Freitag, 13. August 2010

Toppidrettsveka und Weltcup Aure/Kristiansund



Da bin ich wieder! Diesmal aus Kristiansund.

Tja, wo soll ich eigentlich anfangen? Zum ersten: Wenn ich wieder in Oslo bin, werde ich sicher nicht mehr so oft und so viel schreiben, weil im Büro sicher nicht jeden Tag etwas Weltbewegendes passieren wird. Also keine Angst, dass ihr zu viel lesen müsst... Zum zweiten: Nein, ich jage den mehr oder minder berühmten Athleten nicht hinterher, das würde ich mir gar nicht trauen, aber Per ergreift gerne die Initiative und da lasse ich ihn machen. Ein schönes Foto kommt ja dann meistens dabei heraus, siehe Öystein und Anders.

Wettkampftag 1 in Aure, 11.8.: Keiner hat was von der Eröffnungszeremonie mitbekommen, außer die, die Norwegisch sprechen und das sind bei internationalen Veranstaltungen ja bekanntlich nicht alle. Los ging's mit den 24 und 17km Distanzrennen im Massenstart sowohl für den Weltcup im Rollski als auch für die Toppidrettsveka, die im Grunde eher eine Spaß- und Trainingsveranstaltung ist. Ich saß mit Martins Niklass aus Lettland im offenen Kofferraum des Wagens, der den Athleten des Weltcups vorausfuhr und auf einer 2km langen abfallenden Strecke haben diese auf ganze 65km/h beschleunigt! Gewonnen hat bei den Herren der Gesamtweltcupführer Anders Svanebo aus Schweden. In der Toppidrettsveka konnten Marit Björgen (NOR) und Marcus Hellner (SWE) die Rennen für sich entscheiden und Öystein "Pölsa" Pettersen rettete die norwegische Ehre mit einem dritten Platz, denn für Petter Northug war es doch eher Training als Wettkampf, weshalb dieser sich Zeit ließ.

Wettkampftag 2 in Aure, 12.8.: Freier Tag für die Weltcupleute, während die anderen Athleten sich auf einen 38km Offroad-Radtrip begaben und die Kinder eine kleinere Runde auf dem Rad fuhren. Später ging's dann noch auf einen 1,5km Sprint, den Petter Northug und Ida Ingemarsdotter (SWE) für sich entschieden.

Heute, Kristiansund, Tag 1: Der heutige Tag startete mit einer Besprechung und wurde dann von seitens einiger Teamchefs der Weltcupathleten mit äußerster Heftigkeit durchgeführt, wobei ich die Geduld des lettischen FIS-Gesandten bewundert habe (und bewundere). 14h30 ging das Programm los mit einem 200m-Lauf für die 4-10jährigen und einem 3km-Lauf für die Athleten der Toppidrettsveka. Abends kam dann noch der Sprint im Rollskiweltcup, bei dem aufgrund des später einsetzenden Regens einige Änderungen vorgenommen werden mussten und es ziemlich kalt wurde. Da dachte man wehmütig an Aure mit (fast immer) Sonne und (fast) nie Regen. Tim Tscharnke hat beim 3km-Lauf das Podium wie zwei Tage zuvor Tobias Angerer nur knapp verpasst, was ein bisschen schade ist. Aber Evi Sachenbacher-Stehle (oder wie der Norweger sagt: Sakenbakcher-Stehle) wurde Dritte bei den Damen.

Morgen geht's noch zum 18km Jagdrennen und für den Weltcup in den 200m-Sprint. Danach geht es Richtung Oslo zurück.


Anbei ein paar Impressionen der vergangenen Tage:


Teamkapitänbesprechung des Weltcups


Marit Björgen und ich


Thomas Alsgaard und ich (er war früher Profilangläufer und arbeitet jetzt für den Fernsehsender NRK als Experte)




Martins' Blick aus dem offenen Kofferraum auf die Weltcupathleten


Marcus Hellner kommt als Sieger ins Ziel, Zweiter wird Johan Olsson


Öystein "Pölsa" Pettersen


Leider knapp am Podium vorbei: Tobias Angerer wird Vierter




Benthe Asp (freiwillige Mitarbeiterin im Langlaufkommitee und kurzzeitige Mitbewohnerin) und ich


Martin Koukal (CZ)


Petter Northug setzt zu seinem berühmten Endspurt an


Björn (Rennleiter) und Haavard (Veranstalter)


Äußerst vorteilhaftes Bild von Haavard und mir


Das norwegische (Roll)Skiteam in Kristiansund


v.l.n.r.: Charlotte Kalla (SWE), Therese Johaug (NOR) und Evi Sachenbacher-Stehle (GER)

Nur am Rande: Was mir bei einigen norwegischen Mitmenschen etwas missfällt, ist, dass sie gerne Klodeckel und -brille aufgeklappt lassen, weniger unschön ist, dass viele das Licht anlassen, auch mitten in der Nacht, der Strom ist ja eines der wenigen billigen Dinge hier.

