Donnerstag, 9. April 2015

65.000 Kilometer!

Kaum zu glauben, aber wenn man den Angaben des Vorbesitzers meines Autos Glauben schnenkt, nämlich, dass es kanpp 61.000km beim Verkauf hatte, würde das bedeuten, dass ich seither ganz schön viel gefahren bin und ein guter Teil davon in Frankreich, Wahnsinn!

Immer mit dabei: Die Klauß'sche Eule "Krax Klauß"
Eigentlich wollte ich den Blog "Wenn die Schokolade im Handschubfach schmilzt" nennen. Zugegeben, es war nicht die schlaueste Idee, die Schokolade mitzunehmen, wenn es voraussichtlich ziemlich warm wird, aber im Kühlschrank ist sie wieder geworden. Den größten Teil des gestrigen Tages brachte ich nämlich mit der "diffusion", also Verteilung unserer aktuellen Broschüren und Plakate zu; außerdem noch welche vom "Musée de l'Amiral" sowie deutsche und englische Flyer (beide mit dem von mir revidierten Text). Am Tag vorher holten wir die Broschüren aus dem Lager, draußen waren es abends noch angenehme 18°C, aber das nur am Rande... Mein Auto lag wahrscheinlich noch nie so tief auf der Straße und als ich zwei Mal etwas stärker bremsen musste, rutschte einiges durcheinander, aber die Kartons waren gut verpackt und flogen mir nicht um die Ohren. Zuerst musste ich nach Penhors-Plage (bei Pouldreuzic), um im Hotel Breizh Armor die Broschüren und Plakate vom Musée abzuholen. Dazu musste ich rückwärts ans Hotel in eine schmale Einfahrt fahren, was ganz gut geklappt hat, da darf man auch mal stolz sein. Penhors-Plage präsentierte sich heute bei strahlendem Sonnenschein ganz anders als beim letzten Mal, blauer Himmel, blaues Meer, herrlich. Dann ging es weiter nach Plouhinec, wo ich in einer Bar, der Touristeninformation, einem Friseur, einem Bekleidungsladen, einem Carrefour und einem Baumarkt mein Zeug verteilte. Anschließend konnte ich meine Liste, die erst ab Audierne begann, abarbeiten, zunächst in Hotels und Ferienanlagen. Dazwischen machte ich Pause am Strand, es gibt wirklich schlimmeres. Weiter ging's mit der Suche nach den Campingplätzen, nach einem suchte ich bestimmt eine halbe Stunde, er war gut versteckt und zu. Deshalb deponierte ich mein Material vor der Rezeption, mal sehen, ob es den nächsten Regen übersteht. Dann musste ich nochmal zurück zu einem Campingplatz, bei dem ich auf der Suche nach dem anderen schon vorbeigefahren war, aber nicht gesehen hatte, dass dieser auch auf meiner Liste stand. Es war wirklich schön, all diese Orte abzufahren und so etwas vom Land zu sehen, aber einen ziemlichen Nerv raubte mir die Suche nach einem Campingplatz und der Touristeninfo in Pont-Croix, einem Ort mit italienischem Flair, da am Hang gebaut. Einzig der Herr der Touristeninfo nahm mir die Arbeit ab, indem er das Material für den Campingplatz gleich mitnahm, weil der schwer zu finden sei. Dann düste ich fix nach Le Guilvinec zurück, denn auf Wunsch einer einzelnen deutschen Familie machte ich extra eine deutsche Führung durch die Fischauktion, deshalb war es auch so knapp in Pont-Croix gewesen. Auf dem Rückweg war es ziemlich nervig mit Autofahrern, die zu langsam fuhren, wenn man schneller fahren konnte und zu schnell, wenn man langsamer fahren wollte - und Möglichkeiten zum Überholen boten sich wenig. Ich kam zwar ziemlich entnervt in Le Guilvinec an, aber nachdem ich sich alles etwas gesetzt hatte, konnte ich doch die erreichten Resultate des Tages genießen. Schöne Landschaften, viel Sonne (deshalb auch diesmal die Sonnenbrille mit dabei) und Mittagessen am Meer - neben abgelieferter Arbeit. Die Führung durch die Fischauktion absolvierte ich meines Erachtens nach zwar immer noch etwas atemlos, aber ich denke, sie hat ganz gut gefallen (einem Teil der Gruppe, die aus Veganern/Vegetariern bestand, wahrscheinlich eher weniger). Um die Gruppe zu beeindrucken, gab es diesmal auch einen besonders großen Seeteufel, der mir auch den ganzen Pullover, die Hose und meine Hüfttasche vollsaute mit seinem Schleim. Bei dem mindestens 10kg schweren Exemplar glaubt man gerne, dass der größte je in Guilvinec gefangene 82kg-Seeteufel ein Kleinkind verschlingen hätte können. Ich hatte auch wieder einen lebenden Fisch dabei, diesmal ein Katzenhai (warum die Tiere so gelassen werden, kann ich nicht genau sagen, ob es nur wegen der Qualität ist oder etwas anderes, andere würden es Tierquälerei nennen), die Langustinen können es hingegen problemlos aushalten.
Es ist schon ein sch... Job...


