Sonntag, 17. Oktober 2010

Klamme Finger in Hauktjern

Wohlan, da bin ich wieder!
Es sollte am Wochenende nach Hauktjern gehen, einem kleinen Klettergebiet, das rein theoretisch noch in Oslo liegt, aber eigentlich doch schon ein bisschen außerhalb. Ich dachte ja, es geht schon am Freitag los, aber für die, die den Weg noch nicht kannten (also Leute wie mich), ging es Samstagmorgen los.
Freitagabend hatte ich aber erst einmal ein klärendes Gespräch mit Midori und da bin ich jetzt noch nicht ganz sicher, wie es weitergeht, aber ich werde euch zu gegebener Zeit mehr darüber erzählen, wenn ich kann.
Ich bin dann jedenfalls am Samstag mit Sack und Pack losgezogen und bis zur abgemachten Station mit der U-Bahn gefahren. Wir sind dann zusammen los zum Hauktjern (der Name des kleinen Binnensees am Klettergebiet) bei strahlendem Sonnenschein gelaufen und auch an mehreren anderen kleinen Seen vorbei. Bei dem schweren Gepäck (Rucksack, Helm, Expressschlingen und Isomatte irgendwie zusammengeknüpft) fiel es mir aber manchmal schwer auf die Details zu achten, mir wurde jedoch immerhin schööön warm.

Angekommen, wurde dann gleich losgeklettert, aber was war der Felsen kaaaalt! Da sind mir fast die Finger abgestorben und mit Handschuhen klettern macht sich bei so kleinen Griffen äußerst ungünstig. Nach einer erfolgreich bestandenen Route hing ich bestimmt eine halbe Stunde an einer netten 7- herum (da, wo auf dem Foto das blaue Männlein hängt), die ich bis fast zur Hälfte geschafft hatte, aber meine ganze Kraft hatte ich schon am Anfang verpulvert, denn wenn man einmal losgelassen hatte, wurde man wie ein Pendel nach links gewedelt und kam dann nur schwer wieder auf den eigentlichen Routenverlauf zurück... Außerdem war meine rechte Hand etwas beschädigt, zumindest die Haut, weil ich vergeblich versuchte, mit Hilfe eines kleinen feinen, aber auch scharfen Risses weiter zu kommen. Danke an meine geduldige Sichererin Inga.
Zu meiner großen Freude kam dann auch noch mein lieber Freund Kjell Nörbech vorbei und wir konnten ein bisschen plaudern. Auf dem Bild unten seht ihr ihn an der Wand kleben:
Die Hündin (Foxy war ihr Name) eines Kletterers schien mich dann ganz besonders ins Herz geschlossen zu haben, denn sie kam einfach auf meinen Schoß und ließ sich kraulen. Zum Hinlegen war mein Schoß dann zwar leider etwas klein zu sein, aber es war jedenfalls sehr schwer, sie später wieder herunter zu bekommen.

Dann sind die, die übernachten wollten, langsam zum Zelt gegangen, das Anette mit Mathieu und dem kleinen knuddeligen Sohn einer anderen Klettererin schon zuvor aufgebaut hatte, auf einer Art Halbinsel direkt am Hauktjern-See. Über Nacht bleiben wollten Julia (Norwegerin mit polnischer Mutter), Inga (Fastforscherin aus Polen), Mathieu (aus Nantes), Anette (Vorsitzende der Klettergruppe und Initiatorin der Tour) und ich. Später gesellte sich außerdem noch Eivind dazu, der aber ganz draußen und nicht im Zelt übernachten wollte.


v.l.n.r.: Inga, Julia und Anette

Pölsa... - ich bin die Wurstfachverkäuferin!

