Mittwoch, 15. September 2010

Hansi Hinterseer ist doch immer ein gutes Omen - es ist nur eben leider Volksmusik

Trainerin Christine Marie, ich und das Objekt der Begierde
Um gleich vorab die Überschrift zu erklären: Seit einigen Wochen sehe ich montags auf TV2 die historische Miniserie "Arn - Tempelridderen" (Arn - der Tempelritter), nach den Büchern von Jan Guillou. In Schweden lief die Serie als Kinofilm. Leider ist es aber auch bei TV2 Gang und Gebe, eine Werbepause einzuschieben und was müssen meine entsetzten Augen sehen: Da flimmert doch plötzlich munter eine Reklame für Hansi-Hinterseer-CDs über den Bildschirm!!!Bitte?! - Ich hatte mich erst nach einigen Minuten wieder beruhigt... (Per kennt den lieben Hansi übrigens nur als Skiläufer und meinte, es handele sich um einen Irrtum, als ich ihn darüber aufklärte, dass er nun Volksmusik singt und höchstens als blonder Sangesengel den Hang mit Hüftschwung hinunterschwebt.) Aber - was soll ich sagen, Aberglaube oder nicht: Am nächsten Tag habe ich beim Klettertraining den Brattkorttest BESTANDEN!!! (Auch wenn ich meine Vorstiegsicherungstechnik mehrmals unter Beweis stellen musste.) Und kann jetzt auch andere Osloer Kletterhallen unsicher machen und vor allem muss ich nicht immer den Trainer zu Rate ziehen, man ist doch ein Stückchen selbstständiger damit.
Aber ich sollte doch nicht zu sehr auf Omen à la Hansi Hinterseer setzen, denn von einem Tag auf den anderen, genauer von gestern auf morgen, fing mein linker unterer Weisheitszahn an, Anstalten zu machen, herauszukommen und es ist nicht gerade sehr angenehm. Der Zahn darüber ist schon draußen, ohne Probleme und meine Zahnärztin hat mir auch versichert, dass alle Weisheitszähne genug Platz haben, um rauszukommen - ich hoffe sie hat Recht und kalter Tee hilft... (Ich würde das Behandlunsgeld für den Zahnarzt zwar von meiner Versicherung wiederkriegen, aber großen Wert lege ich nicht auf diese Begegnung - nebenbei, selbst bei einem Routinebesuch kommt man locker über die 100€-Grenze, während Arztbesuche sonst sehr preiswert sind.)

Am Montag konnte ich ja erst mal etwas länger schlafen, denn ich habe mich mit Per im Toppidrettssenteret (Topsportcenter) des Olympiatoppen am Sognsvann getroffen und dort haben wir den Sprintherren John Kristian Dahl und Öystein Pölsa Pettersen beim Ausdauertest auf dem Laufband zugeschaut - und ich sage euch, das ist hart! Am Ende sah man nur noch Schweiß und Muskeln... Die Athleten hatten so eine Klammer auf der Nase, damit sie nur durch den Schlauch im Mund atmeten, um festzustellen, wieviel Liter Sauerstoff sie in der Blutlaufbahn haben und das ist ja beim Laufen am meisten in den Beinen. Sowohl John Kristian als auch Öystein hatten mehr als 6 Liter und das ist eine ganze Menge! Trainer Ulf Morten Aune war jedenfalls zufrieden und da denke ich mal, dass es auch sehr gut war. :) Außerdem mussten zwischendurch die Laktatwerte gemessen werden, um festzustellen, wie sehr sie sich für die jeweilige Geschwindigkeit (und der damit verbundenen Zeit) anstrengen mussten.
So sieht eine Wurst auf dem Laufband aus - nein, das ist ein Handybild von Öystein Pettersen kurz vor der Maximalgeschwindigkeitsphase
Heute konnte ich wiederum etwas länger schlafen (wenn auch meine Weisheit sich zu regen begann) und dann bin ich mit Per vom Toppidrettssenteret in die Nordmarka zum Frönsvollsaasen gelaufen, das ist ein recht sumpfiges Gebiet in der Nordmarka, durch welches aber mehrere Loipen laufen und dort sollten die Sprintgutta (Sprintjungs) Steilhanglaufen trainieren, also mit Stöcken, aber normalen Schuhen - das war auch unglaublich, wie die da den Hang heraufgerast kamen und dann entsprechend platt waren! Das Paradoxe an der Situation war ja auch, dass mir (und anderen) ziemlich kalt war, weil die Sonne noch nicht herumkam, aber die Jungs haben geschwitzt und gehechelt als wären sie in der Wüste.
Es war übrigens auch wieder TV und Presse dabei, ich glaube, zu dem Thema muss ich langsam nichts mehr sagen...
Und sowieso, als die berühmtberüchtigen 7Uhr-Nachrichten auf NRK1 (dort hatte ich zuvor zu Hause eine Folge "Derrick" [mit norwegischen Untertiteln] aus den 70er/80er-Jahren gesehen, Kult!) liefen, war ich vollauf damit beschäftigt, den Tritten und Griffen von Cato Fjukstad und seinem Kollegen Kjell Magne von der Sicherheitsakademie bei dem Selbstverteidigungskurs zu folgen - aber das viele Geld war es wert, denke ich. Und bei einem Punkt brauche ich mir keine Sorgen zu machen: dass ich durch zu aufreizende Kleidung Aufsehen erregen könnte. Überhaupt bin ich in punkto Kleidung etwas anders im Gegensatz zu vielen Norweger(innen): Wie aus dem Katalog und alles sitzt!