Mittagessen am Strand von Esquibien/Audierne

1. Tag der "diffusion" geschafft!
 Das Osterwochenende verbrachte ich auch sehr schön mit meiner Freundin Patricia, die zu Besuch aus Tours war. Nachdem sie wegen des Osterstaus etwas verspätet ankam, machten wir uns ein schönes Wochenende. Am Samstag erstmal an den Strand von Tronoën samt Besichtigung des Kalvarienberges der Kapelle und Bunkerkunst. Weiter ging's zur Pointe de la Torche und nach Penmarc'h zum Leuchtturm Eckmühl mit Besteigung - ich hatte vergessen, wie lange der Aufstieg dauerte. Aber das Wetter war ganz in Ordnung, sodass wir gute Sicht hatten. Beim prähistorischen Museum vom Finistère inspizierten wir nur den Vorgarten mit Menhiren und Dolmen, um anschließend zu Haliotika zu fahren, wo Pattl eine Privatführung bekam. Ich bekam nachträglich zum Geburtstag eine schöne Tasse mit Leuchtturm drauf und Löffel dazu. In der Crêperie Les Terrasses, in der ich mit Papa schon war, aßen wir dann leckere Galettes (herzahft) und Crêpes (süß) und ich durfte auch noch die Hunde des Hauses streicheln. Als Betthupferl (die Henni war müüde) schauten wir uns den Film "Le Prénom" (der Vorname) an, etwas eigentümlich, aber mit Witz.

Pattl mit Bunkerkunst in Tronoën


Erst mal eine Runde schlafen!

Kouign Amann zum Mittag!

La Torche

vorm Tour Carrée von Saint-Guénolé aus dem 15. Jh.

Wendeltreppe von Eckmühl

Panorama Eckmühl

Leuchtturm Eckmühl

Ostersuchsonntag: Schwierige Suche nach den begehrten Eiern... Der Sonntag war einmalig und die Pointe du Raz als Ziel ein guter Griff. Zwar muss man dort inzwischen 6€ Parkgebühren zahlen, aber die Wanderung entlang der Küste (und Hennis heißgeliebte Schnulliläden) machten alles wett. Pattl und ich kletterten/wanderten bis zur Spitze vor, es gab einen Weg, aber manchmal wählten wir lieber einen Pfad, der etwas weniger ausgesetzt war. Vorne angekommen bot sich ein einmaliger Blick über den Leuchtturm "La Vieille" (die Alte) rüber zur Ile de Sein und im Hintergrund zu meinem Lieblinsgleuchtturm "Ar Men" (der Fels). Sehr eindrucksvoll waren auch die Strömungen, deren Kräfte deutlich zu sehen waren. Wir fanden sogar einen windgeschützen Platz in der Sonne. Auf Empfehlung eines Angestellten der Pointe du Raz machten wir an der Pointe du Van nur eine Stippvisite und fuhren weiter zur Pointe du Milier. Pattl fuhr dann den ganzen Weg zurück, da meine Beine etwas müde waren und wann hat man schon mal den Luxus, einen Chauffeur dabei zu haben. :-) Zu Hause waren die Liegen auf der Terrasse mit Kissen versehen, sodass man sich schön in der Sonne laben konnte. Nach einem leckeren Abendbrot ging's nach Quimper auf Einladung einer Freundin von Pattl zur Feier eines Rugbyclubs, der ein Turnier mit anderen Clubs organisiert hatte. Als wir kurz vor 8 ankamen, hatten einige Leute schon leicht etwas über den Durst getrunken... Aber es war sehr lustig und als die Band "Marianne écoute aux portes" loslegte, wurde wild getanzt, mal im Kreis, mal frei Schnauze, es war wirklich sehr schön, mal eine bretonische Rugbyfeier mitzuerleben!