v.l.n.r.: Mathieu, Inga, Julia, Anette und Eivind
Ja, wie man sehen kann, hatten wir ein schönes Lagerfeuer, oder baal (bol ausgesprochen), wie der Norweger sagt. Da gab es dann für mich drei Würstchen mit Brot zum Abendessen. Wir waren alle schon um 8 ziemlich müde, aber sind dann erst nach 10 in die Schlafsäcke gekrochen. Zuvor wurden wir noch durch merkwürdige Geräusche und Schreie vom anderen Seeufer wach gehalten, die aus einem Horrorfilm hätten stammen können. Es handelte sich aber aller Wahrscheinlichkeit nach "nur" um trinkfeste norwegische Jugendliche, die wir zuvor schon mit Rucksäcken an den Kletterwänden hatten vorbeigehen sehen. Man darf sich fragen, was sich in den Rucksäcken befand... Ich war jedenfalls sehr froh, dass ich erstens nicht allein war und zweitens wir zwei starke Männer dabei hatten! Die Nacht verlief dann aber sehr ruhig und es war auch nicht so arg kalt wie ich befürchtet hatte, ich fand sogar, dass es am Tag ein bisschen kälter gewesen war.
Tannengrün als Isolation unter die Isomatten
 Da mein Schlafsack sich ja nicht ums Gesicht herum strammen ließ, musste ich mich entsprechend einkleiden mit zig Unter- bzw. Strumpfhosen, Strümpfen, Pullovern aller Dichte, Weste, Halswärmer und Schal, Mütze, Handschuhe. Das nächste Bild gibt einen kleinen Einblick in mein nächtliches Erscheinungsbild:

Ein paar Mal hat es mich des nachts doch ein bisschen gefroren (es waren ja auch schließlich Minusgrade und des tags wurden es auch maximal 1 bis 3 Grad), bin ab und an aufgewacht, aber das war in Ordnung. Das Schlimmste ist immer noch die Überwindung, sich aus dem warmen Schlafsack zu quälen, um aufs Klo zu gehen! Ich habe dann auch am längsten von allen geschlafen, bis halb 10! Julia war schon halb 9 auf den Beinen und mit dem Frühstück fertig, als ich dazu kam. Anette hatte wieder ein feines Lagerfeuer entzündet und sich Pfannkuchen gemacht.



Ach, dabei muss ich gleich noch erwähnen, dass ich meine zauberhafte schwedische Vanille-Messmör losgeworden bin! Sachen gibt's... Aber Eivind hat's geschmeckt und er konnte mir auch gleich sagen, wie das zauberhafte Etwas auf Norwegisch heißt: prim. Im Wörterbuch steht dafür "weicher Molkekäse". Anette meinte auch, das wäre sowas wie geschmolzener Braunkäse. Nun ja, jetzt ist die Messmör gut untergebracht, sie ist ja schließlich noch bis zum 7. Februar 2011 haltbar.
Nach dem Zeltabbau sind Julia und Inga bereits nach Hause gegangen. Ich habe mit Eivind noch einen Weg geklettert, dann habe ich noch ein bisschen mit Mathieu gequatscht und wir machten uns auch auf den Heimweg, mein Rücken jubelte, als wir endlich den Parkplatz erreichten und ich einiges an Baggage in Anettes Auto tun konnte. Schließlich wurde ich von Eivind und Freundin direkt vor die Haustür gefahren.
Mathieu am Eckweg
Es war alles in allem ein schönes Wochenende, mit traumhaften Wetter: ganz viel Sonne!!! (Da brauche ich noch keine Tran- bzw. VitaminD-Tabletten zu nehmen, wobei mir auch einige erzählt haben, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen Norwegern weder Tran noch sonst irgendwas nehmen, sondern einfach Fisch essen - mal sehen, wie ich das mache.)

Bis bald,
eure Henni

Montag, 11. Oktober 2010

Abenteuer in der schwedischen Pampa

NIE wieder schwedische Messmör!!! Das habe ich inzwischen gelernt.

