Dienstag, 12. April 2011

Es wird so verdammt schwer...!

...hier wieder wegzugehen, in gut drei Monaten. Das habe ich in der vergangenen Woche, sollte ich vielleicht sagen: endlich?, begriffen. Bei dem holprigen Start und der stetigen Besserung in Norwegen hat die letzte Woche alles oder ziemlich viel verändert, was ich nie so gedacht hätte.
Und nun sitze ich hier, schaue nach draußen auf das heftige Regenwetter und sinniere über die letzte Woche. Eigentlich muss ich noch dazu sagen, dass mir das Schreiben gerade nicht so behagt, weil mich seit fast vier Tagen Schmerzen in der linken Hand plagen, keine Ahnung, was ich mir da zugezogen habe.

Die Woche vor der Ridderuka, dem Skifestival für behinderte Athleten, war sehr ruhig und entspannend, eine normale Woche im Büro, mit freiem Wochenende hinten dran, eigentlich das erste richtige freie Wochenende für mich in diesem Jahr. Gemacht habe ich da nicht viel und selbst die manchmal dagewesene Langeweile genossen.
Am Montag hat mich Staale dann von zu Hause abgeholt, eine ganze Zeit später als geplant, weil es im Leihwagenzenter drunter und drüber ging; Staale hatte Zentner an Ausrüstung dabei, unglaublich. Aber er arbeitet ja mit Behinderten im Abfahrtski und da sind oftmals schwerere Hilfsmittel nötig als im  Langlauf. Wie auch immer, Staale fand den Weg zu mir nach Hause und dann hatten wir eine sehr lustige Fahrt hinauf nach Beitostölen, untermalt mit Musik von Led Zeppelin und Black Sabbath, natürlich in leicht gehobener Lautstärke...

Angekommen, wurde ich gleich in unsere Wohnung gefahren, in der ich wohnen sollte, zusammen mit Aase Karin, Leiterin des Skikreises Agder und Rogaland ganz im Süden Norwegens und einigen Behinderten, die alle irgendwie mit Telenor Open Mind zusammenhingen. Telenor ist so etwas wie die Deutsche Telekom und Open Mind ist eine Abteilung, die Behinderten hilft, ins Arbeitsleben einzusteigen oder sie gleich selbst einstellt. Aase Karin ist im Skiverein Oddersjaa SSK, tatsächlich der älteste Skiverein Norwegens, der noch vor 1900 gegründet wurde - und das im wärmsten Teil Norwegens. Aase Karin hat mich dann gleich mit ins Stadion genommen, aber nicht jenes, welches ich schon von meinem Beitostölenaufenthalt im November kannte, sondern jenes, welches sich beim Beitostölen Rehazenter befindet. Dort habe ich gleich einen Langlaufski für Behinderte ausprobiert, auf dem man knien muss - und bin mit diesem Ding ganze 2km gefahren! Aase Karin meinte, ich hätte das in meinem früheren Leben schon mal gemacht, weil ich so schnell gefahren bin; nur beim Wechseln einer Loipe hatte ich Probleme, da hat mein Hüftschwung nicht ganz ausgereicht. Es war auch ganz angenehm, auf dem Schlitten zu sitzen - wenn man weiß, dass man wieder aufstehen kann, im Gegensatz zu den meisten, die diesen benutzen. Einige aus der Gruppe meinten dann auch, ich könnte doch an den Wettbewerben teilnehmen, schließlich sei ich ja aufgrund meines überstreckten Fußbandes vom Oktober 2009 "bewegungsgehemmt" - aber das habe ich natürlich nicht.
Anbei von mir Bilder in großer Fahrt:









Dienstag - die erste Nacht im zweiten Stock des Doppelstockbettes ohne Rausfallen überstanden... Ich teilte mir das kleinste Zimmer der 275m² Wohnung mit Aase Karin, aber da konnte wirklich nur einer im Zimmer sein, dann war es voll. In Bezug auf die Dusche haben wir immer die anderen Duschen benutzt, in der unseren konnte man sich kaum umdrehen, aber ich hab's spaßeshalber doch mehrere Male dort probiert, was mit ein paar blauen Flecken endete...
An diesem Tag fand das Fjellrennet (Bergrennen) statt, an dem von unserer Gruppe aber nur ein oder zwei teilnahmen. Ich war mit unten im Stadion und bin mit bei den Trainingseinheiten für die Athleten dabei gewesen; jeden Tag waren zwei Läufer dran, um noch einmal Unterstützung und Nachhilfe in Sachen Skitechnik zu erhalten. Nachmittags kam dann Staale zu Besuch, um die Gruppe zu erheitern, nein, aber auch, weil er ja nicht in derselben Wohnung wohnte wie wir und wir einfach ein lustiges Beisammensein hatten. Ich war auch mit einigen Athleten beim Klettern im Rehazentrum, bei dem meine Hilfe aber relativ wenig gebraucht wurde, was ich ein bisschen schade fand, aber es war in Ordnung.
Nach dem Abendessen war ich mit Staale und noch zwei anderen in der Lichtkapelle von Beitostölen, die gleich neben dem Rehazentrum steht und es ist eine der schönsten Kapellen, die ich bisher gesehen habe und hat eine der mit Abstand beeindruckendsten Athmosphären. Selbst wenn man nicht gläubig ist, man spürt, dass dies ein Ort ist, an dem man sich zurückziehen kann und Ruhe findet.


ich bin es nicht auf dem Bild, es wurde später aufgenommen...

Die Kapelle ist erst zehn Jahre alt und besitzt sogar ein Audiosystem; Staale drückte auf der Fernbedienung nur auf einen Knopf, es kam Musik von Enya und ich fing an zu weinen. Ich war in den vergangene Tagen schon immer in so einer merkwürdigen Stimmung gewesen und dann flossen die Tränen einfach von selbst, teils ohne, teils mit Grund. Aber wenn man weint, findet man wohl unterschwellig immer einen Grund, warum.
Doch ich lernte einen Freund in dieser Situation noch besser kennen, und dafür bin ich sehr dankbar.