Anbei noch Impressionen des "Motbakketrening" (Steilhangtraining) der Sprintgutta:
Aufwärmen - die Ruhe vor dem Sturm
Rechts feuert Trainer Ulf Morten Aune die Läufer an
Soweit erkennbar: links Timo André Bakken (U23), Öystein und evtl. Anders Glöersen
Ola Vigen Hattestad und Anders Glöersen
Roar Hjelmeset und Per im Zwiegespräch
John Max Ernter auf seinem Hochstand
Ulf Morten beäugt kritisch die Zeiten


Anders und Öystein nach der Zielgeraden
Timo André und Öystein - eigentlich das beste Laufbild, wenn nur der Strommast nicht wäre...

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Vom Samstag gibt es noch ein paar Bilder des Wachs-LKWs oder Smöretraileren:

Skitechnikerchef Knut Nystad erklärt das Einmaleins des Heimskiwachsens (aber da waren so viele Fachbegriffe dabei, sodass ich zwar interessiert, aber leicht hilflos war)
Skitechniker Terje Fardal legt Hand an mit dem Skibügeleisen
Foto vom Smöretraileren während der Hochsaison
Am Media Markt kommt man auch in Norwegen nicht vorbei...

Freitag, 10. September 2010

Vom Wachs-LKW, einem (ganz normalen) Finanz-EVS-Wadi und dem Wolf im Heiligen

Hallo, hallo, da bin ich wieder!

Mein Betreuer Torsten in Dresden hatte mich ja schon darauf hingewiesen, dass das Taschengeld, welches man im Laufe des EVS bekommt, gerade so ausreicht, aber bei mir ist die Sache etwas anders. Denn nur noch im September wandle ich durch das finanzielle Wadi, weil ich unter anderem sowohl meinen Mitgliederbeitrag für das Wintersemester in der Klettergruppe als auch einen Selbstverteidigungskurs bezahlen musste. Daheim in Dresden bekam ich ja gleich einen ganzen Karatekurs mit Prüfungen, etc. angedreht, hier ist es ein Selbstverteidigungskurs für Mädchen, ein Abend, von der Sicherheitsakademie. Der ist nicht gerade billig, aber eben auch nur jetzt an einem Abend im September, und so musste ich für das ebenso nicht gerade billige Kinoticket heute Abend mein deutsches Konto anzapfen. Aber wie es so ein Wadi ebenso an sich hat, wird es auch ganz fix wieder voll, und dann darf es auch wieder eine Tafel Schokolade und ein Museumsbesuch mehr sein. :)

Gestern Abend war ich wieder beim Klettertraining und eigentlich ging es mir danach nicht soo gut, weil ich den Brattkorttest im ersten Anlauf nicht gepackt habe, dem wachsamen Trainer sei Dank. Aber er hatte ja recht und da bin ich ganz froh, dass er so akkurat war. Waren eben zwei kleine Fehler zu viel. Aber immerhin habe ich ein ganzes Jahr Zeit, um das auf die Reihe zu kriegen und ich darf mich optimistisch zeigen, dass ich das etwas eher schaffe. Zudem nimmt mich die Klettertruppe auch ohne Brattkort mit auf Touren, z.Bsp. werden einige Anfang Oktober nach Bohuslän in Schweden fahren, zum Rissklettern - und ich bin dabei!!! Äätsch, Mutti!
Viel Zeit, um mich über den misslungenen Versuch zu ärgern hatte ich eh nicht (habe ich auch jetzt nicht: Ich habe gerade erfolgreich eine Mücke davon abgehalten, mich des nachts zu ärgern!!!), denn meine Gastschwester Erica brachte nun schon zum dritten Mal Sushi von ihrer Arbeit in einem Restaurant mit nach Hause - lecker, kann ich euch nur sagen, auch wenn Wasabi mir immer noch etwas Halsschmerzen bereitet, da halte ich mich lieber an die Sojasoße.

Heute sind Per und ich erst einmal zum Hauptbahnhof gefahren, um Ticktes für den Flughafenzug zu kaufen, denn ich fliege ja schon bald nach Selbu zum Ausreiseseminar (also eigentlich fliege ich nur bis Trondheim). Mit unter 20 falle ich sogar noch in die Jugendpreisklasse bei der Flugzeugbahn. Wie auch immer, danach ging es zur Aker Brygge, das ist eine Art Viertel direkt am Hafen mit Restaurants, Büros und teuren Wohnungen für Leute ohne Anhang. Dort startete heute der sogenannte "smöretrailer" seine Tournee (oder wie der Norweger schreibt: turné). Smöretrailer sollte man wortgetreu mit "Wachslastzug" übersetzen, ich sage jetzt mal Wachs-LKW. Dieses Gefährt ist im Winter überall mit der norwegischen Langlaufmannschaft unterwegs und präsentierte sich nun vor den Büros des Hauptsponsors AKER dem gemeinen Volk, man konnte also reingehen und schauen, wie wo was funktioniert. Bevor sich die Besichtigung am Nachmittag (wo ich nicht mehr dabei war) in vollem Gang befand, wurde erst einmal mit Odd-Björn Hjelmeset, selbst aktiver Langläufer, geplaudert. Mit dabei waren Trainer, andere Funktionäre, einige Athleten und natürlich das Wachs- bzw. Skitechnikerteam mit Chef Knut Nystad. Außerdem konnte man sich auf einer Kunstloipe auf diversen Skiern probieren. Dies erwies sich aber als eine nicht ganz ungefährliche Angelegenheit, denn Per stolperte im Sturm der Energie aus der Loipe, was aber noch gar nichts im Gegensatz zu Morten Aa Djupviks (er ist Trainer der Herren allround Mannschaft) Kurzflug im Eifer des Gefechts gegen Sportchef Aage Skinstad war. Bei Aage bin ich ja je nach Bedarf Angela Merkel, Andrea Henkel oder anders. Ihm ist es mittlerweile erlaubt, so eine Erstidee muss ja belohnt werden.
Der Smöretrailer ist morgen oben am Sognsvann und wenn der angesagte Regen nicht zu schlimm wird, werde ich auch noch mal hingehen.