Freitagnachmittag sind wir in Oslo aufgebrochen, über 20, wenn nicht fast 30 Leute. Ich saß im Auto mit Magnus, seinem fast dreijährigen Sohn Marius und Jorunn Maria, einer Medizinstudentin. Sonst gab es noch andere Autos und einen Kleinbus, den Gustav fuhr. Dazu muss ich sagen, dass Gustav weiß, dass rosa meine ganz spezielle Nichtlieblingsfarbe ist. Beim Klettertraining gab es letzte Woche nämlich bei einem Weg so einen großen rosanen und ziemlich rutschigen (durch Magnesia) Griff, den ich nicht nehmen wollte. Da meinte Gustav, rosa sei doch eine schöne Farbe, woraufhin ich ihm mitteilte, dass ich das überhaupt nicht so sehe. Später habe ich ihn dann gefragt, ob er mir eine Isomatte für das Kletterwochenende in Bohuslän leihen kann und was kam als Antwort: "Ich bringe dir eine rosa Isomatte mit!" Krönung des Ganzen war dann die letzte Infomail vom Donnerstag, die mit der Zeile began: "Aufgrund einer speziellen Anfrage von Henrike wird diese Mail nur in rosa Buchstaben erscheinen.", was mir später eine Reihe Nachfragen von anderen einbringen sollte. Die Isomatte war dann übrigens nicht rosa...
Weil Marius bald eingeschlafen war, nachdem wir ihm mehrmals klarmachen mussten, dass seine Lieblingseisbude geschlossen ist, tat ich es ihm gleich und schlummerte zumindest ein bisschen vor mich hin. Die norwegisch-schwedische Grenze passierten wir im Dämmerlicht und ohne Probleme. Dann haben wir an einem ICA-Supermarkt gehalten, um Essen einzukaufen, was ja in Schweden doch etwas billiger ist. Ich hätte mir aber zumindest Butter oder Margarine mitbringen sollen, denn ich kaufte versehentlich klassische Messmör und die Schachtel stand so im Regal, dass man das kleine Wörtchen "vanilje" nicht sehen konnte, woraufhin am nächsten Morgen die böse Überraschung folgte: Messmör scheint ja nicht nur eine Art Mischung aus Schmelzkäse und Butter zu sein, nein diese war auch noch mit Vanille und man kann das "Geschmackserlebnis" in etwa dem des Brunost (Braunkäse) gleichsetzen: Man weiß nicht, ob es nun süß oder herzhaft ist. Glücklicherweise fällt der zwiespältige Geschmack nicht so auf, wenn man nur ganz wenig auf die Schnitte streicht, aber mir war es trotzdem schade um die etwas mehr als 1€. Brot habe ich auch etwas zu viel gekauft, das muss ich jetzt bis zum Mittwoch auffuttern. Ich kann mein eigenes Essverhalten eben doch sehr schlecht einschätzen, weil es sich ständig ändert.
Wie auch immer, irgendwann sind wir dann zu einem Sportplatz abgebogen und dann wandelte sich der asphaltierte Weg in einen holprigen und ziemlich sumpfigen Waldweg. Ringsherum war alles duster und ich hörte schon die Bären brummen (mein Gastvater Christian hatte mir ja aufmunternd auf den Weg gegeben, es gebe ja so viele Bären in Schweden). Meine Stirnlampe schien gerade ihren guten Tag zu haben, denn sie funktionierte!!! und ließ sich nicht von den Launen eines Wackelkontakts beeindrucken. Denn so konnten wir dann die Tipis aufbauen, in denen ein Großteil von uns schlafen sollte. Wir konnten auf dem Gelände von Gustavs Freunden nächtigen, die da eine kleines Häuschen stehen haben und auch das Klo war - entgegen meiner Befürchtungen - sehr komfortabel:
Nach einem guten Essen aus Steaks und Nudeln (habe ich mir mit Jorunn geteilt) wurde dann noch ein bisschen auf der Terrasse geplaudert. Die Temperaturen waren jetzt auch nicht so kalt wie befürchtet und als Camille (ein Franzose) gegen halb 11 zu Bett ging, wurde ich doch auch schon etwas müde. Ich habe zusammen mit Kjell (ja, der Kjell, der mir immer so bekannt vorkommt von zu Hause), Coline (aus FR), Iwana (GER), Wiske (BEL), Natasha (Australia!) und Souren (CAN) in einem Tipi geschlafen, das war schon ein Erlebnis (und auch ganz gut geschlafen, denn der laute Schnarcher war NICHT in meinem Zelt, haha! Lob an Kjell und Souren)! Ich habe in dieser Nacht auch nicht gefroren und am nächsten Tag war strahlender Sonnenschein ("mein" Zelt steht hinten rechts):
Coline auf der Slackline, beobachte von Jiri (Jirka)
Jirka in typischer Pose und Camille
Nach dem Frühstück dauerte es dann eine Weile, bis alle in die Gänge kamen und jeder noch mal auf dem wunderhübschen Klo war. Jirka war sich sicher, dass es bestimmt nach 11 war, als es endlich losging. Ich wurde dann von Gullik, mit dem ich am Vorabend ins Gespräch gekommen war, gefragt, ob ich mit ihm mitfahren möchte und zum Schluss saßen dann Gullik, Coline, Kjell und ich in einem Wagen. Nicht alle sind zu dem gleichen Platz in Bohuslän gefahren, aber wir haben dann doch einige getroffen.
