschaft und muss nun bestmögliche Resultate liefern, um bei der Heim-WM in Oslo dabei sein zu dürfen. Das muss er jetzt in Davos beweisen.
Der Flug zurück nach Oslo kostete mich wieder einmal alle Nerven. Erst setzte sich das Flugzeug mit noch total vereisten/verschneiten Flügeln in Bewegung, um dann eine Viertelstunde irgendwo auf der Rollbahn zu warten und dann kam doch noch die Enteisungsmaschine, aber man sah dann gar nichts mehr durch die Fenster. In der Luft wurde das Gefährt dann etwas unruhig, anscheinend ist das über dem Flughafen Vaernes aber normal...nur meinem Bauch gefiel das nicht sonderlich. Plötzlich ging auch das Licht am Flugzeug aus, das die Turbine beleuchtet hatte und nur noch die Blinklichter an den Flügeln waren zu sehen. Leichte Erleichterung breitete sich aus, als der Pilot die baldige Ankunft in Gardermoen meldete und siehe da, im Landeanflug gingen auch die Turbinenbeleuchtungslichter wieder an! Komischerweise öffnete sich dann aber eine Klappe an der Turbine, was sich mir nicht ganz erschloss, ich hielt das nur am Flügel für notwendig - naja, eine Laienmeinung eben.
Mein Schnatterinchen sah dann jedenfalls ganz zerknietscht aus und ich musste mich dann auch ganz überschwenglich beim Piloten für den guten Flug bedanken... :)

Montagmorgen ging es mir aber noch nicht viel besser, am vergangen Abend war mir auch wieder richtig schlecht geworden und nach einer Zwiesprache mit Mama habe ich dann den Gang zu meiner Hausärztin angetroffen, ich kam aber nicht zu Frau Baumgarten, sondern zu Frau Aashaug. Sie ist sehr nett und fragte mich auch so über allgemeine Dinge, überhaupt schien keine Eile zu sein, wie ich das in deutschen Arztpraxen manchmal empfinde.
Allgemeinärzte sind auch nicht so teuer wie die Zahnärzte (letztere sind privat), daher musste ich nur etwas mehr als 10€ zahlen.
Ich wurde dann bis gestern krank geschrieben und bin schnurstracks nach Hause ins Bett. Den armen Per musste ich mit der ganzen Arbeit alleine lassen, aber er meinte, da habe er gemerkt, dass ich doch eine gewisse Arbeit erledige und dass jetzt doch fehlen würde.

Mein Zustand verbesserte sich von Tag zu Tag und gestern konnte ich sogar zur Weihnachtsfeier im Frokostkjeller'n (Frühstückskeller), einem Studentenlokal, gehen. Am Sonntag gehe ich dann zu Kristine und hole unsere verpasste Abredung vom Montag nach, um u.a. mit den Kindern (1 und 3) zu backen. Von Freitag bis Sonntag werde ich im Sporthotel des Olympiastützpunktes in Oslo übernachten, weil bei Midori zu Hause irgendeine Familienversammlung steigt und am Samstag die Tochter eine Riesenparty anlässlich ihres 18. Geburtstages schmeißt.
Einige von euch wissen ja vielleicht schon, dass ich mich in meiner jetzigen Wohnsituation nicht sehr wohlfühle, deshalb werde ich auch Mitte Januar umziehen. Wohin, weiß ich noch nicht, aber ich möchte einfach noch einmal ganz von vorne anfangen und nicht, dass die Wohnsituation das einzige ist, was mir den Weg zum Voll-und-ganz-Wohlfühlen in Norwegen verbaut.

Jetzt geht es mir schon wieder ganz gut, zwar noch nicht 100%, aber nun da freue ich mich schon drauf, am Samstag mal ein paar der Osloer Weihnachtsmärkte zu erkunden.

Bis bald,
eure Henni

Montag, 29. November 2010

Elektrische Eiszeit in Gålå

Guten Abend alle zusammen!



