Samstag, 4. September 2010

Ein Monat rum, hui!

Hui, nun bin ich seit gestern schon einen Monat in Norwegen!

In dieser Zeit konnte ich schon einiges feststellen...was oft geschehen ist bei so einigen meiner Mitmenschen sowie was mir an mir selbst aufgefallen ist
1) der/die Klodeckel/brille bleibt offen stehen
2) das Licht wird gerne an gelassen
3) ta det med ro - immer mit der Ruhe, viele sind deutlich gelassener als ich
4) mögen die Eltern noch so dunkle Haare haben, die Kinder strohblond...
5) alle norwegische Duschen sehen garantiert so oder so ähnlich aus (das ist jetzt nicht schlecht, aber ich habe oft das Gefühl, dass einige Exemplare meine Geduld in Sachen Warmwasser testen wollen - dreht man über die Kindersicherungsgrenze [oder was es sonst ist] hinaus, wird es urplötzlich ganz heiß...):

6) Die Norweger reisen (verständlicherweise) übermäßig viel im Inland mit dem Flugzeug, übermäßig bezogen auf den deutschen Vergleich. So bekam Ingrid vom Kurslehrerseminar heute keinen Flug nach Tromsö mehr - ausgebucht - und muss morgen den nächsten freien am frühen Nachmittag nehmen.
7) Rein kulinarisch gesehen, lebe ich wie Gott in Frankreich, siehe z.Bsp. Seminar Gardermoen und zu Hause gibt es auch jeden Tag was anderes und selbst wenn es für Midori ein nicht sehr kreatives Essen ist, für mich stellt es den Gipfel der Kochkunst dar! So bin ich auch beim Lunsj im Büro laut Per mittlerweile auf der Topesserliste ganz oben gelandet (6-8 Schnitten), besonders beliebt sind bei mir Tomatenfisch (Tomatenmakrelen) und Marmelade in allen Variationen, letzteres ist wirklich neu, aber ich könnte manchmal Berge von Marmeladenbrot essen. Man bedenke, dass ich in der ersten Woche gerade mal 3 Schnitten gegessen habe, wenn ich gut war.
8) Ich bin mittlerweile Weltmeister im Blaseneinstechen und Eiterausquetschen, gestern habe ich mir beim Rollskitraining die nächste an der rechten Hand geholt, die dann noch weit verzweigte Höhlen aufwies - trotz Fahrradhandschuhen. Die Haut war wohl schon vorgeschädigt, trotzdem werde ich in Zukunft wohl lieber meine dünnen Skatingskihandschuhe nehmen. Oder ich sollte die Stöcke nicht so umkrallen!
9) Mein Rechtschreibgen scheint sich auch in der norwegischen Sprache bestens durchzusetzen, Per ist der festen Ansicht, ich würde die meisten Norweger in Sachen norwegischer Rechtschreibung schlagen, z.Bsp. "avslutningsseremoni" (Abschlusszeremonie) mit nur einem t, wobei mir später aufgefallen ist, dass es mit zwei tt auch nicht schlecht aussehen würde, denn es heißt ja auch "jeg har avsluttet" (ich habe abgeschlossen). Außerdem versucht Per immer Dinge zu finden, die ich noch nicht kenne bzw. über die ich noch nichts weiß, er wurde ganz verzweifelt, als ich wusste, wer Kristine Bonnevie ist (nämlich die erste weibliche Professorin Norwegens). Das hatte ich aber nur kurz bei Wikipedia nachgesehen, weil ich wissen wollte, warum eine Straße in Oslo so heißt. Wer allerdings mein Straßennamensgeber Carl Kjelsen war, habe ich noch nicht herausgefunden, er scheint nicht ganz so bekannt wie Kristine Bonnevie.

Ich hoffe, dass es weiter so gut geht und die Zeit so ereignisreich bleibt.
Letztes Wochenende habe ich den regenreichen Samstag im Historischen Museum verbracht, fast 4 Stunden!

Erst ging's durch die Frühgeschichte/Wikinger/Mittelalter-Ausstellung, dann durch die Runen-Sonderausstellung und schließlich noch durch die Indianerausstellung. Diese über die Runen war die kleinste, andere haben dafür vielleicht eine Viertelstunde gebraucht, ich hing dort sicher eine Dreiviertelstunde fest, was so ungewöhnlich zu sein scheint, dass mich der Wachmann fragte, ob es denn wirklich so interessant sei. Kunstbanause...

Ein mittelalterliches Plättbrett, ich erinnere nur an dessen Wichtigkeit, siehe Paul Beckers in "Das Plättbrett":



Diese Runen wird der eine oder andere sicherlich auf meinen Schulheftern gesehen haben...