Kjell und Gullik inspizieren eine sehr schwere 6-
 Schließlich hat sich ein Schwede aus der Klettegruppe, Per, bereit erklärt, mir und Coline (links im Bild) eine 6+ (norwegisch/schwedische Skala) vorzusteigen, denn es waren nur spärlich Haken gesetzt und fast alles "trad climbing" (traditionelles Klettern, also in etwa wie zu Hause, aber erlaubt waren auch Friends und Klemmkeile). Auf dem (nicht ganz ungefährlichen) Weg zum Einstieg habe ich mir gleich den Kopf gestoßen und stellte fest, dass mein Helm ganz unten war, da habe ich dann fürs Klettern Pers Helm bekommen. Jetzt ist meine Beule schon etwas kleiner geworden, aber am Anfang war sie schon ein ganz schöner Wummer. Per ist dann hoch und hat Coline von oben gesichert, kam dann wieder runter und ich wurde von Coline hochgesichert. Bei dem Weg musste man auch eine Kurve um ein hervorstehendes Stück Fels klettern, aber da die Friends bzw. Klemmkeile bei meinem Nachstieg schon raus waren, wurde das Seil nicht mehr um die Kurve geführt und als ich an besagte Stelle kam, war die Seilspannung viel zu stark. Ich versuchte zwar nach links zu kommen, aber die Griffe waren auch nicht so die Bombe als dass ich es riskiert hätte bei einem Fall mit der Schulter gegen ein weiter rechts hervorstehendes Stück Fels zu krachen (bei einem kleinen Fall zuvor hatte ich die Pendelwirkung schon zu spüren bekommen). Daher blieb nur noch der direkte Weg, der anfangs sicher schwerer war als der eigentliche Weg, aber es gab einen wunderschönen Riss, bei dem man einfach nur seine Hand reinstecken musste und mit den Füßen gegen die Reibung und dann einfach - zack - nach oben schieben.
 Aber schließlich habe ich's doch geschafft (stolz!!!), wobei ich vor auch daran dachte, dass der Abstieg vom Einstieg nicht besonders einladen wäre. Aber der Rückweg vom Massiv herunter - da fehlen mir fast die Worte, wenn ich bedenke, wie lange wir da runter gebraucht haben. Durch ein Gestrüpp aus Heide, Nadelbäumen, Fels und alles teilweise ziemlich nass und dadurch auch nicht immer ungefährlich! Als es dann grunzte und raschelte, sah ich mich schon gedanklich vor einem Bär oder Elch stehen, aber es war dann Gott sei Dank nur der Münchner Kletterkamerad Tobi. Wir haben bestimmt eine halbe bis dreiviertel Stunde für den Rückweg gebraucht!!!
Danach haben Coline und ich uns an der schönen 6- versucht, an der schon so manch andere fast gescheitert sind, aber mit dem erprobten Trick 17 (am Sicherungsseil festhalten und hochziehen) konnte man zumindest den Einstieg, der weit schwerer war als eine 6-, meistern. Hier links ein Bild, wie Per das Ganze meistert (ohne den besagten Trick!). Rechts käme Pers gedachter "Abstieg" für das Massiv herunter.
Als ich dann doch oben angekommen war, nach einem ziemlich schweren Riss, hatte ich mich bereit erklärt, die Sicherung abzubauen und trotz des mir bekannten langen Rückweges hinten herum abzusteigen. Ich bekam aber erst mal einen Riesenschreck, als sich der Klemmkeil, den ich an einer Schlinge um meinen Körper hängen hatte, in einer Spalte festsetzte und ich noch mal ein Stück zurückmusste: Keil rauszerren, Puls 300, nach oben aussteigen, puh! Liebe Mama, ich mach das nie wieder, ich schwöre es!!! Aber dazu später... Der Rückweg war dann auch genau so schwierig wie beim letzten Mal und das Ganze in Kletterschuhen! Ich glaube, ich habe die mehr bemitleidet als mich. Handy war im Zelt, aber zum Glück waren die anderen in Rufweite gleich unten an der Wand. Trotzdem hatte ich eine Art Déjà-Vu in Bezug auf eine gewisse Weihnachtstagwanderung in der Sächsischen Schweiz, wo ich kurz abhanden gekommen war...und mich alle noch heute damit aufziehen. Jeder Laut war mir ungeheuer und ich war so froh, als ich den Weg unten sah und unten war. Noch viel froher, als ich dann nach einem Stück Wegs durch den Wald Colines Stimme hörte und sie bald vor mir sah. Dann packten wir unser Zeug zusammen und gingen zu der 6+, die wir zuvor gemacht hatten und an der sich nun Kjell, Gullik und andere versuchten. Die nächsten Stunden verbrachte ich dann in stillem Staunen und Danken, dass ich so einen großen Schutzengel habe. Kjell bemerkte meine versunkene Stimmung und sprach mich darauf an. Daraufhin erzählte ich ihm so einige und es setze eine freundliche, aber bestimmte Standpauke à la Kjell Nörbech. (Und das sicher nicht, weil er Lehrer ist, wie sich später herausstellte, er war ehrlich besorgt.):