Dienstag, 10. August 2010

Zwischen Wurst und Anders - Aure, Tag 2



Øystein "Pølsa" Pettersen, ich und Anders Gløersen

Hei, hei!

Zwar macht mir mein Bauch mit seinem Eigenleben jeden Tag etwas zu schaffen, aber heute war wirklich ein schoener Tag!
Um 9 ging es erst mal zur Besprechung mit Rennleiter Bjørn und es waren noch dabei: Organisator Håvard, FIS-Repraesentant Martins aus Lettland (frewillig fuer den FIS), Per, Erik, Benthe (und ich). Mit den letzten vieren wohne ich zusammen in Aure direkt am Meer, was hier nicht zu vermeiden ist, denn Aure ist nicht wirklich gross. Wenn morgen die Toppidrettsveka beginnt, werden hier mehr Ausseroertliche sein als Einwohner... Allein den Zeitplan festzulegen bzw. auszubessern und Einwaende und Zustimmen und und und, das braucht Zeit. Nach dem Lunsj sind Per, Benthe und ich eine Weile Joggen gegangen. Dann bekamen wir im Raceoffice unsere Ausweise und je mehr Buchstaben bei den Zonen draufstehen, umso mehr Bereiche darf man betreten. Das sind bei mir vier.




Wir haben uns auch die Starts und Ziele angeschaut, die dann morgen beim 24 und 17km Rennen genutzt werden. Das Ziel liegt genau an der Grenze der Fylken (Bezirke) Møre og Romsdal und Sør-Trøndelag.




Schon um 6 abends gab es Mittag (=warmes Abendessen): Fisch, Kartoffeln und Salat. Da sassen wir zusammen mit Johan Kjølstad (der genau 9 Jahre aelter ist als ich), Ola Vigen Hattestad, John Dahl, dem daenischen Trainer der Norweger, Anders Gløersen und Øystein "Pølsa" Pettersen. Pølsa sollte man am treffendsten mit "die Wurst" uebersetzen. Diesen charmanten Namen bekam Øystein einst von einem Teamkameraden, der ihn in einem neuen Langlaufanzug als Wurst bezeichnete. Øystein ist schon bekannter als Anders, obwohl Anders mehr Siege im Weltcup hat, was wohl daran liegt, dass es nicht zu ueberhoeren ist, wenn Øystein in der Naehe ist. :)

Wichtig: Vorgestern, als wir nach unserer Bergtour auf den Høgronden in Folldal auf einem Campingplatz uebernachteten, konnten wir im Speiseraum den City-Biathlon in Puettlingen (Saarland) sehen! Wenn auch nur als Zusammenfassung. Aber mein lieber Ole ist ja als Ersatz fuer den erkrankten Emil Hegle Svendsen eingesprungen. Das Resultat war ganz in Ordnung: 1. Sumi (Christoph Sumann), 2. Peifferchen (Arnd Peiffer) und 3. Ole Einar Bjørndalen - wohlgemerkt, Ole mit einem miserablen Schiessen... Ihn werde ich aber vielleicht im November sehen, wenn im Biathlon und Langlauf die Skisaison eroeffnet wird.

So, um 21 Uhr steht jetzt noch ein Treffen an und morgen wird sicher ein anstrengender Tag.
Macht's gut,
eure Henni