Der Sonntag war auch recht erlebnisreich, denn es war Tag der Offenen Tür an der Osloer Oper. Zuerst war ich bei einer öffentlichen Orchesterprobe, zu der dann auch die Sänger dazu kamen und mit vollem Publikumseinsatz wurde dann ein Stück aus der "Zauberflöte" geprobt. Das war gratis gewesen, im Gegensatz zu dem anschließenden Vortrag über die Lichttechnik und Bühnenmaschinerie, aber der kostete auch nur 25NOK (gut 3€). Da wurde uns dann die verschiedenen Lichteinstellungen und Lampen vorgeführt, Bühnennebel, Bühneheben, etc. Es war also mehr eine Vorführung als Vortrag, worüber ich ganz froh war. Die Bühnenmaschinerie ist übrigens in Deutschland gefertigt worden und war ein, sagen wir, Stolperstein bei der Eröffnung der Oper im Jahr 2008, also es gab Probleme bei der Funktion. So, danach aß ich mein matpakke (Essenspaket) auf dem Operndach und wollte eine Führung mitmachen, aber alle waren komplett ausgebucht. Nach einer geschlagenen Stunde Wartens, verkürzt durch ausgiebige GEO-Lektüre über das verkannte Genie Robert Hooke (wer sich noch an die Schule erinnern kann, Physik: HOOKEsches Gesetz...), kam ich dann noch mit in die Ballettprobe, bei der Ausschnitte aus "Septemberdans" gezeigt wurden, das war fantastisch! und ich wäre gerne mal zu einer Aufführung, aber 1.) sind diese doch über meinem Budget und 2.) war nur die Premiere in Oslo, danach ging es auf Tournee durch Norwegen. Es war das erste Mal, dass ich modernes Ballett gesehen habe, aber es hat mir sehr gut gefallen.






Papageno und Pamina im Beziehungsberatungsgespräch


Voller Körpereinsatz mitsamt dem Publikum bei Papageno und Papagena

Ansonsten war die Woche arbeitsmäßig schön und normal, d.h. zum Beispiel, dass Kollege Arild von der Alpinabteilung zum Lunsj alle mit seinem üblichen "Mahlzeit!" begrüßte und John-Olav weiter an seinen Deutschvokabeln "Halt die Klappe!" oder "Halt's Maul!" (auf gut norwegisch "Klapp igjen!" bzw. "Hold kjeft!"), feilte, oder auch an "Du bist ein Schlumpf!" sowie "Was ist was? Das ist das?", usw.
Am Dienstag war ich das 1. Mal bei der Klettergruppe des Osloer Studentensportklubs. Das hat mir gut gefallen und mir wurde gesagt, ich könne sogar den "brattkorttest" machen, mit der brattkort kann man dann auch ohne Trainer und vor allem auch in anderen Hallen klettern, oder natürlich weiterhin mit der Gruppe. Mal sehen, ob ich das mache, denn vor einem Punkt, dem Fallen beim Vorsteigen, habe ich doch ziemlich Angst. Mit der "taubremse" (Seilbremse, oder auch stitch genannt) kann ich schon ganz gut sichern, die leihe ich mir, das kann ich kostenlos machen, weil ich jetzt für das Herbstsemester mein Mitgliederkontingent bezahlt habe (zur Mitgliedschaft hatte ich mich nach diesem Probetraining entschieden). Gemeinschaftstraining ist immer dienstags und donnerstags, also bin ich am Donnerstag wieder ins Centrum Athletica auf der Akersgata, diesmal waren andere Trainer da und na ja, es war nicht so schön wie am Dienstag, zu dem einen Trainer hatte ich einfach keinen richtigen Draht und es waren auch andere Kletterpartner da und nicht mit allen ging es sooo gut. Am Ende kam noch eine nette Trainerin und es war schon okay. Weil ich auch viel zu früh dran gewesen war, bin ich dann auch früher wieder gegangen. Mal sehen, wie es das nächste Mal wird und ob ich auch mal auswärts eine Tour mitmachen kann.

Ich hoffe auch, dass sich dauerhafte Kontakte ergeben, vor allem mit Einheimischen, leider ist es bisher oft so, dass ich viele Leute getroffen habe, die ich gern näher kennengelernt hätte, aber die man dann wieder eine Weile nicht sieht, weil sie wo ganz anders in Norwegen wohnen, oder ich bin zu schüchtern, um zu fragen, ob man denn mal was zusammen machen könnte.