Dann haben wir uns noch bis nach 6 Uhr an der Wand aufgehalten und sind dann im Halbdunkel zum Auto zurückgegangen, wobei Coline und ich noch bis zum Einbruch der Dunkelheit auf unsere beiden Männer warten mussten, die noch in der Wand gehangen hatten und dann noch absteigen mussten (wobei sie Letzteres irgendwie cleverer lösen konnten, wahrscheinlich mit Hilfe eines starken Baumes oder einer Granituhr, keiner Sanduhr eben).
Der Abend wurde zwar temperaturmäßig kälter als der vorige, aber weitaus geselliger. Mit Coline habe ich mir eine Steakmahlzeit auf dem Grill zubereitet und noch mein übriggebliebenes Lunsjbrötchen verspeist. Dann wurde viel viel geredet und gequatscht oder die Hände am Grill gewärmt. Vor allem mit Vegard Nymoen, Sohn meines Chefs Per und sehr aktiv in der Fjellgruppa (Gebirgsgruppe), hatte ich ein unerschöpfliches Gesprächsthema: Per selbst... [dieser freute sich mehr oder minder, dass wir uns so gut über ihn unterhalten konnten, als er mir eine Nachricht von seinem Urlaub im Mittelmeer schickte und ich ihm antwortete... ;)]
Simen, Kjell und Vegard
Ein nachdenklicher Jirka und Camille
Hier ein Bild meines Schlafplatzes (rechts neben dem roten Schlafsack), dessen Lagerichtung wir etwas verändert haben, denn in der ersten Nacht bekam ich zuerst einen Armboxer von Souren hinter mir und dann einen Fußtritt von Kjell rechts. Jetzt lagen fast alle wie ein Rad im Kreis.
Aber ich kann euch sagen, diese zweite Nacht war so was von kalt!!! Ich hatte ja drei Socken übereinander an, aber weil die normaldünnen Socken, die ich ganz unten anhatte, so kalt waren, habe ich sie mitten in der Nacht dann über die zwei dicken angezogen. Und wenn ich nächstes Wochenende mit nach Hauktjern bei Oslo kommen sollte, dann definitv mit mehr dicken Socken! Kjell erzählte am nächsten Morgen, dass er sich auch mehrmals um- bzw. mehr angezogen hat. Der nächste Morgen war nicht ganz so sonnig und auch ziemlich kühl, und alle waren erst gegen 10 wach, ich war eine der letzten, wurde erst wach, nachdem Kjell lauthals über Iwanas Spinnenangst gelacht hatte.
Morgendliche Slacklineübungen: Christian, Souren, Simon und Coline
Weil Gulliks Auto ganz am Anfang der Autoschlange stand, mussten wir warten, bis alle anderen weggefahren waren und diesmal hatten sich die Gruppen ziemlich verstreut. Das war mir ganz recht, denn mit Kjell, Gullik und Coline als Grüppchen war es echt ein gelungener Tag. Es kam sogar noch die Sonne raus und wir sind ein paar schöne Genusswege im Bereich 4 und 6 geklettert.
Kjells "Makeup"
Coline an der 4+