Mittwoch - mein Tag auf der Abfahrtspiste. Später bedauerte ich es, nicht selbst auf den Brettern gestanden zu haben, aber die Ausrüstung war mehr für Behinderte ausgelegt und es war auch nicht weiter schlimm, vielleicht hätte ich mich am Ende doch gar nicht getraut. Zuerst aber half ich Staale und zwei anderen, so einen riesigen Werbetorbogen über einer Piste aufzurichten, der dann später auch noch mal umfiel. Ich tat auch mein Bestes, um mit der Schaufel zu helfen, aber der Schnee war entweder total vereist oder pissgelb und wässrig. Insgesamt konnte man sagen, dass überhaupt sehr wenig Schnee lag. Nach getaner Arbeit durfte ich mit Staale in einem sogenannten Biski fahren, das ist eine Art Schlitten, unter dem zwei Abfahrtski untergebracht sind und in dem man dan von einem Begleiter, welcher auf eigenen Skiern fährt, den Hang heruntergefahren wird. Natürlich fuhren wir auch die drei steilen Snowboardhügel- oder halfpipes hinunter (kleines Bild oben - sehen harmloser aus, als sie sind!), obwohl ich mich, milde ausgedrückt, nicht gerade darum gerissen hatte; und doch ist es so ein Gefühl, wie wenn man vor einer Achterbahn steht und überlegt, ob man einsteigt, oder nicht und wenn man es dann doch getan hat, will man es gar nicht mehr missen. So ging es mir auch, mit dem Unterschied, dass mir am Ende nicht schlecht war. Die erste Halfpipe nahmen wir ganz langsam, Staale blieb oben stehen, sodass ich direkt runter sehen konnte - grusel...und doch so toll und aufregend zugleich!
Die tapfere Reckin
 Die zweite ging schon etwas schneller und die dritte nahmen wir mit vollem Karacho! Ich fühlte mich ein bisschen wie mit Papa auf dem Motorrad, immer schön in den Kurven mitschwingen, nicht gegen den Fahrer arbeiten. Zwischendurch drehten wir auch mal um und fuhren rückwärts, aber ich hatte keine Angst, ich wusste, dass Staale wusste, was er tat und vertraute ihm. Wäre es jemand anderes gewesen, es wäre nicht so gewesen.
Biski
Wieder unten, habe ich Elin geholfen, die immer an der Piste war und Athleten helfen sollte oder deren Begleitern, denn jeder Athlet hat ja einen Begleiter während der gesamten Ridderuka. Und viele wollten die Ausrüstung einfach ausprobieren oder mal Snowboard erproben, usw. Nun ja, viele wäre für diesen Tag zu viel gesagt, denn an diesem Tag war auch der Biathlonwettbewerb unten im Stadion und so hatten wir wenig zu tun. Aber immerhin konnte ich in der Lunchpause wieder beweisen, dass ein Ei in Beitostölen bei 9minütigem Kochen am besten wird: nämlich weichhart, also genau in der Mitte - vorausgesetzt es ist kein Sturm draußen, also keine unnormalen Druckverhältnisse - denn am Freitag war es nämlich anders. Na ja, sonst habe ich fast die ganzen Zeit getrunken, denn Staale hatte zurecht meine ständige Müdigkeit und Kopfunwohlsein auf zu wenig Flüssigkeit zurückgeführt und mich herausfordern gefragt, was mir denn lieber wäre, Kopfschmerzen oder dauernd aufs Klo zu rennen. Für meine Geduld wurde ich am späten Nachmittag dann noch mal mit einer Biskitour belohnt, diesmal in voller Geschwindigkeit - unglaublich!!!