Gestern habe ich aber zumindest Benthe Asp aus Steinkjer wieder getroffen, sie ist wirklich einzigartig, immer gut gelaunt, da kann man eigentlich selber nur fröhlich sein. Leider musste sie weiter nach Kristiansand. Ach ja, da muss ich erst mal erklären, wo ich war. Von gestern bis heute war Kurslehrerversammlung in einem Hotel am Flughafen Gardermoen. Aber erst haben wir noch ein paar junge Leute getroffen, die sich im Skiverband engagieren und dann eben das Seminar veranstaltet, wobei meine größte Aufgabe darin bestand, so viel wie möglich zu verstehen. Das Essen aber war sagenhaft und das denkt man gar nicht bei einem Hotel in Flughafennähe, aber so viel gegessen habe ich schon lange nicht mehr, ob beim Lunsj, Frühstück oder Middag (Abendessen). Zwischendurch gab es gratis Eis, also eigentlich war ich nur am Essen. Damit ich aber nicht aus allen Nähten platze, war ich gestern auf den Rollskiern unterwegs, heute joggen und habe versucht, bei den Kraftübungen der Kurslehrer mitzumachen. Einzig gewöhnungsbedürftig waren die sehr weichen und schmalen Betten, man sank auf der einen Seite ein und auf der anderen Seite wusste man nicht, wohin mit den Armen, die immer zur Seite baumelten. Wenigstens gab es keinen Flugzeuglärm, obwohl Gardermoen nur 10min entfernt war.



Für morgen habe ich noch keine konkreten Pläne, das kommt aufs Wetter drauf an und jetzt muss ich erst einmal entspannen.
Jetzt scheint gerade die Sonne und es sind vielleicht 15-20°C.

Ha det bra!
Eure Henni

P.S.: Alles Gute den gerade ins Ausland Gestarteten Jule, Pattl und meinem lieben Brüderchen!!!
P.P.S.: Falls einige eine Karte bekommen sollten, lange nachdem sie abgeschickt wurde, bitte nicht wundern, ich habe vergessen, den "Prioritaire"-Aufkleber draufzukleben. Das schreibe ich nur, weil die norwegische Post bisher mit außergewöhnlicher Schnelligkeit auffällt.

Freitag, 27. August 2010

Von Ost- und West-Toten und nerventötenden Datenmaschinen



--Hing an der Wand des Kon-Tiki-Museums (wo ich noch hinmöchte) auf Bygdöy und diesen Ausspruch Thor Heyerdahls versuche ich für mich hier umzusetzen, so gut es eben geht.--

Und schon ist wieder eine Arbeitswoche rum! Wie die Zeit vergeht...und schon wieder so viel erlebt!
Am Dienstag zum Beispiel war ich mit Per nachmittags auf der Museumshalbinsel Bygdöy, für deren Museen man sicher mehrere Tage benötigt. Wir haben uns mit dem Wikingerschiff- und Frammuseum begnügt, mehr machen sowohl Kopf als auch Fuß bei mir dann doch nicht mit. Aber im Wikingerschiffmuseum hätte ich schon gern ein bisschen mehr gesehen, wenn es denn mehr gegeben hätte. Im Frammuseum konnte man das legendäre Polarschiff von Fridtjof Nansen, Otto Sverdrup und Roald Amundsen sogar besteigen und durchstreifen, das war schon ein Erlebnis!





Ein Augenschmauß für mein deutsches Rechtschreibauge

Ja, und der darauffolgende Mittwoch sollte mich doch etwas an meine Geduldsgrenze bringen. Eigentlich stand nichts Ungewöhnliches an: Es war das letzte Rennen des Norges Rulleski Cup in Gjövik, das liegt am Ufer des größten Sees Norwegens namens Mjösa. Und nach den Rennen die Punktelisten mit Excel fertigzustellen, hat mir ja sogar Spaß gemacht... Nur leider wird meistens auf dem sogenannten Idrettskontor gearbeitet, das ist wie ein Computer im Computer, oder quasi eine neue Festplatte. Wenn ich mich also normal angemeldet habe, muss ich mich noch mal bei Idrettskontor anmelden und dann erscheint ein neuer Desktop usw. Und wenn ich dort was gespeichert habe und es auch außerhalb nutzen will, muss ich es erst auf die andere normale Festplatte rüberziehen. Da das Netz im Överbystadion gelinde gesagt nicht gerade gut war und der Idrettskontor daran geknüpft ist, wollte auch Excel nicht wirklich laufen und stand meinem Arbeitseifer massiv im Weg - und wer mich sehr gut kennt, der weiß, dass mir bei Maschinen oft schnell die Geduld ausgeht und hier besonders, weil der vier Jahre alte Laptop (auf norwegisch heißt der Computer ja datamaskin), gerade frisch von einer Kur beim Support (Hilfezenter) kam - er war nämlich zu langsam. Vielleicht lag es auch schlicht und einfach daran, dass das Netz in einem Gebiet namens Vest-Toten und Östre-Toten schlicht und ergreifend nur nervtötend sein kann! Dass ich mir bei meiner vierten Rollskieinheit meine Blasen an den Fingern wieder aufgerieben habe, geriet dabei eher stark in den Hintergrund.
Nun ja, ich möchte mit etwas versöhnlicheren Tönen abschließen und ein Bild von den glücklichen Gewinnern des Gesamtnorgescup veröffentlichen:


v.l.n.r.: Jens Bjertnaes (2), Ragnar Bragvin Andresen (1) und Mats Rudin Resaland (3)

Morgen werde ich das Historische Museum unsicher machen (Eintritt gratis) und am Sonntag hoffentlich den Tag der Offenen Tür an der Osloer Oper nutzen können.