Das kommt von roten Kletterschuhen, Kjell!
Ausblick
Hier ein Suchbild: Wo ist Kjell? (in einer 6+/- Route)



Gullik

Links oben befindet sich unsere Wand

Gruppenbild mit Gabelstapler
Alles in allem war das der beste Tag vom Bohuslänwochendende, wir waren als Gruppe einfach eine perfekte Mischung: Kjell, immer etwas hyperaktiv (wenn der Weg einfach war oder Kjell sehr nervös, fing er immer an zu singen), Gullik, der Ruhige (die Graue Eminenz), Coline, etwas schüchtern, aber immer lockerer werdend und ich, ein bisschen was von allem. Daher hatten wir dann auch eine sehr lustige ca. 2stündige Autofahrt zurück nach Oslo, mit Gesangsbeiträgen von Kjell zu "Angels" von Robbie Williams (es klang um einiges besser als das Original mit Kjell als Interpret) oder auch "Stairway to Heaven" von Led Zeppelin.

Wieder zu Hause (ich wurde von Gullik bis vor die Haustür gefahren), war ich dann milde gesagt ziemlich platt. Heute Morgen bin ich dann aber brav zur Arbeit getingelt und habe viel zu tun gehabt. Für etwas Erheiterung sorgte die Mail eines Skikreisangestellten, der mir schrieb, ich hätte schon eine unglaubliche Traditon von Per angenommen: schneller zu antworten, als das die Leute fragen können... :)

Also dann bis zum nächsten Mal,
eure Henni

Samstag, 2. Oktober 2010

Erster Osloer Pubabend, Petter Nymoen und der schnelle Eldar Rönning

Heisann!
Hätte mir jemand vorher gesagt, wie der Donnerstagabend abläuft, ich hätte sicherlich etwas anders gehandelt. Nun ja, aber so wurde es eben etwas abenteuerlich. Ich hatte schon am Dienstag gehört, dass es am Donnerstag nach dem Training in ein Pub gehen soll, aber so richtig Lust hatte ich nicht drauf und skeptisch war ich obendrein auch noch. Halb 8 haben wir dann am Donnerstag aufgehört und weil dann einige, die ich schon kannte, fest davon ausgingen, dass ich kommen würde, bin  ich dann doch mitgegangen. Wir haben dann die, die schon vorgegangen waren, in der Bar/dem Pub La Bohème getroffen. Dort wurden im Keller auf einer Leinwand diverse Kletterfilmchen angeschaut und ein bisschen was getrunken und gegessen. Unter anderem kamen dann auch kleine Filme von Adam Ondra, einem erst 17jährigen sehr begabten tschechischen Kletterer. Ich ernete großes Erstaunen, als ich wusste, wer das war und sagte, dass er bei uns im Klettermilieu ziemlich bekannt ist und alle mussten ruhig sein, als ich vom heimischen Elbsandsteingebirge Sächsische Schweiz erzählte. Ich konnte aber auch noch staunen, z.Bsp. über ein kleines japanisches Mädchen, dass zwar kaum Muskeln hatte, aber total schwierige Kletterwege kletterte (der Name war aber zu schwierig, um ihn sich zu merken). Dann habe ich auch einen meiner beiden Trainer der 1. Stunde (vom 31.08.) wieder getroffen, Chris. Da haben wir dann viel miteinander geplaudert. Außerdem war auch ein Fotograf mit da, Terje Sörgjerd, ihm habe ich bei seinem Brattkorttest assistiert und er hat mir dann im Pub einige seiner Fotos gezeigt, er hat nämlich die ersten Bilder vom Ausbruch des Eyjafjallajökull-Vulkans gemacht. Eigentlich wollte er Bilder vom benachbarten Vulkan, Katla, machen, und Einheimische hatten ihm gesagt, da solle er doch am besten auf dem Gletscher des Eyjafjallajökull übernachten. Des nachts wurde er dann mit seinem Kameraden von den Geräuschen des Eyjafjallajökulls geweckt und ihm gelangen spektakuläre Bilder des Ausbruchs (und er bekam natürlich weitaus mehr Gehalt verglichen mit dem sonst eher kümmerlichen Fotografenlohn). Schließlich kam ich auch noch mit Kjell ins Gespräch, der schon immer mal vorher beim Klettertraining aufgetaucht war und mich wahnsinnig an einen erinnert, der während meiner Trainingszeit im XXL dort immer zum festen Klettertrupp gehörte, aber mir fällt partout der Name nicht ein. Kjell meinte, da müsse ich mich doch gleich zu Hause fühlen, wenn ich ihn sehe. :) Als ich ihm dann sagte, dass ich in Nordberg wohnte, verstand Kjell ich würde in Nörbech (Nörbek ausgesprochen) wohnen, das ist nämlich sein Nachname und ich glaube, jetzt haben wir beide einen neuen Insiderwitz.
Aber auch wenn ich am nächsten Tag erst um 8 statt viertel 8 aufstehen musste, so dachte ich dann gegen viertel 12 ans Heimgehen. Kurz bevor ich die U-Bahnstation erreichte, schrieb mir Jessie aus Wales (vom Klettern) per SMS, es gebe ein großes Problem bei der U-Bahn, meine Linie 3 würde nicht fahren. Dann schrieb sie, sie führe doch und schließlich verpasste ich die 3 ganz ganz knapp. Also setzte ich mich in die 4 und fuhr bis zum Ullevaal Stadion. Glücklicherweise hatte mir Midori den Weg vom Ullevaal Stadion nach Hause gezeigt, so musste ich nicht im Büro übernachten... Nachdem ich noch ein paar Sekunden gewartet hatte, dass die Anzeige etwas anderes zeigt als "Große Unregelmäßigkeiten bei allen Linien, unsicher ob sie fahren", ging ich los. Ganz wohl war mir nicht, aber es war ja alles erleuchtet und ich wusste mich ja ein bisschen zu verteidigen seit meinem Selbstverteidigungsabendkurs. An der Sogn Studentensiedlung kam dann sogar noch ein Bus und ich konnte dem Busfahrer so ungefähr erklären wo ich hinmusste, es ist nämlich so, dass die Haltestellen nicht den gleichen Namen haben, also die bei mir in der Nähe, von wo aus der Bus in Richtung Oslo Zentrum fährt, heißt Holsteinveien und die andere (die jetzt nicht ganz gegenüberliegt, aber doch das dazugehörige Pendant ist), heißt ganz anders. Ist also nicht wie bei uns, dass beide Haltestellen Gombsen heißen, aber es ist wahrscheinlich nur so, weil diese Haltestellen sich nicht gegenüber liegen. Wie auch immer, kurz vor 12 war ich dann schließlich zu Hause und dafür war ich sehr sehr dankbar, das könnt ihr mir glauben!