Donnerstag - An diesem Tag half ich Jan Harald, ein Rollstuhlfahrer, der unter anderem Schlitten für behinderte Langläufer vertreibt. Ihr merkt sicher schon, dass ich wieder viele neue Leute getroffen habe, also auch davon war ich immer sehr müde. Verschiedene Athleten kamen vorbei, um ein neues Modell zu probieren. Ich konnte auch noch eine Runde Ski für mich drehen, ich nahm fälschlischerweise die 6,1km anstatt der 4km, denn erstere sollte gar nicht offen sein, aber die Barriere stand vor der 4km-Runde. So bekam ich dann auch "is i rubben", wie Odd-Björn Hjelmeset nach seinem Staffeleinsatz zu den Olympischen Winterspielen in Vancouver schon sagte, d.h., es ging nicht richtig vorwärts, denn als ich aus dem Wald rauskam, fegte der Schnee ungehindert über die Ebene und verwischte die Loipenspuren. Anhand der Schilder und einiger Soldaten der Königlichen Garde war der Weg aber gut zu finden. Aber selbst auf dieser kleinen Tour habe ich gemerkt, dass bei noch stärkeren Wetterverhältnissen die Orientierung schnell verloren gehen kann. Trotzdem war es eine der schönsten Skitouren bisher, einfach mal für mich alleine zu gehen und alles in Ruhe in sich aufzunehmen, keine Hektik.
Trotz dem ging es mir am Nachmittag nicht sonderlich gut und von da an bis zum nächsten Tag am Nachmittag verbrachte ich die Zeit im Bett und schwitzte vor mich hin. Klettern fiel an diesem Tag glücklicherweise aus.
Offizieller Pressefototermin
 Freitag - Alpinwettbewerb, aber ich war im Bett - das Wetter (Sturm mit bis zu 90 km/h) lud auch nicht gerade zum Rausgehen ein. Ich musste halbwegs wieder auf die Beine kommen, um am Nachmittag mit zum Abendessen fahren zu können. Denn es sollte mit dem Schneemobil, auch Snowscooter genannt, zu einer Gaststätte gehen, zu der man von der Beitostölenseite aus nur mit Ski oder dem Scooter gelangen kann. Der unwegsame Autoweg ist nur von der anderen Seite zu erreichen und das heißt viel, schließlich befanden wir uns schon im Jotunheimen Gebirge. Ich hatte anfangs sehr starke Bedenken, ob ich die gut 16km lange Fahrt gut überstehe, weil mein Magen nicht ganz in Ordnung war, aber es ging alles so was von gut! das könnt ihr euch gar nicht vorstellen! Wir bestanden aus einem Trupp von glaube ich vier Scootern, alle mit zwei flachen Anhängern und nur einer mit einer Art Kiste hinten dran, in der Luis (sitzt im Rollstuhl) und Kari (hat starke Probleme, ihre Arme und Beine zu kontrollieren) saßen. Ich saß auf einem ersten Anhänger zusammen mit Espen, während auf dem zweiten Staale und Knut Robert Platz nahmen. Wir fuhren zur Alm Haugsetern, über den Olesee und den Vinstresee, letzterer ist sehr, sehr groß und da Staale um meine Abneigung gegenüber vereisten großen Wasserflächen wusste, musste er mich auch natürlich darauf aufmerksam machen, woraufhin ich sofort die Beine von Espen umklammerte, der hinter mir saß. Knut und Staale hatten etwas zu Lachen... Wir hatten aber, das ist der eigentliche Punkt, sehr großes Glück mit dem Wetter gehabt, zu anfangs fuhren wir an einem Berg vorbei, der ähnlich wie der Fitz Roy oder die Türme des Cerro Torre in Patagonien, wie eine Wetterscheide fungierte - es war einfach unglaublich zu sehen, wie sich die Wolken an der einen Bergseite stauten und der Wind hörbar dagegen klatschte, aber es auf der anderen Seite vollkommen still und strahlende Sonne war, nur ein steifer Wind fegte tief über den vereisten Boden, sodass es aussah, als fahre man in einem Meer aus wogendem Schneenebel - schwer zu beschreiben, aber so wunderschön! Da bekam ich schon die erste Ahnung, dass mir an diesem Tag noch mindestens eine sichere Erkenntnis kommen würde.
Auf der Hütte genoss ich dann erst mal die Sonne auf der Terasse, auch wenn ich mir am Tag zuvor auf den Wangen einen leichten Sonnebrand geholt hatte. Zu Essen gab es frischen Fisch aus dem Vinstresee - lecker! - und anschließend Eis mit Waldbeeren. Wir waren noch mit ein paar anderen Leuten von der Ridderuka und Telenor Open Mind zusammen, die ich nicht richtig kannte, aber ich habe mich ausgiebig bei Tone bedankt, die die ganze Fahrt organisiert hatte. Ich wusste mit Sicherheit, dass das hier das Schönste war, das ich bisher in Norwegen erlebt hatte, in diesen ganzen acht Monaten!
Zurück ging's in leicht veränderter Besetzung. Knut Robert nahm direkt auf dem Snowscooter Platz, auf dem ersten Anhänger saßen diesmal Tommy von Telenor Open Mind, Janne (in Norwegen ein Mädchenname) und Espen. Auf dem zweiten Mads "Räuchermads" (er raucht wirklich wie ein Schlot, man sollte es kaum glauben), ich und Staale. Hatte letzterer mich auf der Fahrt hinzu noch auf eventuelle Unwegsamkeiten hingewiesen, die ich entgegen der Fahrtrichtung sitzend, nicht sehen konnte, so wurde ich nun direkt vor ihm sitzend, kurzerhand gleich in die Mangel genommen, wenn eine scharfe Kurve oder etwas anderes kam.
Da fahren wir als Erste - wer genau hinsieht erkennt mich in der roten Jacke
Dann konnte ich mich einfach zurücklehnen, mit zwei Brillen ausgerüstet (meiner eigenen Sportsonnen- und Staales Skibrille), und genießen. Es war einfach unglaublich, ich wiederhole mich, aber so war es. In diesem Moment habe ich mich eigentlich das erste Mal in Norwegen so richtig rundum glücklich gefühlt. Den Wind auf dem Gesicht zu spüren, die Sonne, wieder das Gefühl, in einem Schneemeer zu fahren, einfach alles und ganz plötzlich kam ein richtiger Stich und hätten wir in der Lichtkapelle bei Enyamusik gesessen, ich hätte wieder angefangen zu weinen, so gerührt war ich und so hart oder sagen wir klar war auch die Erkenntnis, wie schwer es wird, Norwegen in gut drei Monaten wieder zu verlassen und was, aber vor allem wen ich dabei alles zurücklasse. Ich war sehr froh über diese Erkenntnis, doch es tat gleichzeitig unglaublich weh und in Oslo würde ich es vielleicht nicht mehr so intensiv spüren, aber wenn das Gefühl wieder da wäre, würde ich mich daran erinnern. Und genau in diesem Moment sagte Staale hinter mir: "Henrike, du wirst das alles so scheiße vermissen!" Er sprach mir aus der Seele, auch mit der Wortwahl. Wenn ich jetzt daran denke, fühle ich Zustimmung, aber gleichzeitig noch ein Stück Zerrissenheit, wenn ich an meine Familie zu Hause denke. Vorher warich zweigeteilt, jetzt vielleicht 3/4 zu 1/4.
Die Rückfahrt war viel zu schnell zu Ende, Staale ist mit Tommy auch gleich davon gerauscht, denn er musste am nächsten Tag zu einer anderen Arbeit abreisen. Wir wurden alle von einem Kleinbus der Königlichen Garde abgeholt. Die Königliche Garde besteht nicht nur aus den lustig aussehenden Wächtern vor dem Schloss, nein, ich habe vor allem viele grüne Männlein in Beitostölen gesehen. Diese mussten auf- und abbauen, aber vor allem Athleten und deren Anhang überall hinfahren, was natürlich sehr bequem für uns war. Mit einigen lässt es sich auch ganz gut plaudern, so wie mit dem, der den Kleinbus fuhr, wir haben Bekanntschaft miteinander geschlossen. Nun muss ich bloß hoffen, dass meine kleine Cousine Friederike nicht böse auf mich ist - aber keine Angst, Friederike, vom Thema Hochzeit sind wir weit entfernt, du musst deine Pläne diesbezüglich nicht über Bord werfen!
Es waren merkwürdigerweise aber auch Soldaten mit dem ISAF-Abzeichen auf dem Arm dabei, also aus Afghanistan. Komisch, aber ich konnte nicht herausfinden, warum sie da waren. Überhaupt, dass das Militär bei sportlichen Veranstaltungen hilft, gerade bei solchen mit Behinderten, habe ich in Deutschland so nicht erlebt, da sieht man die Armee immer nur bei Naturkatastrophen oder anderen Unglücken.

Da es ja etwas schwierig war, während der Snowscooteertour Bilder zu machen (ich hatte meinen Fotoapparat um ehrlich zu sein auch gar nicht erst dabei), gibt es leider nur spärliche Aufnahmen von einigen wenigen erprobten Fotografen:




Diese Bilder hat Luis aufgenommen, vorrangig in der näheren Umgebung der Gaststätte Haugsetern, während der Fahrt war es wie gesagt schwierig mit Fotografieren.
aufgenommen von Aase Karins Mann Svein
Samstag - der eigentliche Haupttag, an dem nämlich das Ridderrennet stattfand. Es wurde bereits in den sechziger Jahren von einem Ehepaar ins Leben gerufen, welches später auch das Rehazentrum gründete. Neben den üblichen Klassen gab es auch eine Tourenklasse, bei der nur die Zeiten aufgenommen wurden, aber keine Platzierung vorgenommen wurde. Aufgrund der mageren Schneeverhältnisse konnte man auch an diesem Tag nicht die anvisierten Streckenlängen freigeben, die bis zu 20km gehen sollten.
Nach der Medaillenzeremonie am Abend stand jedem von uns der Abend zur freien Verfügung. In der Hotelbar des SAS Hotels war es mir zu laut - laute Musik ja, aber schlechte laute Musik, dazu sage ich nein, da ruiniere ich mir mein Gehör auch, wenn sie nicht laut ist, so eine Schlagertanzmusik. Da unterhielt ich mich lieber mit dem netten Gardisten vom Vortag.

Sonntag ging es dann vormittags zurück nach Oslo, ich fuhr mit Sven, einem Zweimeterriesen, dessen lange Beine kaum in den alten Toyota passten  (das Auto hatte einen richtigen nostalgischen Charme, vor allem die Sitzebezüge :), war 13 Jahre alt).