Die Wachs-LKW-Gesprächsrunde, v.l.n.r.: Moderator Odd-Björn Hjelmeset, die Athleten Tord Asle Gjerdalen, Maiken Caspersen Falla, Ola Vigen Hattestad, Eirik Brandsdal, Paal Golberg (U23), Anders Glöersen und Öystein Pölsa Pettersen.

Eigentlich befinde ich mich noch so halb in meiner eigenen Welt, denn ich komme ja gerade aus dem Kino, Preis für das Ticket 95NOK anstatt der gedachten 85NOK (und selbst das wäre noch mehr als ein Filmnächtepreis). Teilt das mal durch 8, aber ich sollte mittlerweile damit aufhören, sonst werde ich noch ganz verrückt. Ich habe mir den Film "Varg Veum - Skriften paa veggen" angeschaut, was im deutschen Fernsehen als "Der Wolf - Die Schrift an der Wand" angekündigt werden dürfte. Varg ist ein altes Wort für Wolf und Veum ist altnordisch und bedeutet irgendetwas mit im Heiligen, weshalb im Film und in den Büchern auch oft genug beton wird, dass der Wolf im Heiligen ja ein Zwischending aus Mensch und Tier sein müsse und Vargs Eltern sehr inspiriert bei der Geburt. In einem Buch wird es so erklärt, dass die Eltern sich ein Mädchen wünschten und bei der Geburt des Sohnes schlichtweg einfallslos waren. Der Film war nicht so hart wie ich gedacht habe und gleichzeitig war er es. Er unterschied sich auf alle Fälle von den bisherigen sechs Filmen, nicht nur in der Musik, die Stimmung war wirklicher. An besonders harten Stellen habe ich mir mal die Gesichter meiner Nachbarn angesehen und musste ehrlich gesagt fast lachen, weil viele mit starrem Blick und offenem Mund leicht nach vorne gelehnt oder in ihren Sitz gepresst saßen.
Der Trailer gibt meiner Meinung nach nicht unbedingt den richtigen Eindruck, eher einen zu überspitzten, aber er bewirkt auf jeden Fall, dass man überrascht ist, wenn man den Film sieht.



In punkto deutscher Bücher bin ich ja auch ausgelastet, denn meine Kollegin Else-Marthe Sörlie Lybekk, ehemalige National- und 5 Jahre HC-Leipzig-Spielerin, brachte mir einen ganzen Packen verschiedenster Exemplare mit. Jetzt muss ich aufpassen, dass ich meine Bibokarte auch benutze, um mir norwegische Bücher zu Gemüte zu führen.

Mir ist übrigens auch aufgefallen, dass auffallend viele Norweger "Yes!" sagen oder beim Klettern kommt auch mal "Climb on!". Als ich "Yes!" das erste Mal bei meiner Gastmutter Midori hörte, dachte ich ja, dass es eine Angewohnheit von ihr wäre, aber das sollte ein Irrtum sein. Vielmehr sei das eine Folge der Englischüberflutung im norwegischen Fernsehen, was ja immer in Originalsprache und nur mit Untertiteln sendet. Umso überraschter war ich, als im Varg-Veum-Film auch Untertitel zu lesen waren, auch wenn ein gutes und deutliches Norwegisch gesprochen wurde. Bei den dänischen Schauspielern erwiesen sie sich aber als ganz nützlich.


Anbei noch ein paar Impressionen von meiner Sonnntagstour auf einige der Inseln im Oslofjord: Lindöya (gefällt mir am besten mit ihrer Mischung aus Küstenwald und Häuschen), Nakholmen und Hovedöya.





Klosterruinen auf der Hovedöya


Samstag, 4. September 2010

Ein Monat rum, hui!

Hui, nun bin ich seit gestern schon einen Monat in Norwegen!

In dieser Zeit konnte ich schon einiges feststellen...was oft geschehen ist bei so einigen meiner Mitmenschen sowie was mir an mir selbst aufgefallen ist
1) der/die Klodeckel/brille bleibt offen stehen
2) das Licht wird gerne an gelassen
3) ta det med ro - immer mit der Ruhe, viele sind deutlich gelassener als ich
4) mögen die Eltern noch so dunkle Haare haben, die Kinder strohblond...
5) alle norwegische Duschen sehen garantiert so oder so ähnlich aus (das ist jetzt nicht schlecht, aber ich habe oft das Gefühl, dass einige Exemplare meine Geduld in Sachen Warmwasser testen wollen - dreht man über die Kindersicherungsgrenze [oder was es sonst ist] hinaus, wird es urplötzlich ganz heiß...):