Daher erwies sich das Aufstehen gegen 8 auch als Segen und eine Stunde später habe ich mich mit Per am Sognsvann getroffen.
 Dann sind wir zum Frognersetra, einer Art Alm in der Nähe des Holmenkollens, gefahren, um dort auf die 6 Läufer des Herrenallroundteams zu warten, die vom Sognsvann ihren Testlauf starten würden. Per und ich haben die Zeit gestoppt. Wir hatten glücklicherweise drei Uhren, denn die Stoppuhr von meinem deutschen Handy gab mangels ausreichenden Akkus bald den Geist auf. Ich habe dann die Zeiten auf so einem Block notiert, der auf einem Brett neben der Uhr festgenagelt ist. Diese Stoppuhr sieht aus wie ein Taschenrechner, in den man dann die Startnummer des Läufers mit der Startzeit eintragen kann.
Einer der letzten, aber steilsten Anstiege des Testlaufs

Als Erster kam Eldar Rönning ins Ziel mit 23:32:17 (bei den anderen habe ich aber nur die Minuten und Sekunden aufgeschrieben), und hastig schrieb ich dann auch die anderen auf, jeweils nur mit den Initialen. Für Morten Aa Djupvik, den Trainer, habe ich dann noch mal eine Reinschrift verfasst, dabei wurde aus P.N. (für Petter Northug) versehentlich Petter Nymoen, weil mein Chef Per Nymoen heißt und sich auch mit P.N. oder Per N. abkürzt... Es wurde aber glaube ich mit Humor aufgenommen. In der Reinschrift war Eldar Rönning dann auch plötzlich 9 Sekunden schneller als im Konzept, im Konzept stand er mit 32 Sekunden und ich glaube, dass es Odd-Björn Hjelmeset (der zwar nicht zur Mannschaft gehört, aber mitgelaufen war) war, der sich wunderte, dass Eldar nur 23 Sekunden hatte und 30 Sekunden schneller gewesen war anstatt nur 21... Da ist mir das Herz fast in die Hose gerutscht, das war mir echt peinlich, so ein doofer Zahlendreher! Gott sei Dank war es aber nicht weiter schlimm. Sollte mir aber nicht bei einem Rennen passieren, aber da gibt es ja soweit ich weiß die Transponder und andere Leute, die auch ein Auge drauf haben - obwohl, wenn man einmal so einen Fehler gemacht hat, dann brennt sich das ins Gedächtnis ein, das ist wie mit meinen Fehlern, die ich bei meinem ersten Brattkorttest gemacht hatte, die vergesse ich auch nie mehr.
Hier könnt ihr mal einen Blick auf mein famoses Konzept werfen:

Ich übersetze mal:

Eldar Rönning
Odd-Björn Hjelmeset
Kristian Tettli Rennemo

Petter Eliassen
Martin Johnsrud Sundby
Petter Northug
Per Christian Nygaard
Tord Asle Gjerdalen

Gard Filip Gjerdalen

Per meint zwar, es sind nur wenige Gelegenheiten, die wir mir den sehr guten Seniorathleten zusammenarbeiten, aber für mich waren es bis jetzt schon ganz schön viele.