Montag, 9. August 2010

In Nachbarschaft mit Petter Northug - Toppidrettsveka Aure, Tag 1

Hallo!
Eigentlich sollte es heute in Aure regnen, aber die Sonne scheint und scheint. Heute früh bin ich halb 7 aufgestanden und ca. eine Stunde später sind wir nach Aure aufgebrochen. Wir haben ein gutes Quartier, aber Netz habe ich nur hier im Büro des Veranstalters der Topidrettsveka (Topathletenwoche) Norway events. Hier und in Kristiansund findet auch ein FIS-Weltcup statt, aber nur mit Athleten, die sich ganz auf Rollski verlegt haben (deren Namen würden euch wahrscheinlich nichts sagen).
Einige bekannte Persönlichkeiten habe ich heute aber schon getroffen, wobei es für mich am besten zu sehen ist, wie diese Leute als Menschen sind, so weit man das eben in der kurzen Zeit feststellen kann. Also auch wenn ich mich vielleicht so fühlen sollte wie ein verrückter Fan, lege ich Wert darauf, es mir nicht anmerken zu lassen. Auf dem Weg nach Aure sahen wir Johan Kjölstad (er ist genau 9 Jahre älter als ich :)) und Vincent Vittoz aus Frankreich. Kurz gesprochen habe ich mit Marit Björgen und Tor Arne Hetland, der derzeit als Trainer beim deutschen Langlaufteam tätig ist. Im Haus neben unserem Quartier wohnt dann Petter Northug mit Bruder Tomas und Vater. Mal schauen, ob ich ihn treffe.
Da wir gerade bei den Klatschthemen sind, kann ich ja auch sagen, dass auf dem Handy, das ich vom Skiverband bekommen habe, auch die Nummern von einigen Athleten des norwegischen Langlaufteams sind, wahrscheinlich noch vom Vorbesitzer. Löschen müsste ich die nicht, meint Per, man ruft dort zwar nicht an, aber schreibt eine SMS hin und wird dann eventuell zurückgerufen.

Ich habe ja auch von dem Hochwasser in Sachsen gehört und im Internet gelesen. Ich hoffe nicht, dass es schlimmer wird, aber im Kirnitzschtal sieht es wirklich schrecklich aus.

Also, macht's gut,
eure Henrike

Sonntag, 8. August 2010

2800 Höhenmeter und Elchspuren - Zsfg. der letzten Tage


Beweisgipfelfoto auf dem Högronden


Per und ich vor der großen Tour

Hallo, da bin ich wieder!

Eigentlich könnte ich gleich ins Bett fallen und schlafen, zumindest meine Füße, denn die haben 10 Stunden Wandern und 1400 Höhenmeter (jeweils hoch und runter) hinter sich! (Ja, ich sehe schon die großen Augen von Keili und meinen Eltern...)
Heute sind wir auf den ca. 2100m hohen Högronden im Nationalpark Rondane gewandert, oder wie die Norweger sagen: eine fjelltur gemacht. Anbei ein Beispiel, wie der Weg sich anfangs gestaltete:


oder auch so:



Auch Schnee gab es:

Und im Hintergrund seht ihr unser Ziel, den Högronden.

Meine Füße fühlen sich etwas schwierig an und ich musste zwei Blasen unter der Hornhaut ausstechen, damit der Eiter rauskam... Auch Elchspuren und -kacke haben wir gesehen, selbiges Geschöpf aber nicht.
Jetzt übernachten wir in Zimmern auf einem Campingplatz. Gestern haben wir in einem Berghotel namens Venabu fjell hotel übernachtet, besonders zu empfehlen für ältere Herrschaften: Klaviermusik live und norwegischer Schlager vom feinsten, der es glatt in den Musikantenstadl schaffen könnte.

So, aber was ist in den letzten Tagen passiert?

Freitag, 6.8., Tag 2 in Sjusjöen:

War ein ziemlich geschäftiger Tag. Nach dem Frühstück haben wir zusammen mit Brit, Sjur Ole (sprich: Schür) und Stian das Sprinttraining der Mädchen organisiert. Am Nachmittag waren die Jungs dran. Das Wetter an diesem Tag lässt sich leicht zusammenfassen: Nebel, Nebel und Regen, Regen. Organisieren bedeutete in diesen Fällen, Startnummern austeilen und die Zeiten aufschreiben, um dann je nach Leistungsstärke Gruppen einzuteilen.
In Lillehammer sind wir mal kurz durch den Olympiapark von 1994 gefahren, haben die Sprungschanzen gesehen und dann in der Haakonshalle eine türkische und russische Flagge für Aure/Kristiansund abgeholt, die sie am Holmenkollen nicht mehr hatten.
Außerdem stand ich das 1. Mal auf Rollskiern (klassich)! Und bin nicht hingefallen, aber das kann in Aure/Kristiansund noch passieren...

Samstag, 7.8., Tag 3 in Sjusjöen:

War ruhiger. Und ganz anderes Wetter.