Jetzt bin ich wieder da von einem etwas kühlen Wochenende. Von der Kälte habe ich am Freitag noch nicht so viel mitbekommen, denn wir (Per, Brit [Trainerin der Junioren] und ich) sind nur mit dem Auto nach Gaalaa gefahren und als wir abends ankamen, war es schon stockdunkel und da sind wir natürlich gleich ins Hotel gegangen. Das Gaalaa Högfjellhotell ist ein sehr altes Hotel, mindestens 100 Jahre alt. In ganz Norwegen gibt es sehr viele dieser alten Berghotels, damit die gestresste Stadtbevölkerung sich in den Bergen erholen konnte.
Später gab es nur noch eine Besprechung wegen des Rennens am folgenden Tag, welche vor allem den Temperaturen galt.



Per und Sjur Ole
Am Samstag konnte der BUL-Sprint nicht wie geplant beginnen, denn die Temperatur lag noch unter der Grenze von -20 Grad (es galten nämlich nicht wie gedacht -18 als Grenze [für nationale Rennen], sondern -20 für internationale Rennen des FIS). Der Start wurde dann um ca. eine Stunde verschoben. Per und ich sind dann ein bisschen raus gegangen und haben beim Sprint zugeschaut. Dann konnte ich mich auch endlich etwas länger mit meinem lieben Freund Sjur Ole unterhalten, den ich seit meinem Aufenthalt in Sjusjöen vor gut drei Monaten nicht mehr gesehen hatte (am Freitag konnte ich ihm immerhin meine Hand schon durchs Autofenster entgegenstrecken).

Nachdem der Sprint beendet war, konnten Per und ich auch eine kleine Runde im Stadion drehen, wobei mir die etwas lange Abfahrt nicht so sonderlich gefiel, aber ich hoffe, dass ich in dieser Hinsicht etwas sicherer werden kann.
Und hatte ich die Kälte bis vorhin nicht gemerkt, so habe ich sie da auf jeden Fall zu spüren bekommen: Wenn ich zu schnell gelaufen bin und dann auch schneller atmen musste, spürte ich plötzlich die Eiseskälte der Luft und die Lungen haben angefangen zu schmerzen, ich habe auch ein bisschen Hustenreiz bekommen. Deshalb ist es auch so schwierig, Skirennen bei so niedrigen Temperaturen abzuhalten.


Einer der Läufer hat sich fast die Seele aus dem Leib gehustet, als er mit dem Rennen fertig war.
Ein Hilfsmittel, um dem vorzubeugen, sind spezielle Geräte, wie z.Bsp. LungPlus oder eine Atemmaske.



Abends habe ich mir dann eine Episode ("Der Sohn der Wildnis") von "Fleksnes" angeschaut, eine sehr witzige alte norwegische Serie über einen etwas unselbstständigen Mann, besser gesagt, ein Muttersöhnchen, der sein Leben mit Ach und Krach zu meistern versucht und ein sehr eigenes Verständnis von Logik hat.
Hier mal ein Ausschnitt (auch wenn ihr nicht viel verstehen werdet, außer gegen Ende, da ist's teilweise Englisch), konnte leider nicht den finden, den ich gesehen habe:


Außerdem kam die Olsenbande auf dänisch (also die Version, die wir auch in Deutschland kennen, es gibt ja auch eine norwegische Olsenbande), sehr lustig! Und ich muss sagen, dass die ostdeutsche Synchronisation sehr nah am Original ist. Glücklicherweise kannte ich den Film schon auf Deutsch, da war es nicht so schlimm, wenn ich nicht alles verstanden habe, es kam die Geschichte mit der Mingvase ("Die Olsenbande sieht rot"). Hier der Trailer:

Ja, und dann bin ich ins Bett. Aber das war ja so eine Sache. Schon am Freitag habe ich festgestellt, dass ich überall im Zimmer eine gelatscht bekam, sprich einen elektrischen Schlag. Ob an der Zimmertür, an der Zwischentür, an der Badtür, an der Heizung oder eben im Bett. Wenn ich nämlich das Licht ausgemacht hatte, dann blitzte es nur so vor sich hin, wenn ich mich auch nur ein bisschen umdrehte. Und zwischen meinem heißgeliebten Schnatterinchen und der Bettdecke entstand ein wahrer Blitzregen.
Zum Schluss traute ich mich kaum noch zu bewegen...