6) Die Norweger reisen (verständlicherweise) übermäßig viel im Inland mit dem Flugzeug, übermäßig bezogen auf den deutschen Vergleich. So bekam Ingrid vom Kurslehrerseminar heute keinen Flug nach Tromsö mehr - ausgebucht - und muss morgen den nächsten freien am frühen Nachmittag nehmen.
7) Rein kulinarisch gesehen, lebe ich wie Gott in Frankreich, siehe z.Bsp. Seminar Gardermoen und zu Hause gibt es auch jeden Tag was anderes und selbst wenn es für Midori ein nicht sehr kreatives Essen ist, für mich stellt es den Gipfel der Kochkunst dar! So bin ich auch beim Lunsj im Büro laut Per mittlerweile auf der Topesserliste ganz oben gelandet (6-8 Schnitten), besonders beliebt sind bei mir Tomatenfisch (Tomatenmakrelen) und Marmelade in allen Variationen, letzteres ist wirklich neu, aber ich könnte manchmal Berge von Marmeladenbrot essen. Man bedenke, dass ich in der ersten Woche gerade mal 3 Schnitten gegessen habe, wenn ich gut war.
8) Ich bin mittlerweile Weltmeister im Blaseneinstechen und Eiterausquetschen, gestern habe ich mir beim Rollskitraining die nächste an der rechten Hand geholt, die dann noch weit verzweigte Höhlen aufwies - trotz Fahrradhandschuhen. Die Haut war wohl schon vorgeschädigt, trotzdem werde ich in Zukunft wohl lieber meine dünnen Skatingskihandschuhe nehmen. Oder ich sollte die Stöcke nicht so umkrallen!
9) Mein Rechtschreibgen scheint sich auch in der norwegischen Sprache bestens durchzusetzen, Per ist der festen Ansicht, ich würde die meisten Norweger in Sachen norwegischer Rechtschreibung schlagen, z.Bsp. "avslutningsseremoni" (Abschlusszeremonie) mit nur einem t, wobei mir später aufgefallen ist, dass es mit zwei tt auch nicht schlecht aussehen würde, denn es heißt ja auch "jeg har avsluttet" (ich habe abgeschlossen). Außerdem versucht Per immer Dinge zu finden, die ich noch nicht kenne bzw. über die ich noch nichts weiß, er wurde ganz verzweifelt, als ich wusste, wer Kristine Bonnevie ist (nämlich die erste weibliche Professorin Norwegens). Das hatte ich aber nur kurz bei Wikipedia nachgesehen, weil ich wissen wollte, warum eine Straße in Oslo so heißt. Wer allerdings mein Straßennamensgeber Carl Kjelsen war, habe ich noch nicht herausgefunden, er scheint nicht ganz so bekannt wie Kristine Bonnevie.

Ich hoffe, dass es weiter so gut geht und die Zeit so ereignisreich bleibt.
Letztes Wochenende habe ich den regenreichen Samstag im Historischen Museum verbracht, fast 4 Stunden!

Erst ging's durch die Frühgeschichte/Wikinger/Mittelalter-Ausstellung, dann durch die Runen-Sonderausstellung und schließlich noch durch die Indianerausstellung. Diese über die Runen war die kleinste, andere haben dafür vielleicht eine Viertelstunde gebraucht, ich hing dort sicher eine Dreiviertelstunde fest, was so ungewöhnlich zu sein scheint, dass mich der Wachmann fragte, ob es denn wirklich so interessant sei. Kunstbanause...

Ein mittelalterliches Plättbrett, ich erinnere nur an dessen Wichtigkeit, siehe Paul Beckers in "Das Plättbrett":



Diese Runen wird der eine oder andere sicherlich auf meinen Schulheftern gesehen haben...

Der Sonntag war auch recht erlebnisreich, denn es war Tag der Offenen Tür an der Osloer Oper. Zuerst war ich bei einer öffentlichen Orchesterprobe, zu der dann auch die Sänger dazu kamen und mit vollem Publikumseinsatz wurde dann ein Stück aus der "Zauberflöte" geprobt. Das war gratis gewesen, im Gegensatz zu dem anschließenden Vortrag über die Lichttechnik und Bühnenmaschinerie, aber der kostete auch nur 25NOK (gut 3€). Da wurde uns dann die verschiedenen Lichteinstellungen und Lampen vorgeführt, Bühnennebel, Bühneheben, etc. Es war also mehr eine Vorführung als Vortrag, worüber ich ganz froh war. Die Bühnenmaschinerie ist übrigens in Deutschland gefertigt worden und war ein, sagen wir, Stolperstein bei der Eröffnung der Oper im Jahr 2008, also es gab Probleme bei der Funktion. So, danach aß ich mein matpakke (Essenspaket) auf dem Operndach und wollte eine Führung mitmachen, aber alle waren komplett ausgebucht. Nach einer geschlagenen Stunde Wartens, verkürzt durch ausgiebige GEO-Lektüre über das verkannte Genie Robert Hooke (wer sich noch an die Schule erinnern kann, Physik: HOOKEsches Gesetz...), kam ich dann noch mit in die Ballettprobe, bei der Ausschnitte aus "Septemberdans" gezeigt wurden, das war fantastisch! und ich wäre gerne mal zu einer Aufführung, aber 1.) sind diese doch über meinem Budget und 2.) war nur die Premiere in Oslo, danach ging es auf Tournee durch Norwegen. Es war das erste Mal, dass ich modernes Ballett gesehen habe, aber es hat mir sehr gut gefallen.