Wo sind die Ostereier?

Ostereiersuchen an der Pointe du Raz


Leuchtturm La Vieille


Notre Dame der Schiffbrüchigen


Panorama


La Vieille mit Ile de Sein im Hintergrund


Der Hund und das Meer - Hund mit Strömung im Hintergrund

Man beachte die kurze und bündige bretonische Übersetzung ganz unten.

Dornröschen der Pointe du Raz...

...schläft 100 Jahr...

Chapelle an der Pointe du Van
Altar für die Seenotrettung

Blick von der Pointe du Van zur Pointe du Raz

Kirchenbrunnen

Ausspannen am Abend auf der Terrasse
An Pattls letztem Tag in der Bretagne wählten wir Concarneau und die Ville Close (geschlossene Stadt, die Altstadt) mit ihren Gassen und Schnulliläden, sowie der Festungsanlage von Vauban (Baumeister). Sogar einen kostenlosen Parkplatz gab's dazu und die Panoramabilder mit meiner Kamera gewannen auch an Qualität. Es war auch ein sehr schöner sonniger Tag, nur schade, dass Pattl schon fahren musste (und ich mich wieder ans Steuer setzen musste...). Nachdem ich sie bei ihrer Mitfahrgelegenheit abgeliefert hatte, fuhr ich noch an den Grande Plage der Île-Tudy und dann nach Hause, um mich auf der Terrasse zu sonnen und etwas Arbeitsmaterial durchzulesen.
Mit Pattl vor der Ville Close von Concarneau

Pattl im Schokoladenparadies

Der Cidre steht auch schon bereit!

Für Dupin-Kenner: Das "L'Amiral"


Hafen Concarneau

Segler vor der Île-Tudy




Man wagt sich schon langsam ins Wasser, andere gingen sogar richtig rein

Sonnenuntergang vorm Haus

Am 3.4. hatte ich übrigens meine Feuertaufe in Sachen geführte Ausstellung bestanden, bei der ich Grundschulkinder durch unser Museum führte. Sie haben mir auch ganz gut zugehört für Grundschüler, aber der Tag wurde noch recht anstrengend, weil ich noch bei Rachel mitlief, um sie bei derselben Führung für Erwachsene und in der Fischauktion für Erwachsene zu beobachten.
Am Tag davor hatte ich wieder ein Geschmacksatlier und eine Auktionsführung, bei der ich von einer Seespinne gekniffen wurde, was recht wehtat. Ich hatte eine große Seespinne zu weit vorne angefasst und sie hatte einfach hinter gelangt und beherzt ihre Schere zusammengedrückt und den Latexhandschuh zerschnitten. Tags zuvor war mir eine Seezunge entwischt, die sich noch als ziemlich lebendig erwies und auf den Boden hüpfte, ehe ich sie wieder in ihre Kiste zurückbefördern konnte. Ansonsten raubte mir wie immer die französische PC-Tastatur ein paar Nerven: auf Arbeit will ich die deutsche, zu Hause die französische benutzen.
Seit Dienstag ist auch meine Chefin Anna aus dem Mutterschaftsurlaub wieder zurück, der ich nun endlich mein kleines Geschenk übergeben konnte und die anordnete, dass Christiane von nun an jeden Mittwoch mit mir Deutsch sprechen muss, damit sie es nicht vergisst. Außerdem durfte ich Marine bei einer Wattwanderung begleiten, bei der wir unter Steinen mehrere Taschenkrebse fanden, eine Wollkrabbe, sowie weiteres Getier. Von Marine bekam ich auch eine Seeohrmuschel, die allerdings etwas matt schimmert, vielleicht hilft eine Politur.
Heute war es ansonsten ganz ruhig, ich war am Empfang, es gab ein bisschen was für die Boutique zu tun und hatte nachmittags eine schöne Führung durch die Fischauktion, bei der nur ein paar wenige mäkelten, dass man nicht mitten zwischen den Leuten (Auktionären) sein kann, dabei sollten sie froh sein, dass man überhaupt so nah dran sein kann bzw. rein in die Versteigerungshalle bzw. waren sich sicher, dass sich Touristen auf den Kais rumtrieben zwischen den abladenden Booten (bestimmt...). Das 2. Kleidungsstück hat mir heute der nächste Seeteufel vollgeschleimt, aber es gibt ja Waschmaschinen. Jedenfalls sollte ich so nicht unbedingt zu meinem 2. Austeiltag nach Crozon.
Bis denne! Eure Henne