Gestern und heute hatte ich frei. Den gestrigen Tag nutze ich zum ausgiebigen Ausschlafen, um den Schlafmangel der letzten Woche aufzuholen und nachmittags ging ich ins Kino, um mir "127 Stunden" anzuschauen, dieser Film lief nich mehr lange, es eilte also. Es ging um den Kletterer Aron Ralston, der in einer Felsspalte eines Canyons in Colorado von einem Felsbrocken so festgeklemmt wurde, dass er seinen rechten Arm nicht mehr frei bekam und ihn schlussendlich selbst amputieren musste. Ich stehe noch immer unter dem Eindruck dieses Films, unglaublich wozu ein Mensch fähig sein kann, was man für Strategien entwickeln kann. Es war ein sehr intensiver Film und er handelte nur zum Schluss von der eigentlichem Amputation - sich den Arm selbst brechen und den Nerv zu durchtrennen - meine Güte! was für ein Überlebenswille. Beeindruckende Schauspielleistung von James Franco. Dazu kam, dass ich den ganzen Kinosaal für mich allein hatte, ganz allein! War auch ein komisches Gefühl, auch wenn der Saal nicht überdurchschnittlich groß war. Und dieser Film war zwar vielmals für diverse Preise, u.a. den Oscar, nominiert, bekam ihn aber nicht - dabei ist das ein sehr sehr guter Film, aber auch ohne Preis absolut empfehlenswert. Die wirklich guten Filme kriegen ja oftmals nicht mal eine Nominierung. Hier könnt ihr euch mal den Trailer anschauen, aber ich habe ihn auf Englisch mit norwegischen Untertiteln gesehen:


Und in dieser Woche werde ich mit Marit den neuen Varg-Veum-Film anschauen, nachdem wir es ja bei dem letzten nicht rechtzeitg geschafft hatten.

Ken ar wech-all würde der alte Bretone sagen, bis nächstes Mal,

und ein riesengroßes Dankeschön an Anne Ragnhild (die leider bei der WM in Chanty-Mansijsk war und nicht mit bei uns sein konnte) und Staale, ohne die ich bei dieser Woche nie dabeigewesen wäre und an alle von unserer Truppe für bleibende Bekanntschaften,

H e n r i k e

Nachsatz: Ich möchte all die vergangenen Skirennen und was ich vorher erlebt habe, gar nicht ins Abseits stellen, aber diese Woche war auch deshalb so unglaublich, weil die Menschen, die behinderten Athleten und die, die mit ihnen Arbeiten, so viel offener waren als bei den normalen Skirennen. Man ist nicht so leistungsfixiert, sondern geht es locker an - das wirkt sich auf die Atmosphäre aus, und alle werden bejubelt, ob gut oder nicht.

und mit herzlichen Grüßen von Julian und Timo

Montag, 28. März 2011

Frühling in Tromsö - Skisaison adé?

Die Skisaison neigt sich auch in Norwegen dem Ende zu, letzte Station des Norges Cup war am vergangenen Wochenende Tromsö, der aus der NM (norweg. Meisterschaft) Teil 2 und dem Abschluss des Norges Cup für Junioren und Senioren bestand. Aber von Frühling kann dort noch nicht die Rede sein, höchstens von einem Winter zur Frühlingszeit. Am Tag vor dem Flug nach Tromsö begann sich ein Sturm in Nordnorwegen zu entwickeln, der LKWs umblies und Straßen unpassierbar machte.

Auch am nächsten Tag war auch in Oslo eine steife Brise zu bemerken und der Startvorgang in Gardermoen war überhaupt nicht schön, ich weiß nicht, ob ich das vorher schon mal so erlebt habe, dass ein Flugzeug so schwankt und wackelt. Die Landung in Tromsö war dagegen völlig unkompliziert.

Tromsö liegt ja sowohl auf dem Festland als auch auf mehreren Inseln. Das Zentrum selbst liegt auf der Tromsöinsel, das Skirennen sollte auf der Insel Kvalöy stattfinden. Übernachtet haben wir im Rica Ishavshotell (Eismeerhotel) direkt am Hafen und ich konnte jeden Tag das Hurtigrutenschiff am Kai liegen sehen.
Blick auf das Hurtigrutenschiff

Ishavshotell

eine der vielen Bogenbrücken

Am Freitag ging es mir zumindest vormittags nicht sehr gut, ich dachte, ich erlebte ein Déjà Vu à la Örnsköldsvik; vielleicht zu schnell gegessen nach Heißhunger oder sonst was, keine Ahnung. Aber zum Glück hat sich das am nächsten Tag wieder gelegt.
Trotzdem habe ich den Freitagvormittag zu einem kleinen Spaziergang durch Tromsö genutzt, das bedeutete aber auch durch Schnee zu stapfen und zu warten, bis der Fußgängergegenverkehr den kleinen Pfad auf dem Bürgersteig passiert hat.
Tromsö zentrum

könnte man überall gebrauchen, leider war ich nicht drin...
katholische Kirche

Bibliothek

Im Hafen lagen auch zwei unheimlich aussehende Militärungeheuer von Schiffen, die den Anschein hatten, gleich nach Libyen auslaufen zu müssen. Weiter südlich, in Bodö, ist eigentlich der Hauptmilitärstützpunkt, stammt noch aus der Zeit vom Kalten Krieg mit der Sowjetunion und war deshalb so nördlich in nicht weiter Entfernung zur russischen Grenze.
Reger Betrieb auf den Militärschiffen
Beeindrucken waren da die Bogenbrücken, die die Inseln miteinander und mit dem Festland verbinden.

Dann bin ich zum Skistadion Kvalöysletta mit dem Bus gefahren, das auf der fünftgrößten Insel Norwegens liegt. Es stand nur Teamspint an, den bei den Frauen der Klub Njaard (Oslo) gewann und bei den Männern Strindheim IL (Trondheim) mit Petter Northug. Marit Björgen war an diesem Tag noch nicht in Aktion, denn sie ist so ziemlich die einzige ihres Vereins Rognes IL, die auf gutem (in diesem Fall sehr gutem) Niveau laufen kann. Nachdem die Wettbewerbe ausgetragen worden waren, konnten wir auch schon wieder ins Hotel zurück, was angesichts des Wetters auch das Beste war, es schneite, windete oder hagelte auch ununterbrochen. Es war ein bisschen wie im Tröndelag, küstennah eben.
Teamsprint - Wechsel
Die Verfolger Brandsdal und Rönning

Der Verfolgte Northug

Dieses Wochenende war auch das letzte beim Skiverband für Karianne, die Studentin, die seit sieben Wochen bei uns gearbeitet hat und mit der ich mich sehr gut verstehen. Sie war wieder ein Teil der Jury und musste daher sehr viel eher aufstehen als ich, die sich noch mal im Bett umdrehen konnte.
Am Abend waren wir mit Skiveteran Frank Pedersen und ein paar Trainern in einem Tromsöer Steakrestaurant essen. Viel unterhalten habe ich mich natürlich nicht nur mit meinem Lieblingschefchef Aage Skinstad, sondern auch mit Damentrainer John Arne Schjetne, der zum Ende dieser Saison seinen Posten abgibt, um mehr Zeit für seine Familie zu haben.