Papageno und Pamina im Beziehungsberatungsgespräch


Voller Körpereinsatz mitsamt dem Publikum bei Papageno und Papagena

Ansonsten war die Woche arbeitsmäßig schön und normal, d.h. zum Beispiel, dass Kollege Arild von der Alpinabteilung zum Lunsj alle mit seinem üblichen "Mahlzeit!" begrüßte und John-Olav weiter an seinen Deutschvokabeln "Halt die Klappe!" oder "Halt's Maul!" (auf gut norwegisch "Klapp igjen!" bzw. "Hold kjeft!"), feilte, oder auch an "Du bist ein Schlumpf!" sowie "Was ist was? Das ist das?", usw.
Am Dienstag war ich das 1. Mal bei der Klettergruppe des Osloer Studentensportklubs. Das hat mir gut gefallen und mir wurde gesagt, ich könne sogar den "brattkorttest" machen, mit der brattkort kann man dann auch ohne Trainer und vor allem auch in anderen Hallen klettern, oder natürlich weiterhin mit der Gruppe. Mal sehen, ob ich das mache, denn vor einem Punkt, dem Fallen beim Vorsteigen, habe ich doch ziemlich Angst. Mit der "taubremse" (Seilbremse, oder auch stitch genannt) kann ich schon ganz gut sichern, die leihe ich mir, das kann ich kostenlos machen, weil ich jetzt für das Herbstsemester mein Mitgliederkontingent bezahlt habe (zur Mitgliedschaft hatte ich mich nach diesem Probetraining entschieden). Gemeinschaftstraining ist immer dienstags und donnerstags, also bin ich am Donnerstag wieder ins Centrum Athletica auf der Akersgata, diesmal waren andere Trainer da und na ja, es war nicht so schön wie am Dienstag, zu dem einen Trainer hatte ich einfach keinen richtigen Draht und es waren auch andere Kletterpartner da und nicht mit allen ging es sooo gut. Am Ende kam noch eine nette Trainerin und es war schon okay. Weil ich auch viel zu früh dran gewesen war, bin ich dann auch früher wieder gegangen. Mal sehen, wie es das nächste Mal wird und ob ich auch mal auswärts eine Tour mitmachen kann.

Ich hoffe auch, dass sich dauerhafte Kontakte ergeben, vor allem mit Einheimischen, leider ist es bisher oft so, dass ich viele Leute getroffen habe, die ich gern näher kennengelernt hätte, aber die man dann wieder eine Weile nicht sieht, weil sie wo ganz anders in Norwegen wohnen, oder ich bin zu schüchtern, um zu fragen, ob man denn mal was zusammen machen könnte.

Gestern habe ich aber zumindest Benthe Asp aus Steinkjer wieder getroffen, sie ist wirklich einzigartig, immer gut gelaunt, da kann man eigentlich selber nur fröhlich sein. Leider musste sie weiter nach Kristiansand. Ach ja, da muss ich erst mal erklären, wo ich war. Von gestern bis heute war Kurslehrerversammlung in einem Hotel am Flughafen Gardermoen. Aber erst haben wir noch ein paar junge Leute getroffen, die sich im Skiverband engagieren und dann eben das Seminar veranstaltet, wobei meine größte Aufgabe darin bestand, so viel wie möglich zu verstehen. Das Essen aber war sagenhaft und das denkt man gar nicht bei einem Hotel in Flughafennähe, aber so viel gegessen habe ich schon lange nicht mehr, ob beim Lunsj, Frühstück oder Middag (Abendessen). Zwischendurch gab es gratis Eis, also eigentlich war ich nur am Essen. Damit ich aber nicht aus allen Nähten platze, war ich gestern auf den Rollskiern unterwegs, heute joggen und habe versucht, bei den Kraftübungen der Kurslehrer mitzumachen. Einzig gewöhnungsbedürftig waren die sehr weichen und schmalen Betten, man sank auf der einen Seite ein und auf der anderen Seite wusste man nicht, wohin mit den Armen, die immer zur Seite baumelten. Wenigstens gab es keinen Flugzeuglärm, obwohl Gardermoen nur 10min entfernt war.



Für morgen habe ich noch keine konkreten Pläne, das kommt aufs Wetter drauf an und jetzt muss ich erst einmal entspannen.
Jetzt scheint gerade die Sonne und es sind vielleicht 15-20°C.

Ha det bra!
Eure Henni

P.S.: Alles Gute den gerade ins Ausland Gestarteten Jule, Pattl und meinem lieben Brüderchen!!!
P.P.S.: Falls einige eine Karte bekommen sollten, lange nachdem sie abgeschickt wurde, bitte nicht wundern, ich habe vergessen, den "Prioritaire"-Aufkleber draufzukleben. Das schreibe ich nur, weil die norwegische Post bisher mit außergewöhnlicher Schnelligkeit auffällt.

Freitag, 27. August 2010

Von Ost- und West-Toten und nerventötenden Datenmaschinen



--Hing an der Wand des Kon-Tiki-Museums (wo ich noch hinmöchte) auf Bygdöy und diesen Ausspruch Thor Heyerdahls versuche ich für mich hier umzusetzen, so gut es eben geht.--

Und schon ist wieder eine Arbeitswoche rum! Wie die Zeit vergeht...und schon wieder so viel erlebt!
Am Dienstag zum Beispiel war ich mit Per nachmittags auf der Museumshalbinsel Bygdöy, für deren Museen man sicher mehrere Tage benötigt. Wir haben uns mit dem Wikingerschiff- und Frammuseum begnügt, mehr machen sowohl Kopf als auch Fuß bei mir dann doch nicht mit. Aber im Wikingerschiffmuseum hätte ich schon gern ein bisschen mehr gesehen, wenn es denn mehr gegeben hätte. Im Frammuseum konnte man das legendäre Polarschiff von Fridtjof Nansen, Otto Sverdrup und Roald Amundsen sogar besteigen und durchstreifen, das war schon ein Erlebnis!