Sonntagmorgen begann das Rennen dann auch erst gegen 11, aber Per und ich sind schon eher hoch, damit er mir ein bisschen zeigen konnte, wie man mit der Sekundieruhr umgeht. Aus dem Sekundieren ist dann leider nicht viel geworden, denn an der Strecke hat sich die Uhr dann plötzlich verabschiedet und als ich dann mit einem etwas älteren Exemplar fortsetzen konnte, wurde meine rechte Hand, mit der ich eingetippt habe, so kalt, dass sie richtig wehtat.

Denn an diesem Tag wehte im Gegensatz zum fast windstillen Tag ein ordentlicher Wind und brachte solche kleinen scharfen Schneeflocken mit, die sich so schön in die Haut beißen. Daher habe ich es keine Stunde draußen ausgehalten, obwohl ich eingepackt war, mit zwei "multifunctional headwear"-Tüchern (Mulitücher?) vor Mund und Nase und über den Ohren, Mütze, Kapuze der Daunenjacke und noch Überschuhen über den Bergstiefeln.


Da muss ich überhaupt noch etwas zu meiner Kleiderordnung dieses Wochenendes sagen: Der Beinbereich wurde mit 5 Lagen (Skiunterhose, Strumpfhose, Leggins, 2 Skihosen), der Oberkörper mit 8 Lagen (Hemd, dünner Skiunterpullover, dünner Pullover, etwas dickerer Skipullover, Norwegerpulli, Fleecejacke, Skitrainingsjacke, Daunenjacke) und die Füße mit 3 Lagen (Socken, Strumpfhose, Skisocken) wetterfest gemacht. Für die Füße hätte ich gerne noch mehr draufgepackt, aber leider kam ich dann nicht mehr in die Wanderschuhe rein.

Der letzte Renntag war auch athletentechnisch wie der Vortag eher spärlich besetzt, viele sagten ab oder waren gar nicht erst gekommen. So gab es in einigen Altersklassen nur einen einzigen Läufer und damit Gewinner.
Die Prämienausgabe gestaltete sich auch manchmal etwas merkwürdig, als z.Bsp. ein Vertreter des Skivereins "Toten Langrenn" (aus der Region Toten, siehe einem Eintrag im August) für zwei gerade abwesende Athletinnen die Prämien auswählen sollte und ausgerechnet zwei knallrosa Rucksäcke nahm - au! Da gab es ja auch so schöne rosa Glanzledertaschen, ganz nach dem Klischee: Alle Mädchen lieben alles was rosa ist und glänzt! Ich darf eine große Ausnahme präsentieren: Nämlich mich, hehe!
Wer sich an der Stelle mehr über das "Toten Langrenn" gewundert haben dürfte, dem kann ich erzählen, dass es in der Region Toten auch ein Transportunternehmen gibt, welches sich "Toten Transport" nennt und KEIN Bestattungsunternehmen ist!

Themenwechsel: Morgen werde ich mit mit meiner Mentorin Kristine Lunsj speisen. Am Mittwoch startet der Tag eventuell mit einer kleinen Skitour mit Per und abends ist Vorstandssitzung mit der Klettergruppe. Donnerstag habe ich wahrscheinlich frei und am Freitag geht es ganz früh los zum Flughafen, denn dann fliegen wir nach Kristiansund, von da geht's mit dem Auto nach Aure und weiter zum Spar- oder Norges Cup in Meraaker.

Aber am meisten freue ich mich, dass ich am Mittwoch den von Großmutti gemachten und von Mama gefüllten Adventskalender erstmals öffnen kann!!!