Wattwanderung

Strandgrundel
 Für Elsa: Impressionen von der Tierwelt vorm Haus
Rentnerhengs Tom

Osterlämmchen

Mittwoch, 1. April 2015

Französischer Humor


http://www.ouest-cornouaille.com/upload/musee_amiral_web-xl.jpg
Der Samstag des letzten Wochenendes zeigte sich typisch bretonisch mit fast allen Jahreszeiten, aber vor allem mit jeder Menge Wind! Nachdem ich den Vormittag mit dem Fertigstellen meines ersten Blogeintrages verbrachte und Nudeln auf der Terrasse während einer kurzen Sonnensequenz verspeiste, fuhr ich nach Penhors-Plage (Poldreuzic) ins Musée de l'Amiral, etwa 20 min von meinem Wohnort entfernt. Am Vortag hatte uns eine der Inhaberinnen, Nathalie, neue Broschüren gebracht und mich bei der Gelegenheit eingeladen, doch mal vorbeizukommen.

Kappele von Penhors-Plage
Als ich dann vor der Tür des Museums stand, bekam ich die Tür nicht auf und dachte, es sei noch geschlossen. Für diesen Fall empfahl ein Zettel, ins benachbarte Restaurant zu gehen und dort Bescheid zu geben. Dort traf ich auch Nathalie, die mich gleich auf einen Café einlud. Da ich mir aber nicht sicher war, ob es nicht doch nur eine Redewendung sei, fragte ich sicherheitshalber nach, wo der Café zu bezahlen sei - ich war aber wirklich eingeladen worden. Nathalie hatte indes im Museum Bescheid gegeben (die Tür hatte eigentlich nur geklemmt) und so durfte ich kostenlos die kleine, aber feine Ausstellung besuchen. Ein Admiral, daher der Name, stiftete Privatleuten seine immense Muschelsammlung, die diese dann wiederum in ein Museum investierten. Es finden sich zehntausende von Muscheln aller Art und mir fiel auf, dass ich mit meiner Vermutung einer Verwandtschaft zwischen Seeohr und neuseeländischer Paua-Muschel doch nicht so ganz falsch liegen könnte.











für Jörg


Miesmuscheln...



Pauas! Oder Seeohren

Irgendwo hier versteckt sich auch Mamas und Papas Ehering
Als ich die Museumsmitarbeiterin Maëlle später danach fragte, bejahte sie, dass es die gleichen Muscheln sind, in Neuseeland sind sie nur größer. In Frankreich gibt es in Bezug auf die Seeohren strenge Reglementierungen und empfindliche Strafen bei Nichtbeachtung.

Reglementierungen
Im Französischen wird das Seeohr auch scherzhaft "Aufkleber" genannt, weil es sich unter dem Felsen wie ein Aufkleber anheftet. Man kann es bei Ebbe nur durch Fühlen unter den Felsritzen finden und es ist auch nicht leicht abzubekommen. Eigentlich gab es im Museum alles von kullergroßen bis fast sesselgroßen Muscheln. Aber auch Seesterne, Seeigel, Walknochen, Haigebisse, eine große Vogelsammlung, konservierte Tiefseefische und natürlich eine Boutique, die fast genau so groß war wie das Museum selbst und von Büchern, über Kitsch bis zu Spirituosen (Papa, dir wird das was sagen: Lambig, Chouchenn und Cidre). Ich bekam 5% Rabatt auf ein kleines Vogelbuch und einen Schlusselanhänger (ein Bootsknoten in MIniatur). Danach schnappte ich mir meine Thermoskanne und spazierte noch ein wenig am wilden Strand von Penhors-Plage entlang. Eigentlich könnte man auch demoliert sagen, denn die Deutschen haben dort im 2. Weltkrieg ganze Arbeit geleistet; Massen von Kieseln und Steinen sind abgetragen worden, um Bunker und Marinestationen zu bauen, was zu einer erheblichen Instabilität der Küste geführt hat.