Am Samstag ging es dann schon wesentlich früher los, die Damen starteten mit den 30km (gewonnen hat oh Wunder! Marit Björgen) und die noch größere Überraschung folgte mit Petter Northugs Sieg bei den 50km (das war Ironie...). Bemerkenswert war aber, dass der eigentlich an zweiter Stelle liegende Morten Eilifsen kurz vor der Ziellinie stehen blieb, um Chris André Jespersen vorbei zu lassen, weil dieser zuvor die ganze Arbeit in der Spur übernommen hatte. Applaus beim Publikum, Protest bei den Medien (die ja irgendwo in Oslo oder Bergen die Berichte bekamen, aber nicht "live" anwesen waren...) - wo bleibe der Sportlergeist? Wobei da geflissentlich übersehen wurde, dass Eilifsen an 2. Stelle lag, wäre er an 1. gewesen, hätte er sich den Sieg nicht unbedingt nehmen lassen, wer weiß. Wie auch immer, ich fand's super, was er gemacht hat.
Die Junioren bestritten dann auch noch ihre Sprintwettkämpfe, Altersklasse 17, 18 und 19/20 Jahre - bis kurz vor 19 Uhr! - ich sage euch, ich fühlte mich, als habe ich ein selber ein Skirennen, wohl eher Tourrennen, hinter mir.
Ich war ja auch der "Held" der lokalen Zeitung, weil ich auf einem großen Bild zusammen mit Petter Northug zu sehen war - herrje...
Wir schafften es dann gerade noch zum großen NM-Bankett, auf das ich mich eher mäßig gefreut hatte. Aber es war dann ganz in Ordnung, vor allem die Unterhaltung, bei der die Athleten ungewohnte Talente vorzeigten. Die Organisation mit dem Buffet ließ hingegen zu wünschen übrig, wenn wir am letzten Tisch uns was zu essen holen wollten, kam schon der erste dazu, um sich das Dessert zu beschaffen.
Ich fühle mich nur immer so verloren bei so großen Gesellschaften und klein, wenn man sieht, wie sich einige aufgedackelt haben, meine Güte.

Zeitumstellung. Letzte Skirennen: Verfolgung bei den Junioren. Besseres Wetter. Den Nachmittag verbrachte ich mit Ausruhen und Lesen, abends haben wir noch im Egonrestaurant gegessen, bevor wir mit dem Taxi zum Flughafen fuhren, wir waren etwas in Zeitdruck, weil wir fast eine dreiviertel Stunde auf unser Essen hatten warten müssen. Unser Flug sollte planmäßig fünf vor 9 starten, war aber verspätet, weil früher am Tag Umwege aufgrund einer Militärflugübung geflogen werden mussten. Beim Blick in die Pilotenkabine wollte ich mich auch gern mal da umsehen oder mit dort vorne sitzen und Karianne meinte später dann auch, dass man das kann, wenn man fragt, sowohl bei SAS als auch Norwegian; ich, schüchternes Etwas, hab mich nicht getraut, obwohl Karianne auch für mich gefragt hätte (war mein Stolz dagegen) - aber wenn wir das nächste Mal fliegen, wahrscheinlich im Mai und nicht abends, sondern am Tag, habe ich mir vorgenommen zu fragen!
So waren wir viertel 12 in Gardermoen, warteten eine halbe Ewigkeit auf unser Gepäck (an sich war es schnell auf dem Band, nur eben unseres kam als letztes) und halb 1 heute früh war ich zu Hause.

Heute frei, ausgeschlafen und alles ruhig angehen. Ein freies Wochenende steht mir bevor, aber danach geht's nach Beitostölen zur Ridderuka, einem der weltgrößten Rennen für behinderte Athleten.

Unterhaltung am Donnerstag- und Freitagnachmittag: "Derrick" mit nynorsk-Untertiteln (der anderen Norwegischvariante) - "Wir haben alle unsere positiven und negativen Seiten, aber er ist ein grässlicher Typ."


Der Frühling aber ist auch nach Norwegen gekommen.

Euer Frühlingsfindus

Montag, 21. März 2011

Abstecher zum Biathlon Weltcup

11 Grad heute in Oslo? Wenn das so weitergeht, ist der Schnee bald passé  (reimt sich und was sich reimt, ist gut, sagte schon Pumuckl!). Aber es ist auch ganz schön, wenn nicht mehr jeder Bürgersteig eine einzige Eisfläche ist. Das dürfte auch den Heizungslüfter an der Hausaußenwand neben meinem Zimmer beruhigen, eventuell, sicher ist nur, dass das Teil einen Fehler hat und diese Woche ausgewechselt werden muss, weil es urplötzlich Geräusche mit Lautstärke eines Presslufthammers von sich gibt - hieß für mich, ab ins Gästezimmer. Und jetzt bitte keine hochgezogenen Augenbrauen o.ä., denn das war wirklich so und der Fehler dieses Geräts ist real! Nebenbei, ich hatte mich schon an das gedämpfte Tuckern, wie es normalerweise war, gewöhnt...aber natürlich kommt kein anderer Lüfter daran ran, so tuckert nur dieser! :)

Aber ich wollte ja was zum Biathlon Weltcup in Oslo erzählen, der zugleich das Ende der Biathlonsaison markierte, zeitgleich mit dem Weltcupabschluss im Langlauf im schwedischen Falun.
Am Donnerstag ging es schon früh los, 11 Uhr starteten bereits die Frauen in den Sprint und ich musste natürlich etwas eher da sein, um noch eingewiesen zu werden. Ich sollte zusammen mit Siv, die selbst mal aktive Biathletin war, die Übereinstimmung der Schießfehler und Strafrunden überprüfen. Am Donnerstag gestaltete das sich noch so, dass wir hinter den Trainern am Schießstand warteten und sobald alle Athleten beim Schießen durch waren, sammelte Siv die Listen mit den Schießfehlern ein und ich lief zur Strafrunde, um dort ebenfalls die entsprechenden Listen zu holen, wenn alle ihre Runden absolviert hatten. Dann mussten wir uns zusammensetzen und alles durch gehen. Dabei kam ich mir manchmal ein bisschen wie beim Memory vor, wenn man auf der Liste der Strafrunden die richtige Nummer suchen musste: Also Siv sagte z.B. an, dass Startnummer 2 vier Schießfehler hat und ich musste dann die Startnummer 2 vier Mal auf der Liste der Strafrunden finden. Diese Arbeit bescherte mir auch ein Wiedersehen mit den deutsch-italienischen Zeitnehmern von SIWIDATA, die in Steinkjer zur NM schon dabei waren. Das Wetter war an diesem Tag nicht unbedingt das Beste, aber weil kein Skispringen stattfand, konnte man schon davon ausgehen, dass kein Nebel sein würde...
Das Sprintrennen der Frauen entschied dann Magdalena Neuner für sich, bei den Herren gewann Andreas Birnbacher, der wegen dringender Probleme aber nicht einmal zur Blumenzeremonie nach dem Rennen erscheinen konnte und sofort abreisen musste. Alexander Wolf landete auf dem dritten Platz. Als er übrigens so gut lief, habe ich ihn auch lautstark angefeuert, doch weder mit "Alex" (ist so ein einfallsloser Spitzname) noch mit "Ali", sondern mit "Sascha". Dummerweise stand Alexander Tichonov, Vizepräsident der IBU (Int. Biathlonunion), neben mir und drehte sich etwas irritiert zu mir um - denn im Russischen wird Alexander ja auch zu Sascha verkürzt. Na ja, ich habe versucht, nicht weiter drauf zu achten. Tichonov wird hinter vorgehaltener Hand mit Mafiachef betitelt, nicht ganz so verwunderlich, soll er doch bei einem Mordanschlaf auf einen russischen Gouverneur betiligt gewesen sein, und müsste eigentlich gerade frisch aus dem Gefängnis kommen, gäbe es da nicht so eine Amnestie, er hat also nie gesessen. Außerdem ist er sehr willkürlich mit Personalentscheidungen im russischen Verband. Mir ist der Mann nicht ganz geheuer.