Nach dem Frühstück saß ich mit Brit im Auto und wir sind den Jungs bei ihrem klassischen Langstreckenrollskitraining hinterhergefahren. Per war auch mit von der Partie. Mit ihm bin ich nach dem Lunsj eine Runde Joggen/Gehen bis zum sogenannten Sjusjöfjellet gewesen. Dann gab's etwas Freizeit und dann sind wir noch ein Stück mit dem Auto gefahren, um den Mädels bei ihrem Langstreckentraining zuzusehen:





Ein Bild von unterwegs mit den Betreuern des Mädchentrainings: Björnar, ich und Brit.

Wer war (noch) in Sjusjöen dabei?

Björnar: Sportchef in einem Osloer Skiverein
Brit: vielbeschäftigte Mitarbeiterin des Skiverbands, hauptsächlich Juniorenlandesmannschaft
Lars Christian: der andere Mitbewohner, aber ich bin nicht sicher, was er arbeitet
Esben: Einzigartig in Norwegen, da man seinen Namen normalerweise Espen schreibt, er wird in der nächsten Saison als Wachstechniker aktiv sein
Lars 2: Trainer, sieht typisch norwegisch aus: blond, blaue Augen und hat in Sjusjöen vor allem die Kondition der Athleten trainiert: Geländelauf, Muskeltraining, etc.
Stian: kommt aus Nordnorwegen, hat also einen ziemlich speziellen Dialekt, aber sehr nett
Roar: Bruder des Langläufers Odd-Björn Hjelmeset, sieht oft etwas grimmig drein und trainert wie Brit die Jungs und Mädels der Juniorenlandesmannschaft
Sjur Ole: Ein sehr netter und witziger Mensch, dem ich ein solches Stimmvolumen, wie er es beim Start demonstriert hat, nicht ganz zugetraut hätte, spricht neben dem hauptsächlich gesprochenen Bokmaal-Norwegisch eigentlich als Muttersprache Nynorsk wie Roar

Warum ich das schreibe? Weil ich diese Leute im Laufe des kommenden Winters immer wieder treffen werde.

_____________________________________________________________________________________

SERIE:

Das deutsche Norwegisch oder eben doch nicht

Was bedeuten folgende Wörter?

beinhard
blinddarm
aa (schreibt man als a mit Kringel) vaere (sein) bekymret
innbilding



Fortsetzung folgt... (es gibt natürlich mehr, aber das reicht erst mal)

Donnerstag, 5. August 2010

Sjusjöen, Tag 1

Hei!

Nachdem der Regen in Oslo doch aufgehört hat, habe ich mich tatsächlich kurz vor 9 zum Sognsvann aufgemacht und war fast genau eine Stunde später wieder da, wobei ich nicht alles gänzlich gejoggt bin, auch mal gegangen, denn es war doch ein ganzes Stück länger als zu Hause. Morgen möchte Per mit mir eine Runde laufen, mal sehen, ob ich da mithalte.

Nach dem Lunsj im Büro und kleineren Arbeiten am büroeigenen Laptop hat Per mich und wir zusammen mein Gepäck bei Midori abgeholt und dann los nach Sjusjöen bei Lillehammer. Das Ganze hat dann doch etwas länger gedauert als erwartet, weil es eine lange Strecke mit Bauarbeiten gab, währendderselben Per und ich so ziemlich alles an Gesprächsthemen zwischen norwegischer Verfassung, Krankenhäusern und Germanen abgedeckt haben.
Dann haben wir in Sjusjöen (oder einem Teil von diesem Ort, der Natrudstilen heißt) den jungen Athleten beim Trainieren zugeschaut und ich kann euch sagen: Das ist ganz schön hart, was die da machen! Da schwitzt man schon vom Zusehen. Die Athleten hier sind in etwa so alt wie ich, oder so um die 19.
Wir wohnen hier in großen neuen Hütten mit Gras auf dem Dach und ich wohne mit 3 Männern (!, ganz Nette: Per, Björnar und Lars) in einer Hüttenhälfte, aber die gemischte WG macht sich ganz gut, also bitte keine Sorgen wegen der Geschlechterverteilung.

Morgen holen wir noch eine türkische und russische Flagge für Aure/Kristiansund nächste Woche und ich muss einige kleinere Aufgaben übernehmen und mich ins System des Skiverbandes einarbeiten.

Also, ich mache mich jetzt ans Bettbeziehen und Duschen, dann freue ich mich auf mein Bett!