Es grüßt euch wie immer herzlich,
eure Henni

Sonntag, 22. August 2010

A-ha und die Pest


So, die erste vollständige Arbeitswoche liegt nun schon hinter mir und morgen beginnt die nächste. Ich kann mich nicht beklagen, es gibt immer etwas anderes zu tun und ich bin auch ausgelastet, wenn ich so zwischen vier und fünf nach Hause komme.
Am Freitag stand ich das dritte Mal auf Rollskiern... Aber es wird besser! Wahrscheinlich sollte ich mich mit meinem Elan jedoch etwas zurücknehmen, denn ich habe an der linken Hand zwei schöne Blasen bekommen, an der rechten konnte ich den Schaden noch abwenden. Oder ich sollte einfach Fahrradhandschuhe anziehen. Hier ein leicht verwackeltes Bild meines glorreichen Laufs in der Nähe eines Osloer Elektrizitätswerkes.

Ich habe ja außerdem voller Freude festgestellt, dass der neue Varg-Veum-Film schon nächste Woche Freitag in die Kinos kommt - und ich habe das dazugehörige Buch bereits gelesen. "Die Schrift an der Wand" heißt er. In Deutschland laufen die Filme übrigens unter dem Namen "Der Wolf", weil Varg ein altes norwegisches Wort für Wolf ist. Veum bedeutet auch irgendetwas nicht so ganz Positives, kommt aus dem Altnordischen. Eigentlich stellen Krimis im Allgemeinen und Filme diesen Genres im Besonderen einen Widerspruch zu meiner teils ängstlichen Persönlichkeit dar, könnte man meinen, aber ich sage euch: Auch ohne Krimis mache ich mir genug Gedanken... In meiner herzallerliebsten GEO stand auch einmal geschrieben, dass Frauen generell zu mehr Krimilesen neigen als Männer, also ist es vielleicht nur normal. Und wenn in den Filmen noch halbwegs gut aussehende Exemplare herumstolzieren, ist es gar nicht mehr so gruselig. Noch ein kleines bisschen mehr als Varg Veum mag ich den dazugehörigen Schauspieler Trond Espen Seim in seiner Rolle als Cop DJ, alles auf Norwegisch, aber ich garantiere euch, dass ihr das auch ohne Norwegischkenntnisse versteht:



Ach, und am Donnerstag rief mich mein Kollege John-Olav (bitte nicht Dschon aussprechen, sondern Juhn) inmitten konzentrierten Arbeitens an: "Ich hab dich gestern Abend im Fernsehen gesehen! Dich und Per!" Na toll. Die Damen und Herren von NRK1 hatten mich also nicht rausgeschnitten. In den nicht ganz drei Wochen, in denen ich nun hier bin, war ich schon (mindestens) drei Mal bei NRK1 zu sehen, und das eher unfreiwillig, denn wenn man nicht weiß oder bemerkt, dass die Kamera auf einen gerichtet ist, macht man ein noch dümmeres Gesicht als sonst. Und am Mittwoch war eben ein Kamerateam im Büro, um ein Interview zu machen und Per und ich waren auf dem Weg zum Holmenkollen, um die Flaggen abzugeben und als ich an dem Interviewten vorbei war, bemerkte ich: Da war doch was...eine Kamera, eine kleine Kamera. Während der Toppidrettsveka in Aure und Kristiansund hat man mich wenigstens nur als kleines grünes Männchen am Rande der Rennstrecke hin und her laufen sehen, aber das war ja aus nächster Nähe und deshalb bin ich ganz froh, dass ich diesen Beitrag nicht gesehen habe...