Geheuer waren mit auch nicht immer die vielen Kinder, die alle einen Handschlag wollten oder gar ein Autogramm, wenn man nur irgendwie "berühmt" aussahm (ich hatte nämlich noch keine schwarze Jacke, wie alle anderen Helfer, sondern noch meine dicke rote "Norge"-Jacke vom Langlauf). Am Anfang war das ja noch ganz lustig, aber später habe ich dann immer ganz beschäftigt getan und mich in die Startliste vertieft... Unter den vielen Kindern waren auch welche von der deutschen Schule, aber Marcus konnte leider nicht mitkommen, da er Vertretungsstunden absolvieren musste.

Ja, und am Freitag sollte nun endlich das Projekt "Marcus treffen" in Angriff genommen werden, an diesem Tag war kein Biathlon, ich hatte somit frei und konnte Marcus bereits 14 Uhr von seinem Arbeitsplatz abholen. Das war schon komisch, als dort auf einmal alle Deutsch sprachen und so Sätze wie "Dann ruf doch mal den Hartmut an" über den Hof tönten. Noch viel merkwürdiger aber zugleich wunderschön war es, Marcus hier in Oslo gegenüber zu stehen! Wir sind dann erst einmal gut drauf los gewandert, aber weil wir beide den Stadtplan nicht im Kopf hatten, mussten wir auch mal einen Blick auf die Karte riskieren. Die Entscheidung musste dann zwischen Vigelandspark und Bootfahren gefällt werden und fiel zugunsten des Bootes aus. Vorher waren wir noch im Literaturcafé, von dem Marcus ja schon in seinem Blog so geschwärmt hatte, bei Kuchen und heißer Schokolade. Ich war auch schon mal in dem Literaturcafé gewesen, im August, aber nur um mir die Bücher anzuschauen. Nun ja, Marcus und ich erwischten das letzte Boot, das die Inseln Hovedöya, Lindöya und Nakholmen anfuhr. Und das war schon ein Erlebnis zu sehen, wie die nicht so stark aussehende Fähre große Eisplatten vor sich her schiebt und zermalmt. Marcus war jedenfalls ganz glücklich, so viele schöne Fotomotive zu finden. Ich habe ihn dann auch noch mit ins buddistische Zentrum begleitet, wo er mit engagiert ist und wir hatten auch mal Zeit, ein bisschen darüber zu sprechen, auch wenn ich dann schon bald wieder nach Hause musste.

Samstag ging nämlich der Biathlonzirkus wieder los, aber erst 14 Uhr und auch nicht so lang wie am Donnerstag, an dem ja nicht nur die Senioren gelaufen waren, sondern auch noch ein paar Junioren bei einem Wettkampf, der von Statkraft gesponsert wurde.



Verfolgung stand auf dem Plan, Ole Einar Björndalen trat nicht an, auch wenn er nur auf einem 13. Platz gestartet wäre, dafür legte Jungspund Tarjei Bö eine fulminante Aufholjagd von Platz 44 auf 2 hin! Siv und ich hatten auch sehr zu tun, es wurde ja immerhin vier Mal geschossen.
Christoph "Kralle" Stephan aus Rudolstadt

rechts mit Alexander Wolf aus Schmalkalden

Ganz zu Beginn durfte ich aber auch etwas ganz Besonderes machen: auf so einen Knopf drücken, jedes Mal wenn ein Athlet aus der Bahn 2 startete.

Denn es gab vier Bahnen und ich war für die zweite zuständig, wenn ich es nicht gemacht hätte, wüssten die Zeitnehmer nicht, dass gerade ein Athlet raus ist. Deshalb war ich natürlich auch ganz schön aufgeregt. Aber alles ging gut. Ich hoffte auch, dass meine Ellis mich im Fernsehen sehen konnten, denn auch wenn ich eine schwarze Jacke und Sonnenbrille wie alle anderen aufhatte, so stand ich doch ganz vorne am Start, noch vor der aufgeblasenen Viessmann-Säule. Auf jeden Fall wurde ich wohl am darauffolgenden Sonntag erspäht.
Da stand nämlich der Massenstart an, bei den Männern war ich mit dabei, die Transponder an den Beinen zu befestigen - und es gibt Männer, die noch dünnere Beine als Ole Einar Björndalen haben, hört, hört!
 Ich glaubte schon fast an meine magischen Hände, als Ole nach nur einem Schießfehler im zweiten Schießen nach vier Schießeinlagen in Führung lag, doch leider war er zum Schluss so erschöpft, dass er Emil Hegle Svendsen und Jevegni Ustjugov an sich vorbei ziehen lassen musste. Aber ein dritter Platz ist ja auch ein versöhnlicher Abschluss für eine für ihn eher verkorkste Saison.

Heute ist wieder genau so schönes Wetter wie an den vorherigen Tagen, ich habe frei, um mich von dem anstrengenden Wochenende zu erholen. Mit Timo werde ich noch den Hang runter stiefeln und heute Abend geht's mit Marit ins Kino, meinen Kinogutschein einlösen, zu "True Grit". Im norwegischen hat der Film noch einen lustigen Beinamen: "et ekte mannfolk" ...