Ha det bra,
Henrike

Mittwoch, 4. August 2010

Das Abenteuer oder die Langeweile der Aufenthaltsgenehmigung






Hei!

Das erste Mal aufgewacht bin ich halb 6, aber habe noch mal bis halb 8 geschlafen und dann die vier Stationen mit der U-Bahn halb 9 bis zum Ullevaal Stadion genommen (wobei die U-Bahn auf dieser Strecke gänzlich oberirdisch fährt).
Heute ging es daran, meine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Also sind wir zur Polizei gefahren, denn da befindet sich auch das Büro für Ausländer. In Norwegen ist es zwar nicht beliebt, aber stark verbreitet, eine Nummer auf allen möglichen Ämtern zu ziehen, sei es nun auf der Bank, in der Apotheke oder eben bei den Behörden. Es waren gerade die Nummern 5 und nähere dran und wir zogen Nummer 63, und es ging alles sehr langsam vonstatten. Da hatte Per die Idee, erst mal hoch zur Holmenkollenschanze zu fahren, um dort Fahnen für die Topathletenwoche in Kristiansund zu holen. Probleme gab es bei der türkischen, aber in Sjusjoen soll es eine geben, die wird dann mitgenommen. Danach ging's ins Büro zum Lunsj (am Mittag, aber nur Schnitte, warm gibt es abends) auf die Terrasse bei feinstem Sonnenschein, erst morgen soll es regnen. Auf dem Computer mussten wir auch etwas für die Behörde ausfüllen und sind anschließend wieder zurück, da stellten wir fest: Es war schon Nummer 83 an der Reihe und wir mussten also noch einmal einen Zettel ziehen - Nummer 218! Da haben wir gelernt zu warten, auch wenn es etwas effektiver hätte sein können, denn ab 188 ungefähr kam keiner mehr und es wurde gefragt, wer hat welche Nummer und trotzdem hat es dann noch eine Weile gedauert. Ich befürchtete, das gleiche Prozedere noch einmal am Bahnhof für die Monatskarte durchmachen zu müssen, aber glücklicherweise ging das sehr schnell. Allerdings weiß ich nicht, wie das Erlangen einer Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland wäre, wohl kaum schneller. Davon waren wir beide jedenfalls ganz schön platt.
Zu Hause bei Midori hat sie mir den Weg zum See Sognsvann gezeigt, damit ich dort (sollte es nicht regnen) joggen kann. Nach dem Frühstück werde ich dazu Zeit haben, ich muss erst zum Lunsj ins Büro und vorher noch für Sjusjoen und Kristiansund packen. Der Nachbar, oder besser Untermieter, Kjell hat sich auch gezeigt und bei ihm merkt man wirklich wunderbar, wie wenig man den Mund aufmachen muss, um Norwegisch zu sprechen, nicht mal einen Zentimeter, wenn man geübt ist! Vorher habe ich außerdem Zahnpasta gekauft, in einem kleinen Kiosk, die ich glorreich zu Hause gelassen hatte und irgendwie gab es die Zahnpasta für 14 Kronen (NOK) nicht und ich musste statt insgesamt 28 NOK, 50 NOK bezahlen, also eine hat etwa 4 € gekostet, was aber ein durchaus normaler Preis sei, meinte Midori.

Ich bekomme auch ein norwegisches Handy vom Skiverband, mit dem ich auch nach Deutschland telefonieren kann, aber nicht zu lange, denn der Skiverband bezahlt mir das Handy, denn er hat eine Art Abonnement. Ich habe also immer noch mein deutsches Handy, das für längere Gespräche herhalten muss, oder natürlich Skype, was ja gänzlich kostenlos ist.

Also bis zum nächsten Mal,
eure Henni

P.S.: Anbei ein paar Bilder von meinem Zimmer, die mir meine Gastmutter Midori schon vorher zugeschickt hat. Bald kommt auch ein Bild vom Haus.

Dienstag, 3. August 2010

Gelandet

Hei alle sammen!