Am Samstag hat mich meine Gastschwester Erica ein bisschen in Oslo rumgeführt, West-Oslo und Zentrum. Dabei habe ich mich gleich in einer Bibliothek angemeldet, wenn mir in ein paar Wochen mein (deutschsprachiger) Büchervorrat ausgeht. Am Abend war für viele Norweger, oder zumindest Osloer, der Abend der Abende: A-ha-Konzert im Ullevaal Stadion (mein Arbeitsplatz). Und wie einige vielleicht wissen, beenden A-ha ihre Karriere in diesem Jahr und das Konzert im Ullevaal war der Auftakt zum Abschied im Heimatland. Da das Stadion nur zwei Kilometer entfernt von meinem Zuhause liegt, konnte man den Klängen gelinde gesagt gut lauschen. Schon seit Dienstag fuhren vor dem Stadion LKWs auf und ab, Polizeibänder hier und da und Tonproben bzw. Soundchecks seit Donnerstag Abend. Viele meiner Kollegen aus dem Büro sind auch zum A-ha-Konzert gepilgert, ich bin aber mit Gastvater Christian zum Maridalsspillet, einem kleinen Theater in Maridal, welches nur für ein paar Tage im Sommer spielt, geradelt. Allein die Fahrt war ein Abenteuer, denn das Fahrrad hatte natürlich keinen Rücktritt und (ich höre schon alle lachen) ich entdeckte zu meiner großen Überraschung das die beiden Handbremsen nicht nur für das Vorderrad sind, sondern die rechte für das Hinterrad. Das war noch nicht alles: Das schöne Herrenrad hatte auch noch eine Gangschaltung für das Vorder- und Hinterrad, eh ich da rausgekriegt hatte, wie das nun funktioniert, war ich schon halbtot über den Berg. Nun ja, angekommen bin ich in Maridal, dort wurde "Svartedauen" gezeigt und es handelte von verbotener Liebe, Macht, Unterdrückung und das alles im Rahmen der Pest, die im Mittelalter auch Norwegen erreichte. Ich weiß ja nicht, ob die Schauspieler wussten, dass da eine Ausländerin im Publikum saß, aber sie haben jedenfalls ausgesprochen deutlich gesprochen, sodass ich fast alles verstanden habe! :) Das Wetter war auch schön und das hatte ich an dem Morgen nicht gedacht, da war es finster, aber dann kam die Sonne und abends ein Fastvollmond. Letzterer kam natürlich der grusligen Atmosphäre zugute, die u.a. durch die Musik und auch die schwarzen Gestalten und Pferde in der Dämmerung ausgedrückt wurde. Etwas irritierend wirkte da nur der Gesang von Morten Harket in einem Lied, das an "Foot of the mountain" erinnerte, welches ich aber dann später bei offenem Fenster wirklich live zu hören bekam.
Sonntag hieß es, wie es sich für einen echten Norweger gehört, raus und eine "tur" unternehmen. Also erfüllte ich die Hausaufgabe meines Chefs Per und machte mich auf zum Ullevaalseter, einem Gasthaus ca. 6,5km von hier entfernt. Vorbei ging's am Sognsvann und Store Aaklungen (auch ein See) und dann war ich nach ca. 1,5h am Ziel und ich bin nur einmal kurz in die falsche Richtung gegangen, obwohl man eigentlich nur dem Strom der Massen folgen muss: immer gerade aus. Aber viele Wege führen zum Ullevaalseter und ich dachte mir dann aber doch, dass ich meinen Orientierungssinn nicht auf die Probe stellen sollte, denn der ist ja bekanntlich nicht besonders gut (ich sage nur: Langlauftour in der Steiermark, Papa wird sich erinnern). Da mir am Ullevaalseter aber doch zu viele Leute waren, bin ich nach einer kurzen Besichtigung des WaldClosetts wieder zurück bis zum Store Aaklungen und saß dort hernieder, um ein Brötchen und ein Stück Kvikklunsj zu verspeisen sowie Weihnachtstee zu trinken. Überhaupt, Kvikk Lunsj musste ich ja unbedingt probieren, denn schließlich musste ich ja bei der Högrondenbergtour ohne auskommen und da musste eben jetzt die 6,5km-Strecke bis zum Ziel als Bergtour herhalten, was sie in meinen viel zu warmen Sachen auch war.



Ullevaalseter und Wegweiser davor


Store Aaklungen, von meinem Rastplatz aus gesehen



Morgen heißt es dann wieder, viertel acht aufstehen und ab zur Arbeit. Ach ja, ich werde jetzt ab und zu Postkarten oder Briefe schreiben, aber bitte schaut nicht mir Argusaugen auf eure Nächsten, wer denn nun etwas als erster bekommen hat - schließlich ist eine Postkarte in Oslo selten unter einem Euro zu kriegen, es wird also keine selbigen regnen.
Außerdem habe ich heute im Internet noch nachgeschaut, was sich denn an den nächsten Wochenenden für Aktivitäten so anbieten und bei dieser Gelegenheit, ob denn auch von mir gerngehörte Musiker in Oslo spielen. Aber nein, sie gehen nach Dresden!!! Wie z.Bsp. Apocalyptica, die ziemlich oft in Sachsen vorbeischauen, aber ich habe es bisher immer vertrödelt! Aber sie bringen morgen ihr neues Album raus und wenn ich gerade mal von 1000 Kronen geträumt habe, marschiere ich in den nächsten CD-Laden und reiße das musikalische Werk an mich. Weil ich das eine Lied so schön finde, stelle ich es hier in den Blog, und ja, es sieht düster aus, aber es steckt was dahinter, zumindest für mich, und ist nicht nur irgendwelches Metalgehampel oder sonst wie; diese Musik ist für mich Inspiration und ich höre sie einfach sehr gerne, wie viele von euch wissen und dass schwarz dabei häufig vorkommt, dafür kann ich nichts, ich bin nur froh, dass es nicht rosa ist. (Ich sehe schon mein liebes Brüderchen die Augenbrauen hochziehen ob meines Rechtfertigens, weil ich ja immer betone, es hat nichts mit meinem leicht ängstlichen Wesen zu tun oder gerade deshalb, naja, usw...)
Hört's euch an oder nicht,
und eine gute neue Woche!