Strand von Penhors-Plage

Kitesurfer
Die letzten Schädigungen gab es im Winter 2013/2014, als in der ganzen Bretagne schwere Stürme tobten. Auch an diesem Samstag war es nicht gerade windstill und dennoch gab es ein paar Kitesurfer, die sich im Wasser vergnügten (und sich auch manchmal die Vorfahrt schnitten). Entlang des rot-weiß markierten Küstenweges GR 34 (der die gesamte bretonische Halbinsel umrundet) gab es Bänke, auf denen ich dann meinen Tee schlürfte. Danach ging's noch mal kurz zum Super U (kleiner Einkauf, da ist man aber auch schon wieder bei paar'n dreißig Euro) und auch zu einem neuen Strand, irgendwas mit Ker... Als ich nach Hause kam, war Kater Jimbo schon abgereist in seine neue Heimatstadt Reims. Jetzt gibt es nur noch die Schafe vor dem Haus und Pferd Tom auf der Weide nebenan.
Der neue Strand Ker...

Bunkerkunst


Der Sonntag war der erste Tag mit richtig besch...Wetter, es regnete andauern und der Wind pfiff ebenso stark wie am Vortag. Am Nachmittag besuchte ich meine Kollegin Fanny in Rosporden, etwa 40min mit dem Auto entfernt. Sie hat zwar keinen Bauernhof, aber viele Tiere: So durfte ich gleich bei meiner Ankunft Bekanntschaft mit den Hunden Alex (einem etwas übergewichtigen älteren Labrador) und Breizh (bretonischer Name der Bretagne, weil er ein schwarz-weiß gefleckter Setter ist) machen. Nach einem kurzen Plausch wurden die Hühner bestaunt mitsamt den beiden 4 Tage alten Küken. Dann schauten wir zu den 5 Pferden hinüber, die auf einer Weide etwas entfernt grasten. Außerdem schaute Nachbarskater Aldo, genannt Dodo, vorbei. Katze Fiffi schlief im Sessel. Über den Nachmittag überwand auch Breizh sein Misstrauen und mir wurde attestiert, dass er mich mag. Alex hingegen wollte dauernd spielen und konnte herzzerreißend jaulen, wenn man nicht weiterspielte. Im Geländewagen bekam ich auch eine Stadtrundfahrt durch Rosporden mit seinen zwei Stauseen und der Kirche Notre Dame, aber viel konnte man bei dem Wetter nicht sehen und es schaukelte auch ziemlich im Auto, sodass man etwas seekrank wurde. Wir fuhren auch an der Arbeitsstelle von Fannys Vater vorbei, der zwar nur in zwei Schichten arbeitet, aber für die Frühschicht um 1 aufstehen muss. Wir hatten auch festgestellt, dass die Familie gerne in Trégunc an den den Strand von Kersidan geht, wo wir beim letzten Bretagneurlaub gewesen waren. Leider war das Wetter zu schlecht, obwohl Hund Alex und ich uns sehr über einen Strandbesuch gefreut hätten. Beim Abendbrot probierte ich weitere französische Spezialitäten, wie ich es nenne: gastronomischen Tourismus, diesmal gab es Sardellen aus dem Glas. Fannys Bruder ist sie ohne Brot dazu, obwohl sie sehr stark gesalzen sind. Außerdem gab es ein Brot mit Käse drin, das heiß gemacht wird und in das man dann Schinken reinlegt. Sehr lecker. Im Dämmerlicht trat ich dann den Heimweg an, in der Hoffnung, dass wir bei meinem nächsten Besuch zusammen nach Kersidan fahren können. Abends schaute ich dann noch das Fußballspiel Frankreich gegen Dänemark an, auch weil der Film "Monsieur Claude und seine Töchter" leider auf dem Bezahlsender Canal+ lief und somit nicht anschaubar war.
So versucht man in Frankreich übrigens dem Rauchproblem beizukommen

Am Montag merkte ich die Sommerzeit schon eher, es ging doch etwas schwerer aus den Federn als sonst. Es war der erste Tag, an dem ich fast nur im Büro gesessen habe, um das Internet nach deutschsprachigen Reiseanbietern zu durchforsten, die die Bretagne im Programm haben, also aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Name, Adresse, Telefonnummer, Emailadresse und alles in eine Excel-Tabelle, damit kriegt man die Zeit auch rum. Wir versuchen so, neue Kunden zu gewinnen und zu überzeugen, Haliotika mit in ihr Programm aufzunehmen.
Hafenansicht Le Guilvinec

Man sieht es nicht, aber das Meer war recht wild an diesem Tag
Badezeit! Die Ente bleibt draußen...