Ein Augenschmauß für mein deutsches Rechtschreibauge

Ja, und der darauffolgende Mittwoch sollte mich doch etwas an meine Geduldsgrenze bringen. Eigentlich stand nichts Ungewöhnliches an: Es war das letzte Rennen des Norges Rulleski Cup in Gjövik, das liegt am Ufer des größten Sees Norwegens namens Mjösa. Und nach den Rennen die Punktelisten mit Excel fertigzustellen, hat mir ja sogar Spaß gemacht... Nur leider wird meistens auf dem sogenannten Idrettskontor gearbeitet, das ist wie ein Computer im Computer, oder quasi eine neue Festplatte. Wenn ich mich also normal angemeldet habe, muss ich mich noch mal bei Idrettskontor anmelden und dann erscheint ein neuer Desktop usw. Und wenn ich dort was gespeichert habe und es auch außerhalb nutzen will, muss ich es erst auf die andere normale Festplatte rüberziehen. Da das Netz im Överbystadion gelinde gesagt nicht gerade gut war und der Idrettskontor daran geknüpft ist, wollte auch Excel nicht wirklich laufen und stand meinem Arbeitseifer massiv im Weg - und wer mich sehr gut kennt, der weiß, dass mir bei Maschinen oft schnell die Geduld ausgeht und hier besonders, weil der vier Jahre alte Laptop (auf norwegisch heißt der Computer ja datamaskin), gerade frisch von einer Kur beim Support (Hilfezenter) kam - er war nämlich zu langsam. Vielleicht lag es auch schlicht und einfach daran, dass das Netz in einem Gebiet namens Vest-Toten und Östre-Toten schlicht und ergreifend nur nervtötend sein kann! Dass ich mir bei meiner vierten Rollskieinheit meine Blasen an den Fingern wieder aufgerieben habe, geriet dabei eher stark in den Hintergrund.
Nun ja, ich möchte mit etwas versöhnlicheren Tönen abschließen und ein Bild von den glücklichen Gewinnern des Gesamtnorgescup veröffentlichen:


v.l.n.r.: Jens Bjertnaes (2), Ragnar Bragvin Andresen (1) und Mats Rudin Resaland (3)

Morgen werde ich das Historische Museum unsicher machen (Eintritt gratis) und am Sonntag hoffentlich den Tag der Offenen Tür an der Osloer Oper nutzen können.

Es grüßt euch wie immer herzlich,
eure Henni

Sonntag, 22. August 2010

A-ha und die Pest


So, die erste vollständige Arbeitswoche liegt nun schon hinter mir und morgen beginnt die nächste. Ich kann mich nicht beklagen, es gibt immer etwas anderes zu tun und ich bin auch ausgelastet, wenn ich so zwischen vier und fünf nach Hause komme.
Am Freitag stand ich das dritte Mal auf Rollskiern... Aber es wird besser! Wahrscheinlich sollte ich mich mit meinem Elan jedoch etwas zurücknehmen, denn ich habe an der linken Hand zwei schöne Blasen bekommen, an der rechten konnte ich den Schaden noch abwenden. Oder ich sollte einfach Fahrradhandschuhe anziehen. Hier ein leicht verwackeltes Bild meines glorreichen Laufs in der Nähe eines Osloer Elektrizitätswerkes.

Ich habe ja außerdem voller Freude festgestellt, dass der neue Varg-Veum-Film schon nächste Woche Freitag in die Kinos kommt - und ich habe das dazugehörige Buch bereits gelesen. "Die Schrift an der Wand" heißt er. In Deutschland laufen die Filme übrigens unter dem Namen "Der Wolf", weil Varg ein altes norwegisches Wort für Wolf ist. Veum bedeutet auch irgendetwas nicht so ganz Positives, kommt aus dem Altnordischen. Eigentlich stellen Krimis im Allgemeinen und Filme diesen Genres im Besonderen einen Widerspruch zu meiner teils ängstlichen Persönlichkeit dar, könnte man meinen, aber ich sage euch: Auch ohne Krimis mache ich mir genug Gedanken... In meiner herzallerliebsten GEO stand auch einmal geschrieben, dass Frauen generell zu mehr Krimilesen neigen als Männer, also ist es vielleicht nur normal. Und wenn in den Filmen noch halbwegs gut aussehende Exemplare herumstolzieren, ist es gar nicht mehr so gruselig. Noch ein kleines bisschen mehr als Varg Veum mag ich den dazugehörigen Schauspieler Trond Espen Seim in seiner Rolle als Cop DJ, alles auf Norwegisch, aber ich garantiere euch, dass ihr das auch ohne Norwegischkenntnisse versteht:



Ach, und am Donnerstag rief mich mein Kollege John-Olav (bitte nicht Dschon aussprechen, sondern Juhn) inmitten konzentrierten Arbeitens an: "Ich hab dich gestern Abend im Fernsehen gesehen! Dich und Per!" Na toll. Die Damen und Herren von NRK1 hatten mich also nicht rausgeschnitten. In den nicht ganz drei Wochen, in denen ich nun hier bin, war ich schon (mindestens) drei Mal bei NRK1 zu sehen, und das eher unfreiwillig, denn wenn man nicht weiß oder bemerkt, dass die Kamera auf einen gerichtet ist, macht man ein noch dümmeres Gesicht als sonst. Und am Mittwoch war eben ein Kamerateam im Büro, um ein Interview zu machen und Per und ich waren auf dem Weg zum Holmenkollen, um die Flaggen abzugeben und als ich an dem Interviewten vorbei war, bemerkte ich: Da war doch was...eine Kamera, eine kleine Kamera. Während der Toppidrettsveka in Aure und Kristiansund hat man mich wenigstens nur als kleines grünes Männchen am Rande der Rennstrecke hin und her laufen sehen, aber das war ja aus nächster Nähe und deshalb bin ich ganz froh, dass ich diesen Beitrag nicht gesehen habe...