Mittwoch, 18. August 2010

Norwegischer Humor?

Ich habe auch in den zwei Wochen, in denen ich nun erst hier bin, festgestellt, dass der Name Lasse Gjertsen den wenigsten Norwegern ein Begriff ist, eher der Name des bekannten Komikers Thomas Giertsen. Ein sehr bekanntes Beispiel in Norwegen für den norwegischen Humor (?) bekam ich von meinem Gastvater Christian:



Und hier noch ein sehr schöner Kurzfilm von Lasse Gjertsen, über das kleine aber feine Wörtchen "faen" - was das bedeutet, erschließt sich im Laufe des Videos...




______________________________________________________________

Mit Per ware ich heute auch noch auf dem Turm der neuen Holmenkollenskisprungschanze nachdem wir die Flaggen zurückgegeben hatten. Dabei sind wir dann auch noch fix durch das Skimuseum gerauscht und haben u.a. die glorreichen Olympiaski von Ole Einar Björndalen aus dem Jahre 2002 (in Salt Lake City, da gewann er 4mal Gold) und die von Oddvar Braa bewundert. Ihm brach der Stab 1982 am Holmenkollen zur WM und er gewann trotzdem Gold! Heute kann man nur noch den nicht gebrochenen Stab in einem anderen Museum bewundern, aber noch heute heißt es: "Wo warst du, als Braa den Stock brach?", wenn jemand nicht zur Stelle war.
Das alles war gratis, weil der Mann von der Skiforening, der für die Flaggen verantwortlich ist, so freundlich war, uns zwei Gratistickets auszustellen... Und wie das Wetter war, könnt ihr selbst sehen - aber immerhin haben wir etwas gesehen, ein paar Stunden vorher war alles zu gewesen um die Schanze.





Montag, 16. August 2010

Wieder daheim



Seit gestern Nachmittag bin ich wieder zu Hause in Oslo, deshalb habe ich auch gleich das versprochene Bild meines Wohndomizils mitgeschickt. Das Fenster rechts neben dem Balkon im Erdgeschoß ist das meinige. Gestern waren es 26°C in Oslo, heute sind es nicht ganz so viele, aber ich habe die Gunst der Stunde genutzt und bin kurz im Sognsvann baden gegangen. Das Wasser war gar nicht kalt, man denke nur an den Atlantik...

Heute bin ich erst mittags nach einer Joggingtour ums Sognsvann zur Arbeit gegangen und habe viel am PC gemacht,aber es war eigentlich eine ganz schöne Arbeit. Per meint sogar, in einem Monat wäre ich besser im etwas-auf-der-Internetseite-Veröffentlichen als er... Man bedenke dabei, dass ich seit fünf Jahren kein Informatik hatte. Zum Glück muss ich aber nichts programmieren oder so, das wäre etwas viel.

Anbei noch ein paar Eindrücke vom Samstag, dem letzten Tag der Toppidrettsveka und des Weltcups:


Evi Sachenbacher-Stehle und ich mit einem etwas merkwürdigen Gesichtsausdruck


Siegerehrung des 18km Jagdrennens der Frauen mit Marit Björgen (1), Charlotte Kalla (2) und Ida Ingemarsdotter (3).


Ein erschöpfter, aber glücklicher Erster Pölsa


Siegererhung der Männer mit Marcus Hellner (2) und Eldar Rönning (3).



Rückfahrt nach Oslo

Vor dem Grotli Hotell


Ein wagemutiger Per auf dem Riddarspranget (Rittersprung) - dort sprang einst ein Ritter samt Geliebter unter dem Arm über den Fluß und stieß seinen Begleiter zurück, um dem eifersüchtig folgendenen Versprochenen der Dame zu zeigen, dass er keine Skrupel hat, alle, die es wagen ihm zu folgen, in den Fluß zu stürzen.