Ich hoffe, es ist ein guter Film, aber viele von euch wissen ja, dass mich Western und die römische und germanische Geschichte am meisten interessieren. Was die letzteren beiden betrifft: Als ich gestern mit der U-Bahn nach Hause gefahren bin, waren da plötzlich zwei römische Legionäre in der U-Bahn... Ich dachte erst, ich spinne, aber als sie dann ausstiegen, musste ich auch feststellen, dass sie für Legionäre ziemlich dick und untersetzt waren- sah nicht gerade nach Disziplin aus. :)
Apropos Film, ich habe gestern mit Marit den Film "Am Limit" (mit englischen Untertiteln) über das Klettern der Huberbuam angeschaut, weil sie mal sehen wollte, wie das so ist. Da gibt es ja eine Stelle gleich am Anfang als einer der Brüder einen Albtraum hat, in dem Thomas abstürzt, Alexander mit sich reißt und zusätzlich noch der Klemmkeil rausfliegt. Marit dachte, das wäre wirklich so passiert und hat sich so erschrocken, dass Julian mit einem großen Satz vom Sofa runtergesprungen ist! Das war lustig...

Nun dann, bis bald,
für mich geht's in dieser Woche ganz hoch in den Norden nach Kvalöysletta in Tromsö zum offiziellen Abschluss der norwegischen Skisaison!

Eure findige Henni

Dienstag, 15. März 2011

Mein Finnisch macht sich!

Liebe Kinder, da ist er wieder, euer Findus, da ist sie wieder, eure Tante Henni!

Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, richtig! Bei der nebligen WM in Oslo und dem ersten Tag mit Sekundieren! Es gab ja auch noch einen zweiten Tag mit Sekundieren tags darauf und diesmal habe ich meine Finnischkenntnisse voll ausgespielt - das bedeutet, so zusammenhanglose und nicht ganz wahre Sätze fallen lassen wie "Ich lerne jeden Tag Finnisch." oder "Da ist der Parkweg." (Was ist ein Parkweg???) Nun ja, Jari Havela, den finnischen Trainer, konnte ich damit allemal erfreuen - aber er konnte zum Glück auch Schwedisch, weil er in Kiruna geboren wurde, aber finnische Eltern hat.
der estnische Trainer Matti, ich, Jari und Per
Am Mittwoch konnte ich dann das erste von meinen zwei persönlichen WM-Tickets einlösen, da ich ja noch eine Begleitperson mitnehmen konnte, war es natürlich nicht so leicht zu wissen, wen man jetzt mitnehmen sollte. Die Wahl fiel dann auf Magnus, einen Kletterfreund und begeisterten Skifahrer (wenn auch mehr Alpin), für ihn wurde der Tag dann auch zu einer Deutschauffrischungsstunde, denn er war mal für ein Semester an der Uni in Konstanz am Bodensee - oder besser "Konschtanz", wie er so schön sagt...
 Aber das Wetter - ohjemineh! Als ich morgens erst mal allein zum Holmenkollen hochtingelte (es ging besser mit der U-Bahn, weil ja noch kein Wochenende war), lag die ganze Arena dick in Nebel eingehüllt - keine Chance, irgendetwas zu sehen. Dabei stand doch das Einzelspringen der Nordischen Kombinierer von der Holmenkollenschanze (Großschanze) an! Ergebnis waren viele leere Zuschauerränge und dass man bei den weniger begabten Springern den Eindruck hatte, sie wären einfach nur den Hang hinunter gefahren und nicht vom Schanzentisch gesprungen, denn davon, dass sie gesprungen waren, war nix zu sehen - sie kamen ja einfach aus dem Nebel herausgefahren. Als Magnus dann zum Teamsprint Langlauf kam, waren zwar extrem viele Leute, aber wir konnten wieder einmal nicht einmal die Großleinwand auf der anderen Stadionseite sehen, nur einen kurzen Blick auf die vorbeifahrenden Läufer erhaschen. Ähnliche Sichtverhältnisse gab es dann später am Nachmittag zum Langlauf der Nordischen Kombinierer. Aber ich denke, dass Magnus und ich es trotzdem ganz lustig miteinander hatten.
Ganz deutlich: Da kommt einer!
Unverwüstlich: Die Franzosen, allez les Bleus! Es gewann später: Jason Lamy Chappuis aus La France!


FREITAG!!!
Da ist sie auch - die mysteriöse Großleinwand

Da kommt einer geflogen!
Eric Frenzel von dem "einfühlsamen" ARD-Reporter beschlagnahmt


Am Freitag hatte dann mein lieber Freund Kjell die Ehre, mich zu begleiten. Oder ich hatte die Ehre, ihn zu begleiten, wie auch immer.
 Vom Teamspringen der Nordischen Kombination sah man diesmal deutlich mehr und auch die Herrenstaffel, die übrigens ausverkauft war, konnte man gut verfolgen. Erst danach konnte Kjell kommen, da er noch arbeiten musste. So schauten wir uns zusammen die Entscheidung im Langlauf des Mannschaftswettbewerbs der Kombinierer an - ach je, wieder das gleiche Ergebnis wie auf der Normalschanze: 0,1 Sekunden hinter Österreich! Und dann wundern sich die ARD-Reporter, warum Björn Kircheisen auf den Witz, er würde mittlerweile Björn "Silbereisen" genannt werden, so säuerlich reagiert... Na ja, immerhin eine Medaille. Aber dadurch habe ich die Nordische Kombination richtig lieb gewonnen und finde sie unglaublich spannend!
Henrike (fast 91) und Kjell (23)
Am Samstag, dem vorletzten Tag der Weltmeisterschaften, hatten Per und ich die Ehre, an der Drinkstation am Frognerseteren (Jörg, wie spricht sich's aus? ;) ) mitzuwirken. Hat alles super geklappt, ich bin sogar die meisten Flaschen losgeworden, mehrere Male an Kristin Störmer Steira und Vibeke Skofterud, was mir viel Lob von einem Schweizer Kollegen einheimste (der sich darüber wunderte, warum ich so gut Deutsch sprach - ich habe ihn später aufgeklärt...). Auch mit den italienischen Kollegen habe ich mich etwas unterhalten ("non parlare italiano - toll, was, liebe Pattl? Da hätte ich deine Sprachkenntnisse gut gebraucht...) und sagen, dass ich "tedesco" bin, zwar kein italienisch, aber "latino" könne. Nun ja, sprechen wohl eher weniger als viel mehr übersetzen. Meinen lieben Nachbarn Marcus aus Gombsen und ja, ersten immer noch Ehemann, habe ich am Frognerseteren knapp verpasst, habe ich anhand eines seiner Blogfotos festgestellt, aber es waren einfach zu viele Menschen! Wir sind dann mit den Italienern runter gefahren, aber erst in ihr Mannschaftshotel, das war eine Fahrt, kann ich euch sagen! Sicherheitsgurte? Nulla! Schrittgeschwindigkeit wegen der vielen Menschen? Bedingt. Geduld? Na ja. Redefluss? Aber ja! Lautstärke? Na aber erst recht!
Schlussendlich dann sicher wieder unten am Holmenkollenstadion angekommen, fand die sogenannte "Ungdomsstaffetten" statt, die Jugendstaffel, mit norwegischen Staffeln aus allen "fylken" (Bezirken) und einigen Mannschaften aus Finnland, Estland und Schweden. Es gewann eine finnische Staffel vor zwei norwegischen und Öystein Pettersen teilte die Premien aus. Als er mich begrüßte, sagte er durchs Megafon, eine gewisse Deutsche habe Alkohol an die norwegischen Athleten an der Drinkstation ausgehändigt... Haha, lieber Öystein. Der Kronprinz war auch dabei und hat mich auch begrüßt, ein ganz netter Mann.