Am Samstag hat mich meine Gastschwester Erica ein bisschen in Oslo rumgeführt, West-Oslo und Zentrum. Dabei habe ich mich gleich in einer Bibliothek angemeldet, wenn mir in ein paar Wochen mein (deutschsprachiger) Büchervorrat ausgeht. Am Abend war für viele Norweger, oder zumindest Osloer, der Abend der Abende: A-ha-Konzert im Ullevaal Stadion (mein Arbeitsplatz). Und wie einige vielleicht wissen, beenden A-ha ihre Karriere in diesem Jahr und das Konzert im Ullevaal war der Auftakt zum Abschied im Heimatland. Da das Stadion nur zwei Kilometer entfernt von meinem Zuhause liegt, konnte man den Klängen gelinde gesagt gut lauschen. Schon seit Dienstag fuhren vor dem Stadion LKWs auf und ab, Polizeibänder hier und da und Tonproben bzw. Soundchecks seit Donnerstag Abend. Viele meiner Kollegen aus dem Büro sind auch zum A-ha-Konzert gepilgert, ich bin aber mit Gastvater Christian zum Maridalsspillet, einem kleinen Theater in Maridal, welches nur für ein paar Tage im Sommer spielt, geradelt. Allein die Fahrt war ein Abenteuer, denn das Fahrrad hatte natürlich keinen Rücktritt und (ich höre schon alle lachen) ich entdeckte zu meiner großen Überraschung das die beiden Handbremsen nicht nur für das Vorderrad sind, sondern die rechte für das Hinterrad. Das war noch nicht alles: Das schöne Herrenrad hatte auch noch eine Gangschaltung für das Vorder- und Hinterrad, eh ich da rausgekriegt hatte, wie das nun funktioniert, war ich schon halbtot über den Berg. Nun ja, angekommen bin ich in Maridal, dort wurde "Svartedauen" gezeigt und es handelte von verbotener Liebe, Macht, Unterdrückung und das alles im Rahmen der Pest, die im Mittelalter auch Norwegen erreichte. Ich weiß ja nicht, ob die Schauspieler wussten, dass da eine Ausländerin im Publikum saß, aber sie haben jedenfalls ausgesprochen deutlich gesprochen, sodass ich fast alles verstanden habe! :) Das Wetter war auch schön und das hatte ich an dem Morgen nicht gedacht, da war es finster, aber dann kam die Sonne und abends ein Fastvollmond. Letzterer kam natürlich der grusligen Atmosphäre zugute, die u.a. durch die Musik und auch die schwarzen Gestalten und Pferde in der Dämmerung ausgedrückt wurde. Etwas irritierend wirkte da nur der Gesang von Morten Harket in einem Lied, das an "Foot of the mountain" erinnerte, welches ich aber dann später bei offenem Fenster wirklich live zu hören bekam.
Sonntag hieß es, wie es sich für einen echten Norweger gehört, raus und eine "tur" unternehmen. Also erfüllte ich die Hausaufgabe meines Chefs Per und machte mich auf zum Ullevaalseter, einem Gasthaus ca. 6,5km von hier entfernt. Vorbei ging's am Sognsvann und Store Aaklungen (auch ein See) und dann war ich nach ca. 1,5h am Ziel und ich bin nur einmal kurz in die falsche Richtung gegangen, obwohl man eigentlich nur dem Strom der Massen folgen muss: immer gerade aus. Aber viele Wege führen zum Ullevaalseter und ich dachte mir dann aber doch, dass ich meinen Orientierungssinn nicht auf die Probe stellen sollte, denn der ist ja bekanntlich nicht besonders gut (ich sage nur: Langlauftour in der Steiermark, Papa wird sich erinnern). Da mir am Ullevaalseter aber doch zu viele Leute waren, bin ich nach einer kurzen Besichtigung des WaldClosetts wieder zurück bis zum Store Aaklungen und saß dort hernieder, um ein Brötchen und ein Stück Kvikklunsj zu verspeisen sowie Weihnachtstee zu trinken. Überhaupt, Kvikk Lunsj musste ich ja unbedingt probieren, denn schließlich musste ich ja bei der Högrondenbergtour ohne auskommen und da musste eben jetzt die 6,5km-Strecke bis zum Ziel als Bergtour herhalten, was sie in meinen viel zu warmen Sachen auch war.



Ullevaalseter und Wegweiser davor


Store Aaklungen, von meinem Rastplatz aus gesehen



Morgen heißt es dann wieder, viertel acht aufstehen und ab zur Arbeit. Ach ja, ich werde jetzt ab und zu Postkarten oder Briefe schreiben, aber bitte schaut nicht mir Argusaugen auf eure Nächsten, wer denn nun etwas als erster bekommen hat - schließlich ist eine Postkarte in Oslo selten unter einem Euro zu kriegen, es wird also keine selbigen regnen.
Außerdem habe ich heute im Internet noch nachgeschaut, was sich denn an den nächsten Wochenenden für Aktivitäten so anbieten und bei dieser Gelegenheit, ob denn auch von mir gerngehörte Musiker in Oslo spielen. Aber nein, sie gehen nach Dresden!!! Wie z.Bsp. Apocalyptica, die ziemlich oft in Sachsen vorbeischauen, aber ich habe es bisher immer vertrödelt! Aber sie bringen morgen ihr neues Album raus und wenn ich gerade mal von 1000 Kronen geträumt habe, marschiere ich in den nächsten CD-Laden und reiße das musikalische Werk an mich. Weil ich das eine Lied so schön finde, stelle ich es hier in den Blog, und ja, es sieht düster aus, aber es steckt was dahinter, zumindest für mich, und ist nicht nur irgendwelches Metalgehampel oder sonst wie; diese Musik ist für mich Inspiration und ich höre sie einfach sehr gerne, wie viele von euch wissen und dass schwarz dabei häufig vorkommt, dafür kann ich nichts, ich bin nur froh, dass es nicht rosa ist. (Ich sehe schon mein liebes Brüderchen die Augenbrauen hochziehen ob meines Rechtfertigens, weil ich ja immer betone, es hat nichts mit meinem leicht ängstlichen Wesen zu tun oder gerade deshalb, naja, usw...)
Hört's euch an oder nicht,
und eine gute neue Woche!