Auf der Rückfahrt von Kristiansund nach Oslo haben wir eine junge Dame aus dem deutschen Rollerskiteam mitgenommen, die aus Dresden kommt und sogar die Familie Edel aus Kreischa kennt, bei der wir oft Fisch kaufen. Sie war ein Jahr auf einer norwegischen Volkshochschule in Voss (ca. 100km östl. von Bergen) und auf diesen Schulen bekommt man nach dem Schulabschluss Orientierungshilfen, wenn man noch nicht weiß, was man genau machen möchte. In zwei Wochen fährt sie wieder zurück nach Deutschland und studiert dann in Ilmenau. Aber es war schön, wieder Sächsisch zu sprechen, obwohl wir auch viel Norwegisch geredet haben, nur so konnte ich aber sichergehen, dass ich noch "nu" und "nee" sagen kann, denn auf Norwegisch muss man ja etwas sagen, was ja und nei ähnelt.
Außerdem sind wir von Kristiansund nach Grotli über die berühmt-berüchtigte Trollstigen und dann runter zum Geirangerfjord gefahren, was im Dämmerlicht und noch viel häufiger im Nebel doch etwas speziell ist, mir wurde jedenfalls ganz anders...

Es grüßt euch alle ganz herzlich und bis zum nächsten Mal,
eure Henni

Freitag, 13. August 2010

Toppidrettsveka und Weltcup Aure/Kristiansund



Da bin ich wieder! Diesmal aus Kristiansund.

Tja, wo soll ich eigentlich anfangen? Zum ersten: Wenn ich wieder in Oslo bin, werde ich sicher nicht mehr so oft und so viel schreiben, weil im Büro sicher nicht jeden Tag etwas Weltbewegendes passieren wird. Also keine Angst, dass ihr zu viel lesen müsst... Zum zweiten: Nein, ich jage den mehr oder minder berühmten Athleten nicht hinterher, das würde ich mir gar nicht trauen, aber Per ergreift gerne die Initiative und da lasse ich ihn machen. Ein schönes Foto kommt ja dann meistens dabei heraus, siehe Öystein und Anders.

Wettkampftag 1 in Aure, 11.8.: Keiner hat was von der Eröffnungszeremonie mitbekommen, außer die, die Norwegisch sprechen und das sind bei internationalen Veranstaltungen ja bekanntlich nicht alle. Los ging's mit den 24 und 17km Distanzrennen im Massenstart sowohl für den Weltcup im Rollski als auch für die Toppidrettsveka, die im Grunde eher eine Spaß- und Trainingsveranstaltung ist. Ich saß mit Martins Niklass aus Lettland im offenen Kofferraum des Wagens, der den Athleten des Weltcups vorausfuhr und auf einer 2km langen abfallenden Strecke haben diese auf ganze 65km/h beschleunigt! Gewonnen hat bei den Herren der Gesamtweltcupführer Anders Svanebo aus Schweden. In der Toppidrettsveka konnten Marit Björgen (NOR) und Marcus Hellner (SWE) die Rennen für sich entscheiden und Öystein "Pölsa" Pettersen rettete die norwegische Ehre mit einem dritten Platz, denn für Petter Northug war es doch eher Training als Wettkampf, weshalb dieser sich Zeit ließ.

Wettkampftag 2 in Aure, 12.8.: Freier Tag für die Weltcupleute, während die anderen Athleten sich auf einen 38km Offroad-Radtrip begaben und die Kinder eine kleinere Runde auf dem Rad fuhren. Später ging's dann noch auf einen 1,5km Sprint, den Petter Northug und Ida Ingemarsdotter (SWE) für sich entschieden.

Heute, Kristiansund, Tag 1: Der heutige Tag startete mit einer Besprechung und wurde dann von seitens einiger Teamchefs der Weltcupathleten mit äußerster Heftigkeit durchgeführt, wobei ich die Geduld des lettischen FIS-Gesandten bewundert habe (und bewundere). 14h30 ging das Programm los mit einem 200m-Lauf für die 4-10jährigen und einem 3km-Lauf für die Athleten der Toppidrettsveka. Abends kam dann noch der Sprint im Rollskiweltcup, bei dem aufgrund des später einsetzenden Regens einige Änderungen vorgenommen werden mussten und es ziemlich kalt wurde. Da dachte man wehmütig an Aure mit (fast immer) Sonne und (fast) nie Regen. Tim Tscharnke hat beim 3km-Lauf das Podium wie zwei Tage zuvor Tobias Angerer nur knapp verpasst, was ein bisschen schade ist. Aber Evi Sachenbacher-Stehle (oder wie der Norweger sagt: Sakenbakcher-Stehle) wurde Dritte bei den Damen.

Morgen geht's noch zum 18km Jagdrennen und für den Weltcup in den 200m-Sprint. Danach geht es Richtung Oslo zurück.