Am Nachmittag hatte ich dann ein sehr schönes und sehr langes Gespräch mit meiner neuen Mentorin (so eine Art Betreuerin) Kristine. Wir saßen in einem Café und ich habe ihr erzählt, was sie als Mentorin alles machen muss und dann haben wir noch lange über dieses und jenes geredet und ich muss sagen: Kristine ist wirklich die richtige Wahl gewesen und ich bin froh, dass sie diese Aufgabe machen möchte. Sie ist sehr sehr nett und ich kann ihr alles erzählen, denn sie meinte zu mir, sie ist selber sehr direkt und froh, dass bei mir alles raus muss - ich solle nicht so viel überlegen, was ich nun sagen kann und was nicht.
Per saß ein paar Meter entfernt in einem anderen Café und arbeitet an seinem geliehenen PC (sein eigener ist nämlich kaputt gegangen; als ich das gehört hatte, musste ich zuerst schmunzeln, denn ich weiß, dass das für Per fast dem Ende der Welt gleichkommt.) und plötzlich gab es einen Probefeueralarm. Kristine und ich sind raus aus dem Einkaufszentrum und Per kam mit dem halbgeöffneten Laptop und Kabel an, gestört mitten in der Arbeit. Als ich dann später mit ihm noch eine Weile zusammensaß, gab es dann noch mal einen Probealarm und ich habe dann im Stehen noch etwas am Computer gelöst.
Alles in allem war es ein sehr ereignisreicher Freitag.

Gestern bin ich dann wohl etwas zu spät ins Bett gegangen, oder besser gesagt heute früh, denn ich hatte doch ziemliche Kopfschmerzen. Als die erste Tablette nix half, bin ich dann raus, es regnete ja nicht. Ich bin dann bis zur Majorstuen (die Majorstube) gefahren und habe mir in einem Buchladen ein sehr gutes deutsch-norwegisches visuelles Wörterbuch gekauft, das ich schon in Trondheim gesehen hatte. Danach bin ich in den Vigelandspark gefahren und wandelte dort ein bisschen auf den Spuren unseres Oslobesuchs von vor 2 Jahren, es war alles noch genau wie damals. Ich habe mich dann auf eine Bank im angrenzenden Frognerpark gesetzt und ein bisschen gelesen. Leider sind die Kopfschmerzen dann wieder stärker geworden, also hab ich eine andere Medizin eingeworfen, denn je eher man das macht, desto leichter ist es, den noch nicht zu groß gewordenen Schmerz zu bekämpfen. Da es aber schon die 2. Medizin des Tages war, habe ich mich dann nach Hause aufgemacht und gleich ins Bett gelegt, damit es auch wirklich besser wird und es wurde besser.
Unter diesem netten Herrn stand ich schon 2008





Vigelandssäule und rechts daneben ein Detail daraus

Frognerparken

Majorstuen - die meistbefahrene Kreuzung Oslos

Morgen hatte ich eigentlich geplant, Annija und anderen die Oslofjordinseln zu zeigen, aber es soll morgen durchregnen, weshalb wir uns dann einfach einen netten Sonntagnachmittag machen werden.

Bis demnächst,
eure Henni

P.S.: Sollten einige von euch eine unerwünschte Einladung für das Internetnetzwerk facebook erhalten haben, so bitte ich dies vielmals zu entschuldigen. Eigentlich hatte ich mich ja von dort abgemeldet wegen diverser Sicherheitsbedenken, aber weil die Klettergruppe viel über das Netzwerk abspricht, weil ja nicht alle zu denselben Zeiten zum Training gehen, nutze ich es wieder als eine Art Kalender für die Klettergruppe, aber ich werde es nicht mehr so groß nutzen wie früher und ganz vorsichtig sein und nur Kontakte (sogenannte "Freunde") mit mir wirklich persönlich bekannten Leuten bestätigen.
Schuld daran ist eigentlich Chris, aber weil er so nett gebeten hat... Per hat's gefreut.