Mittwoch, 18. August 2010

Norwegischer Humor?

Ich habe auch in den zwei Wochen, in denen ich nun erst hier bin, festgestellt, dass der Name Lasse Gjertsen den wenigsten Norwegern ein Begriff ist, eher der Name des bekannten Komikers Thomas Giertsen. Ein sehr bekanntes Beispiel in Norwegen für den norwegischen Humor (?) bekam ich von meinem Gastvater Christian:



Und hier noch ein sehr schöner Kurzfilm von Lasse Gjertsen, über das kleine aber feine Wörtchen "faen" - was das bedeutet, erschließt sich im Laufe des Videos...




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Mit Per ware ich heute auch noch auf dem Turm der neuen Holmenkollenskisprungschanze nachdem wir die Flaggen zurückgegeben hatten. Dabei sind wir dann auch noch fix durch das Skimuseum gerauscht und haben u.a. die glorreichen Olympiaski von Ole Einar Björndalen aus dem Jahre 2002 (in Salt Lake City, da gewann er 4mal Gold) und die von Oddvar Braa bewundert. Ihm brach der Stab 1982 am Holmenkollen zur WM und er gewann trotzdem Gold! Heute kann man nur noch den nicht gebrochenen Stab in einem anderen Museum bewundern, aber noch heute heißt es: "Wo warst du, als Braa den Stock brach?", wenn jemand nicht zur Stelle war.
Das alles war gratis, weil der Mann von der Skiforening, der für die Flaggen verantwortlich ist, so freundlich war, uns zwei Gratistickets auszustellen... Und wie das Wetter war, könnt ihr selbst sehen - aber immerhin haben wir etwas gesehen, ein paar Stunden vorher war alles zu gewesen um die Schanze.





Montag, 16. August 2010

Wieder daheim



Seit gestern Nachmittag bin ich wieder zu Hause in Oslo, deshalb habe ich auch gleich das versprochene Bild meines Wohndomizils mitgeschickt. Das Fenster rechts neben dem Balkon im Erdgeschoß ist das meinige. Gestern waren es 26°C in Oslo, heute sind es nicht ganz so viele, aber ich habe die Gunst der Stunde genutzt und bin kurz im Sognsvann baden gegangen. Das Wasser war gar nicht kalt, man denke nur an den Atlantik...

Heute bin ich erst mittags nach einer Joggingtour ums Sognsvann zur Arbeit gegangen und habe viel am PC gemacht,aber es war eigentlich eine ganz schöne Arbeit. Per meint sogar, in einem Monat wäre ich besser im etwas-auf-der-Internetseite-Veröffentlichen als er... Man bedenke dabei, dass ich seit fünf Jahren kein Informatik hatte. Zum Glück muss ich aber nichts programmieren oder so, das wäre etwas viel.

Anbei noch ein paar Eindrücke vom Samstag, dem letzten Tag der Toppidrettsveka und des Weltcups:


Evi Sachenbacher-Stehle und ich mit einem etwas merkwürdigen Gesichtsausdruck


Siegerehrung des 18km Jagdrennens der Frauen mit Marit Björgen (1), Charlotte Kalla (2) und Ida Ingemarsdotter (3).


Ein erschöpfter, aber glücklicher Erster Pölsa


Siegererhung der Männer mit Marcus Hellner (2) und Eldar Rönning (3).



Rückfahrt nach Oslo

Vor dem Grotli Hotell


Ein wagemutiger Per auf dem Riddarspranget (Rittersprung) - dort sprang einst ein Ritter samt Geliebter unter dem Arm über den Fluß und stieß seinen Begleiter zurück, um dem eifersüchtig folgendenen Versprochenen der Dame zu zeigen, dass er keine Skrupel hat, alle, die es wagen ihm zu folgen, in den Fluß zu stürzen.

Auf der Rückfahrt von Kristiansund nach Oslo haben wir eine junge Dame aus dem deutschen Rollerskiteam mitgenommen, die aus Dresden kommt und sogar die Familie Edel aus Kreischa kennt, bei der wir oft Fisch kaufen. Sie war ein Jahr auf einer norwegischen Volkshochschule in Voss (ca. 100km östl. von Bergen) und auf diesen Schulen bekommt man nach dem Schulabschluss Orientierungshilfen, wenn man noch nicht weiß, was man genau machen möchte. In zwei Wochen fährt sie wieder zurück nach Deutschland und studiert dann in Ilmenau. Aber es war schön, wieder Sächsisch zu sprechen, obwohl wir auch viel Norwegisch geredet haben, nur so konnte ich aber sichergehen, dass ich noch "nu" und "nee" sagen kann, denn auf Norwegisch muss man ja etwas sagen, was ja und nei ähnelt.
Außerdem sind wir von Kristiansund nach Grotli über die berühmt-berüchtigte Trollstigen und dann runter zum Geirangerfjord gefahren, was im Dämmerlicht und noch viel häufiger im Nebel doch etwas speziell ist, mir wurde jedenfalls ganz anders...

Es grüßt euch alle ganz herzlich und bis zum nächsten Mal,
eure Henni