Hier die Bilder des Tages:
Warten auf die Athleten: ganz links die temperamentvollen italienischen Kollegen
In Position
Kristin Störmer Steira erhält ihr Getränk - achtet auf die Stellung meines Handgelenks!
Geglückt auch bei Vibeke Skofterud
Da laufen sie! Links am Rand ist Per zu sehen
DANKE ALLEN FÜR EINE WUNDERBARE UND UNVERGESSLICHE WM - PER, Vidar und Morten!
Kein Dankeschön an die Organisatoren in punkto öffentlicher Nahverkehr - sie hatten nichts dazu gelernt am zweiten WM-Wochenende.

Sonntag. Flug Oslo Gardermoen nach München Franz-Josef-Strauß. Dort habe ich eine entscheidende Weiche für meine Zukunft gestellt und habe jetzt ein duales Studium beim Bergsportausrüster SALEWA in der Tasche, das in und bei München stattfinden wird.
Wer Genaueres wissen will, kann mich gerne kontaktieren.
Montag. Flug zurück.

Ja, am Mittwoch, dem 9. März, hatte ich Geburtstag, 19 Jahre alt bin ich geworden. Hui! Denkt mal bloß nach, Kinder, wie viele sind es dann nächstes Jahr? 20! Klingt das alt! Da ich Kjell im Februar ja zu seinem 23. Geburtstag gratuliert hatte, obwohl er 32 wurde, kam an diesem Tag prompt die Quittung: "Henrike! Wirst du heute 91?" Immerhin, so antwortete ich ihm, habe ich 68 Jahre mehr an Lebenserfahrung und kann ihm gerne eine meiner vielen Lebensgeschichten erzählen!
Zum Geburstag bekam ich viele Glückwünsche und auch einige Geschenke. Per schenkte mir zusammen mit meinen Kollegen, aber eigentlich mehr Freunden, Anne Ragnhild und Staale eine Riesenschachtel voll mit Daim Schokolade!!! Fast ein Kilogramm schwer. Von meiner Tante Uta und ihrer Bande bekam ich einen Thermosbecher und einen Messergabellöffel (Campingbesteck in einem). Von meiner Gastfamilie bekam ich eine dünne Obertrikotage, einen Holzschöpflöffel und einen Kinogutschein für einen Film meiner Wahl. Außerdem aßen wir leckere Lasagen und zum Nachtisch eine Erdnusstorte mit Meringueboden! Meine Ellis sandten mir gestern zudem noch ein Paket mir lauter Leckereien inklusive Pfefferminztee.
Meine Gastschwester Karianne war tags zuvor zu ihrem einmonatigen Aufenthalt nach Tansania aufgebrochen, wo sie in einem Kinderheim und einer Schule arbeitet. Ihr gefällt es wohl sehr gut dort. Vor ein paar Jahren war sie auch schon einmal auf Sansibar auf einer norwegischen Volkshochschule.
Meret, die Schweizerin, konnte noch mit mir Geburtstag feiern, und fuhr am nächsten Tag dann aber schon ab.
Somit ist es also etwas stiller im Haus geworden.

Viel Zeit zum Verweilen blieb nicht, denn am Donnerstag musste ich früh raus, um meinen Flug nach Trondheim nicht zu verpassen. Dort wurde ich dann von Per abgeholt, um zu den norwegischen Juniorenmeisterschaften zu fahren, das Pendant zu den Norwegischen Meisterschaften in Steinkjer Ende Januar. Es waren leider nicht so viele Leute wie bei den Seniorathleten, das fand ich ein bisschen schade und der Sprecher war auch nicht der Beste, er sagte nur die ersten drei Läufer an, die auf dem Treppchen stehen  würden und es ist doch ziemlich unpassend bzw. deprimierend, wenn man zum ersten Mal eine so große Meisterschaft läuft, 10. oder auch 24. wird und der Sprecher sagt keinen Mucks. Für viele ist es außerdem der Höhepunkt der Saison, schließlich hat ja nur ein Bruchteil die Möglichkeit, beispielsweise zu den Juniorenweltmeisterschaften o.ä. zu fahren.
Die anderen Freiwilligen, die ich von der Peder Morset Folkehögskole kenne, waren leider nicht da, die ganze Schule war auf Klassenfahrt in Amsterdam.
Das Hotel und auch das unberechenbare Tröndelagwetter waren sehr schön. Meine Sonnenbrille kam jedenfalls oft zum Einsatz. Am besten war aber das Bett - groß und weich (ganz für mich allein, auch wenn ich gern ein Zimmer mit Karianne, der Studentin, gehabt hätte, aber das kriegen wir in einer Woche in Tromsö hin).
Per fuhr am Samstag nach Voss bei Bergen, wo gleichzeitig ein Norges Cup senior stattfand. Ich schlug mich weiterhin mit dem Computer herum, denn im Selbuer Skistadion gab es kein richtiges Internet und der Internetstick wollte auch nicht wie ich wollte. Bis dann ein besserer Abhilfe schaffte.
Karianne und ich fuhren am Sonntag nach dem Ende der Staffelrennen zurück, wir hatten eine sehr schöne Fahrt! mit Pers Auto, der den Zug von Voss nach Oslo nahm.

Gestern hatte ich dann frei, habe gefaulenzt und das strahlend schöne Wetter für einen Waldspaziergang mit Timo genutzt, auch wenn der alte Herr nicht sehr weit wollte...
Heute habe ich meine Akkreditierung für den Biathlonweltcup am Donnerstag, Samstag und Sonntag abgeholt - diesmal habe ich eine! Aber das Foto ist wirklich schrecklich! Na ja.

Bis bald dann und haltet die Ohren steif im warmen Deutschland.
Und ich werde jetzt auch nichts über Japan schreiben, nur so viel, dass wir alle ein großes Glück haben, gesund zu sein und nicht auf zwei aneinanderreibenden Kontinentalplatten zu sitzen.

Findus in Oslo

Donnerstag, 3. März 2011

Mein Heim

Das Haus, die ehemalige Grundschule vom Solemskogen

links unten gehören die Eckfenster zur Sauna und das kleine ist von meiner Bettnische. Ganz oben befindet sich ein Aussichtsturm.


Mein Zimmer:



Normalerweise mit Seeblick aufs Maridalsvannet, hier nur Nebelsuppe...


die Sauna
das Bad

Die tierischen Bewohner:

Timo

Julian