Doch mit ein paar Tränen habe ich mich von meinen Ellis und meinem Brüderchen verabschiedet. Relativ pünktlich um 11h30 hob mein Flugzeug (samt mir) in Richtung Oslo ab. Der Flug war in Ordnung. Ab und zu konnte man etwas durch die dichte Wolkendecke sehen und ich bilde mir auch ein, dass das für einen kurzen Augenblick die Ostsee war. Aber zwischendurch fühlte ich mich doch eher wie auf einer mit vielen Schlaglöchern versehenen Straße, woraufhin mein Bauch auch einige Purzelbäume schlug. Das erste, was ich dann von Norwegen gesehen habe, war Wald - Unmengen an Nadelwald, aufgereiht wie in der Baumschule. Die Landung war sehr gut, man hat sie fast gar nicht bemerkt. Gegen Ende des Fluges stellte sich auch heraus, dass neben mir ein Deutscher samt Tochter saß, der seit drei Jahren in Ikjefjord in Bergen zu Hause ist und ein eigenhändig restauriertes Ferienhaus betreibt. Dafür habe ich gleich eine Einladung bekommen. Mal sehen, ob's sich's ergibt, dort vorbeizuschauen - immerhin würde ich die Einwohnerzahl dann auf 35 anheben! Die zwei mussten dann noch mit einem Jungen, der weiter hinten im Flugzeug gesessen hatte, fünf Stunden in Oslo auf dem Flughafen ausharren, bis sie weiterfliegen konnten, denn ein Linienflug von Berlin/Schönefeld nach Bergen gab es heute nicht. Der Flughafen Gardermoen selbst liegt ein ganzes Stück außerhalb von Oslo, dort wurde ich dann von meinem Chef Per abgeholt - 50 Kilo Gepäck (2*20 und 1*10 Handgepäck), also mehr als ich selbst wiege (mein Gewicht liegt bei stolzen 48,7kg)!
Wir sind dann erst mal nach Oslo reingefahren, ich habe von weitem sehen können, wo Per wohnt, anschließend fuhren wir kurz an meinem künftigen Heim vorbei und dann ins Büro am Ullevaal Stadion. Dort habe ich schon einige Kollegen kennen gelernt und auch etwas über das örtliche Computersystem. Daher könnt ihr mich auch eine Mail an eine andere Adresse schreiben: Henrike.Anders@skiforbundet.no . Natürlich gilt meine andere auch weiterhin. Um fünf sind wir dann zu meiner Gastmutter Midori gefahren (sie kommt aus Japan, ist mit einem Norweger verheiratet), nachdem sie von ihrer Arbeit aus dem Kindergarten und ihrer Joggingrunde wieder da war - das Joggen werde ich hier auch bald ausprobieren.
Ich wurde dann gleich verköstigt, mit Hühnchen, Salat, Nudeln und noch einem Himbeerkuchen obendrauf - ich war also ziemlich voll, obwohl meine letzte Mahlzeit das Frühstück bei einer guten Berliner Freundin um halb neun gewesen war. Ich habe auch schon die berühmten 7-Uhr-Nachrichten auf dem Dominatorsender NRK gesehen (sowas wie die ARD), die gehen ca. eine halbe Stunde und ich versuche etwas Verständliches heraus zu hören.
Morgen ist vor allem Bürokratie angesagt, ja wir müssen sogar zur Polizei! Dann werde ich mich sicherlich auch etwas einarbeiten. Am Donnerstag schwingt mein Chef regelmäßig den Staubsauger und macht einen privaten Besuch, sodass ich bis zum frühen Nachmittag ohne ihn mit den anderen Kollegen im Büro bin - wo es übrigens auch einen Kletterverband gibt, in dem Gebäude sind nahezu alle Sportverbände untergebracht, vom Golf bis zum Biathlon, aber die größten Büros sind die des Ski- und Fußballverbandes. Ja, und dann geht's los in Richtung Lillehammer und in der Woche drauf von dort aus nach Kristiansund/Aure zur Topathletenwoche - ich habe ja heute auch schon einige Briefe an Petter Northug und Co. gesehen...

Mir selber geht es ganz gut. Meine Gefühlswelt schwankt natürlich und das wird sicher einige Zeit dauern, bis es konstant wird. Ich habe auch schon eine Umarmung von Midori bekommen und mit Mama und Papa sowohl per Telefon als auch per Skype telefoniert.

Der Netzanschluss ist hier ganz gut, mal sehen in wie weit das an den anderen Orten sein wird.

Es grüßt euch und schlaft gut,
eure Henni

P.S.: Bilder werden bald folgen.
P.P.S.: Wer keine Mail mit meiner Adresse bekommen wird, soll mir das mal bitte durchgeben, aber ich möchte sie nicht öffentlich auf diesen Blog schreiben.