Den Dienstag verbrachte ich hauptsächlich mit dem Verbessern des deutschen Textes der Website von Haliotika, da gibt es ein paar Sachen, die etwas missverständlich sind. Mit der Suche nach Reiseanbietern war ich soweit fertig geworden. Abends dann gab es etwas sehr Schönes, denn meine Kollegin Marine hatte mich in der Woche zuvor gefragt, ob ich sie nicht zu einer Vorstellung des Komikers Franck Dubosc begleiten möchte, eine Freundin von ihr konnte nicht kommen. Da ich den Herrn schon aus dem Film "BIS" kannte und ihn ganz lustig fand, bin ich also mit.

Das ganze fand in Brest in einer Arena statt, aber erst mal galt es, die vielen kleinen Straßen und zwei Brücken zu überwinden, es ging hoch und runter, man merkte, dass Brest auf Hügeln erbaut wurde. Zugegeben, an machen Stellen ist die Stadt wirklich hässlich, aber wir fuhren auch an schönen Ecken vorbei und ich denke, Brest gehört zu den Städten, die auf den ersten Blick zwar hässlich, auf den zweiten aber durchaus schön sein können, vor allem, wenn man eine Verbindung in Form von Erlebnissen oder Leuten dazu hat. Wir parkten dann bei Carrefour (Einkaufsmarkt) und liefen zur Arena rüber. Es war sehr lustig, auch wenn ich nicht alles verstanden habe und manchmal bei Marine nachfragte. Einmal fragte der Komiker auch nach den Vornamen seiner Gäste und es stellte sich heraus, dass viele Maxime oder Yann (bretonische Form von Jan) hießen. Hier ein anderes Beispiel:

Er war sehr gut auf die Region vorbereitet und konnte auf bretonische Eigenarten und Klischees eingehen. Der Weg nach Hause gestaltete sich dann etwas langwierig, alle wollten nach Hause und der vermeintliche Vorteil, nicht direkt an der Arena geparkt zu haben, war dann doch nicht so vorteilhaft, aber irgendwann rollte es wieder. In der Wartezeit konnte ich mich (wie auch auf der Hinfahrt) wieder lang und breit über französische Verkehrseigenarten wie Kreisverkehre, diese komischen Bremshügel, fehlende Hauptstraßenschilder, das französische Blinken, usw. auslassen. Marine sah es mir nach und es war ja auch nicht böse gemeint. Kurz nach Mitternacht setzte ich Marine in Quimper ab und fiel zu Hause gleich ins Bett.

Glücklicherweise durfte ich heute später kommen, weil ich sowieso eine kürzere Pause machen musste, aufgrund einer Gruppe. Vormittags tüftelte ich weiter an den Websitetexten in Deutsch, Englisch und Italienisch herum und begann, den Text für die Fischauktion auf Italienisch auszuarbeiten, was meine etwas verschlafenen Italienischkenntnisse wieder weckte. Nachmittags hatte ich ein Geschmacksatelier und eine Führung durch die Fischauktion mit Kindern. Es war ganz angenehm und es war auch genügend Fisch zum Zeigen da, die Boote waren voll. Am Vortag waren sie wegen des starken Windes nicht rausgefahren und die Fischauktion hatte somit auch nicht stattgefunden. Dann holte ich ein paar Kilo Langustinen vom Fischhändler ab, wo ich erst etwas warten musste, weil der Fang gerade frisch reinkam und erst gekocht werden musste, denn die Langustinen kommen ja lebend an und werden nur auf Wunsch vor Ort gekocht. Die Frau im Laden meinte, ich hätte aber einen schönen Akzent und ob ich aus dem Süden wäre. Ihr Mann meinte hingegen auf meine Antwort, ja, das sei doch der deutsche Akzent. Bei Hafenmitarbeiter Serge bin ich die Belgierin "la belge". Am Ende des Tages, der sich doch etwas länger hingezogen hatte, bekam ich von Philippe sogar ein paar Langustinen und übriggeblieben Croissants von einem Firmentag mit nach Hause, erstere wurden natürlich unverzüglich verspeist und schmeckten ausgezeichnet! (Dabei vergaß ich glatt meine Ressentiments gegen die härtere Schale im Vergleich zu den Crevetten, welche aber leider gerade keine Saison haben und daher aus Übersee gezüchtet kommen; somit sind die Langustinen eine gute Alternative.)
Einen "poisson d'avril" (Aprilscherz, wörtlich: Aprilfisch, weil einem ein Fisch auf den Rücken geklebt wird) gab es heute glücklicherweise für mich nicht.