Anbei ein paar Impressionen der vergangenen Tage:


Teamkapitänbesprechung des Weltcups


Marit Björgen und ich


Thomas Alsgaard und ich (er war früher Profilangläufer und arbeitet jetzt für den Fernsehsender NRK als Experte)




Martins' Blick aus dem offenen Kofferraum auf die Weltcupathleten


Marcus Hellner kommt als Sieger ins Ziel, Zweiter wird Johan Olsson


Öystein "Pölsa" Pettersen


Leider knapp am Podium vorbei: Tobias Angerer wird Vierter




Benthe Asp (freiwillige Mitarbeiterin im Langlaufkommitee und kurzzeitige Mitbewohnerin) und ich


Martin Koukal (CZ)


Petter Northug setzt zu seinem berühmten Endspurt an


Björn (Rennleiter) und Haavard (Veranstalter)


Äußerst vorteilhaftes Bild von Haavard und mir


Das norwegische (Roll)Skiteam in Kristiansund


v.l.n.r.: Charlotte Kalla (SWE), Therese Johaug (NOR) und Evi Sachenbacher-Stehle (GER)

Nur am Rande: Was mir bei einigen norwegischen Mitmenschen etwas missfällt, ist, dass sie gerne Klodeckel und -brille aufgeklappt lassen, weniger unschön ist, dass viele das Licht anlassen, auch mitten in der Nacht, der Strom ist ja eines der wenigen billigen Dinge hier.

Dienstag, 10. August 2010

Zwischen Wurst und Anders - Aure, Tag 2



Øystein "Pølsa" Pettersen, ich und Anders Gløersen

Hei, hei!

Zwar macht mir mein Bauch mit seinem Eigenleben jeden Tag etwas zu schaffen, aber heute war wirklich ein schoener Tag!
Um 9 ging es erst mal zur Besprechung mit Rennleiter Bjørn und es waren noch dabei: Organisator Håvard, FIS-Repraesentant Martins aus Lettland (frewillig fuer den FIS), Per, Erik, Benthe (und ich). Mit den letzten vieren wohne ich zusammen in Aure direkt am Meer, was hier nicht zu vermeiden ist, denn Aure ist nicht wirklich gross. Wenn morgen die Toppidrettsveka beginnt, werden hier mehr Ausseroertliche sein als Einwohner... Allein den Zeitplan festzulegen bzw. auszubessern und Einwaende und Zustimmen und und und, das braucht Zeit. Nach dem Lunsj sind Per, Benthe und ich eine Weile Joggen gegangen. Dann bekamen wir im Raceoffice unsere Ausweise und je mehr Buchstaben bei den Zonen draufstehen, umso mehr Bereiche darf man betreten. Das sind bei mir vier.




Wir haben uns auch die Starts und Ziele angeschaut, die dann morgen beim 24 und 17km Rennen genutzt werden. Das Ziel liegt genau an der Grenze der Fylken (Bezirke) Møre og Romsdal und Sør-Trøndelag.




Schon um 6 abends gab es Mittag (=warmes Abendessen): Fisch, Kartoffeln und Salat. Da sassen wir zusammen mit Johan Kjølstad (der genau 9 Jahre aelter ist als ich), Ola Vigen Hattestad, John Dahl, dem daenischen Trainer der Norweger, Anders Gløersen und Øystein "Pølsa" Pettersen. Pølsa sollte man am treffendsten mit "die Wurst" uebersetzen. Diesen charmanten Namen bekam Øystein einst von einem Teamkameraden, der ihn in einem neuen Langlaufanzug als Wurst bezeichnete. Øystein ist schon bekannter als Anders, obwohl Anders mehr Siege im Weltcup hat, was wohl daran liegt, dass es nicht zu ueberhoeren ist, wenn Øystein in der Naehe ist. :)

Wichtig: Vorgestern, als wir nach unserer Bergtour auf den Høgronden in Folldal auf einem Campingplatz uebernachteten, konnten wir im Speiseraum den City-Biathlon in Puettlingen (Saarland) sehen! Wenn auch nur als Zusammenfassung. Aber mein lieber Ole ist ja als Ersatz fuer den erkrankten Emil Hegle Svendsen eingesprungen. Das Resultat war ganz in Ordnung: 1. Sumi (Christoph Sumann), 2. Peifferchen (Arnd Peiffer) und 3. Ole Einar Bjørndalen - wohlgemerkt, Ole mit einem miserablen Schiessen... Ihn werde ich aber vielleicht im November sehen, wenn im Biathlon und Langlauf die Skisaison eroeffnet wird.

So, um 21 Uhr steht jetzt noch ein Treffen an und morgen wird sicher ein anstrengender Tag.
Macht's gut,
eure Henni